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Werder feiert sich trotz 2:6-Pleite

Bremen (dpa) - Der Riesen-Ernüchterung auf dem Platz folgte beim deutschen Meister Werder Bremen eine ausgelassene Jubel-Party.

Die Übergabe der Meisterschale durch Teamchef Rudi Völler, der grün-weiße Konfetti-Regen aus zwei Kanonen auf die Mannschaft, das Schaulaufen der Meister-Spieler in der Arena, die Freudengesänge der Fans und das Abspielen der «We are the Champions»-Hymne drängten das deftige 2:6- Debakel im letzten Saison-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen in den Hintergrund. «Dieses Jahr haben wir eine große Geschichte geschrieben», stimmte Werders Erfolgstrainer Thomas Schaaf in den Lobgesang mit ein, obwohl er über die katastrophale Leistung seines Teams und die erste Niederlage nach 27 Pflichtspielen deprimiert war.

«Zu Beginn der zweiten Halbzeit sind wir einmal für einen Moment aus dem Tanzsaal herausgegangen. Doch jemand hat uns wieder hineingezogen», schilderte Schaaf sein Empfinden, nachdem sein Team zwar auf einen 0:3-Rückstand mit zwei Gegentoren geantwortet hatte, aber dann doch wieder in ein tiefes Loch gefallen war. Eine Woche mit «Feiern ohne Ende» wurde von den Gästen bitter bestraft. Treffer von Franca (3), Dimitar Berbatow (2) und Oliver Neuville bestraften die Bremer Nachlässigkeiten nachhaltig. Daran änderten auch die Treffer von Mladen Krstajic und Ailton mit seinem 28. Saisontor nichts.

Um die anfängliche Missstimmung bei den Anhängern nach der höchsten Saisonpleite in Feierlaune abzuändern, trugen die Profis ein Spruchband mit der Aufschrift «Danke! Ihr seid deutsche Fan-Meister» über den Platz. Damit war die Atmosphäre gerettet. Die «Fete Teil zwei» konnte beginnen. Die Werder-Mannschaft lief nach Erhalt der Meisterschale ihre Ehrenrunde, Ailton verabschiedete sich mit einem Pappschild mit der Aufschrift «Danke und Adios» vom Anhang. Da hatte der Brasilianer den Einbruch in sein Haus mit dem Verlust von Bargeld und zwei Autos fast vergessen. Die Platzwarte fuhren zur Sicherheit die Tore aus dem Stadion. Auf dem Spielfeld standen die «Meistermacher» Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs inmitten des Vorstandes und beobachteten das ausgelassene Treiben der Kicker.

Als Ivan Klasnic dann seinem Trainer die Meisterschale in die Hand drückte, kannte der Jubel keine Grenzen. «Das war ein schöner Moment. Worte fielen mir dafür nicht ein», gestand Schaaf sichtlich gerührt. Hinterher meinte der 43 Jahre alte Fußball-Lehrer: «Wir haben eine Riesen-Saison gespielt. Ich werde sie so schnell nicht vergessen.» Da war auch das peinliche 2:6 fast vergessen, auch wenn es Schaaf mächtig ärgerte: «Mit einem Sieg lässt sich eine Meisterschaft eben viel besser feiern.» 45 Minuten nach Spielschluss gab es für die Anhänger dann kein Halten mehr. Sie durchbrachen die Absperrungen, nahmen das Spielfeld ein und veranstalteten ihre eigene Party.

Teil drei der Feierlichkeiten beim SV Werder folgte am Tag nach 2:6-Pleite mit dem Empfang im Rathaus und dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Danach sollen dann aber die Vorbereitungen auf das letzte Punktspiel in Rostock und den abschließenden Saison-Höhepunkt mit dem DFB-Pokalfinale am 29. Mai in Berlin gegen Alemannia Aachen beginnen. Denn Ailton stellte vor der Abfahrt zu einem internen Mannschafts- Essen klar: «Wir wollen den Pokal und holen das Double.»

Die Leverkusener hatten es nach der Partie eilig. Trainer Klaus Augenthaler reiste zu einem privaten Termin, die Spieler wollten dem Trubel entfliehen. Der Bayer-Coach hatte auf die Unkonzentriertheit des Gegners gesetzt und sah sich bestätigt: «Man hat gesehen, das Werder nicht mit den Gedanken dabei war. Das haben wir ausgenutzt.» Und die Chance gewahrt, sich am letzten Spieltag mit einem Sieg über den VfB Stuttgart direkt für die Champions League zu qualifizieren.

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