Werder Bremen demonstriert Geschlossenheit
Pokalsieg stürzt Ailton in einen Zwiespalt

Das erste Double der Vereinsgeschichte hat Werder Bremen selbstbewusst gemacht. Die Dominanz des Meisters und Pokalsiegers soll sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen.

Von Thomas Flehmer

HB BERLIN. Werder Bremen hat zum Abschluss der Saison seine Stärke demonstriert. Drei Wochen nach Gewinn der Meisterschaft und zwei hohen Niederlagen gegen Bayer Leverkusen und Hansa Rostock präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf am Samstag wieder als verschworene Gemeinschaft. «Unser Selbstvertrauen und Wille war so groß, dass wir in den entscheidenden Spielen unsere Leistung abrufen konnten», sagte Kapitän Frank Baumann nach dem 3:2 (2:0)-Erfolg im Finale um den DFB-Pokal gegen Alemannia Aachen.

Nachdem Werder in den letzten Jahren nach einer starken Vorrunde in der Bundesliga-Rückrunde immer aus der Spitzengruppe heraus fiel, haben nun zwei Jahre weitere Erfahrung und Reife den gewünschten Erfolg gebracht.« Ausschlaggebend war die Harmonie im Team. Wir sind zusammen gerückt», so Torhüter Andreas Reinke.

Die Harmonie führte dazu, dass sich «Spieler aus der zweiten Reihe nahtlos einfügten», so Baumann. Beim insgesamt fünften Bremer Pokalerfolg avancierte so Tim Borowski mit seinen beiden Treffern in der 31. und 84. Minute zum Matchwinner. Der 24-Jährige ist ansonsten eher Ergänzungsspieler und bestritt von seinen 25 Spielen in der abgelaufenen Meistersaison nur elf Partien von Beginn. Dabei erzielte er lediglich ein Tor am vierten Spieltag beim 4:1-Erfolg gegen Schalke 04. «Das war mein bestes Spiel bei Werder. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passiert wie jetzt im Finale. Aber nach unseren beiden schlechten Spielen waren wir den Fans auch etwas schuldig», so Borowski.

Der Mittelfeldspieler wollte zwar vor Freude platzen, hielt sich aber mit seinen Aussagen zurecht. In den letzten Jahren konnte er nicht unbedingt die Erwartungen an seine Person erfüllen. So blieb auch das Lob von Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs recht bescheiden. «Tim ist hochtalentiert, aber er muss auch noch an sich arbeiten», so Allofs. So bleibt sich Werder auch nach dem ersten Double der Vereinsgeschichte treu. Die lauten Sprüche werden den Funktionären aus Süddeutschland überlassen, im Norden wird leise gearbeitet.

Dabei war der Druck vor dem Finale gegen den Zweitligisten, der am letzten Sonntag den Aufstieg in die Bundesliga verspielt hatte, enorm. Zum einen fehlte nach den vielen Meisterfeiern der Rhythmus, zum anderen wäre eine Niederlage ein «fader Beigeschmack gewesen, den wir in den Urlaub hätten mitnehmen müssen. Wir wären dann schon enttäuscht gewesen», sagt Schlussmann Reinke.

So aber gab es im Olympiastadion durch Ivan Klasnic in der 44. Minute bei zwei Anschlusstreffern von Stefan Blank und Erik Meijer (90.) ein Happyend für Bremen. «Wir haben zu Saisonbeginn gut in Berlin angefangen (3:0-Sieg bei Hertha BSC) und haben nun einen vernünftigen Abschluss geschafft», so Reinke.

Und gerade durch das Double zeigt Werder nun Selbstvertrauen pur. «Es wäre schön, wenn jedes Jahr so etwas passiert», so Reinke. Dabei herrscht aber auch wieder Bescheidenheit vor. «Bayern München ist wieder großer Favorit», sagt Baumann. Durch die beiden Titel aber ist es für den Kapitän möglich, «wieder in den Titelkampf eingreifen.» Baumann fügt aber auch hinzu, «wenn wir hart arbeiten.» Allerdings muss Bremen dann auch noch die zusätzliche Belastung Champions League bewältigen. Allofs aber sieht kein Problem. «Wenn wir in der Bundesliga eine starke Mannschaft zusammen haben, dann werden wir auch in der Champions League ein Wörtchen mitreden.» Deshalb will Allofs an Verstärkungen für das Mittelfeld und im Abwehrbereich «in den nächsten Tagen» arbeiten.

Während Werder nach dem letzten Saison-Spiel zur letzten Saisonfeier aufbrachen, befand sich Ailton in einem emotionalen Zwiespalt. Am 32.Spieltag verließ der Brasilianer unter Tränen nach dem 3:1-Erfolg bei Bayern München das Münchner Olympiastadion. In Berlin wollte sich der Stürmer mit Toren von der Mannschaft verabschieden. Während sich Landsmann Giovane Elber im Pokalfinale 1997 mit zwei Treffern gegen den damaligen Regionalligisten Energie Cottbus vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München verabschiedete, ging der diesjährige Bundesliga-Torschützenkönig leer aus.

Nach dem Spiel schloss sich Elber mit dem Pokal auf dem Hotelzimmer ein und nahm nicht an den Feierlichkeiten des Vereins teil. Auch Ailton begleitete die Mannschaft nicht zum Auftritt in das «Aktuelle Sportstudie». «Er hat Flugangst», sagte Allofs mit Augenzwinkern. Der Sportdirektor konnte aber die Zwangslage von Ailton verstehen. «Ihm ist zuviel durch den Kopf gegangen.»

Eine Überlegung in Ailtons Kopf war wohl die Zukunftsaussicht des Brasilianers. Wenn Bremen sich im Juli auf die neue Saison in Bundesliga und Champions League vorbereitet, düst sein neuer Arbeitgeber Schalke 04 im UI-Cup über die Dörfer, um einen Platz im Uefa Cup zu ergattern.

Hoffen kann Ailton, der in Bremen seinen Urlaub so gern um ein oder mehrere Tage verlängerte, dass sich die Geschichte wiederholt. Im Vorjahr scheiterte Bremen im UI-Cup am österreichischen Vertreter Superfund Pasching. Ein knappes Jahr später war das erste Double der 105-jährigen Vereinsgeschichte perfekt.

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