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Werder feiert mit kontrollierter Party-Offensive

Berlin (dpa) - Zu meisterlicher Form liefen die Bremer erst spät in der Nacht auf. Unmittelbar nach dem mühevollen 3:2-Finalsieg gegen Alemannia Aachen wirkte die Freude gedämpft und angesichts der wenig berauschenden Leistung zurückhaltend.

Berlin (dpa) - Zu meisterlicher Form liefen die Bremer erst spät in der Nacht auf. Unmittelbar nach dem mühevollen 3:2-Finalsieg gegen Alemannia Aachen wirkte die Freude gedämpft und angesichts der wenig berauschenden Leistung zurückhaltend.

Vom überschäumendem Temperament und von überschwänglichen Gefühlsausbrüchen, so wie nach der gewonnenen Meisterschaft, war bei Werder auch in den ersten Stunden nach dem Pokalsieg in Berlin nichts zu sehen. Nach der kontrollierten Party-Offensive kam bei den Fußballprofis die ausgelassene Stimmung erst tief in der Nacht beim Disco-Besuch auf.

Während die Profis das Bankett nach dem ersten Double-Gewinn in der Vereinsgeschichte schnell verließen, hielten Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs mit Clubchef Jürgen L. Born bis zuletzt aus. «Ihr werdet Gesichter machen, wenn wir hier nächstes Jahr drei Pötte stehen haben», ulkte Born um kurz vor 5 Uhr und lächelte selig. Der Vorsitzende der Geschäftsführung hatte auch Stunden zuvor als Einziger die «historische Leistung» des ersten Doppel-Erfolges mit wuchtigen Worten beschrieben: «Wenn wir bisher von grün-weißen Helden gesprochen haben, dann müssen wir jetzt grün-weißen Göttern sprechen.»

Das mäßige Spiel war der eine Grund für den gemäßigten «Double-Jubel» - das fehlende Überraschungsmoment beim Pflichtsieg gegen den Zweitligisten der wohl wichtigere. «Im Hinterkopf wussten wir ja schon, dass wir den Pokal gewinnen», erklärte Valerien Ismael. Und dann schwirrte manchem auch noch der peinliche Prämienpoker durch den Kopf, mit dem die Vereinsführung die Mannschaft während der Woche nachhaltig verärgert hatte. «Die Feierstimmung hatten wir zuletzt nicht mehr, wir hatten ja zwischendurch auch Ärger», gab Torwart Andreas Reinke zu.

Selbst der für seine Gefühlsausbrüche bekannte Ailton zeigte nur verhaltene Freude. Nach seinem letzten Spiel vor dem Wechsel zu Schalke 04 sagte er in seiner unnachahmlichen Art: «Egal, in Vertrag steht, UI-Cup, UEFA-Cup, Champions League oder Bundesliga - ich muss Tore schießen.» Wie sechs weitere Profis wurde der brasilianische Torjäger beim Bankett im Hotel Ritz Carlton verabschiedet. Angesichts der eigenen Teilnahme an der Champions League gab Allofs dem ebenfalls zu Schalke wechselnden Mladen Krstajic mit auf den Weg: «Wir wünschen Dir alles Gute, auch in den Spielen im UI-Cup.»

Mit Ironie konterte der Manager auch die Fragen nach der Zukunft, die ja nur schwerlich erfolgreicher als die abgelaufene Saison sein könne. «Ich bin total verzweifelt», sagte Allofs süffisant grinsend: «Ich weiß gar nicht, wie es weitergehen soll.» Er sucht bereits nach weiteren neuen Spielern, setzt bei den Planungen aber auch darauf, dass sich Talente wie Tim Borowski durchsetzen, der im Olympiastadion mit zwei Toren der Matchwinner war.

Im Gegensatz zu den eher stillen Helden in Berlin hatten die Fans in der Heimat ihre Party schon vor dem Anpfiff begonnen. Mehr als 20 000 Anhänger feierten auf dem Bremer Domshof vor einer Großbildleinwand und tanzten bis zum Morgengrauen. Und am Sonntagmittag empfingen dann rund 30 000 Bremer die Mannschaft am Bahnhof, wo sie Sonntagmittag mit einem Sonderzug ankam.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Aachener schon länger wieder im grauen Alltag. Trainer Jörg Berger heizte die Diskussion um seine Zukunft als Trainer der Alemannia an, als er sagte: «Es war eine schöne Zeit.» Nach fast drei Jahren scheint sich die Zeit des 59-Jährigen bei den Westdeutschen ihrem Ende entgegen zu neigen. Allerdings hatte Club-Präsident Horst Heinrichs noch Sonntagmorgen erklärt, dass Berger nach seinen Kenntnissen Chefcoach bleibe.

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