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Werder vor Zitterpartie - Reinke nicht Sündenbock

In der Bundesliga ist Werder Bremen ins Mittelmaß abgestürzt, in der Champions League droht das frühzeitige Aus. Der deutsche Fußball-Meister torkelt derzeit durch die Saison und steht nach dem 1:1 gegen Inter Mailand vor einer Zitterpartie in Valencia.

dpa BREMEN. In der Bundesliga ist Werder Bremen ins Mittelmaß abgestürzt, in der Champions League droht das frühzeitige Aus. Der deutsche Fußball-Meister torkelt derzeit durch die Saison und steht nach dem 1:1 gegen Inter Mailand vor einer Zitterpartie in Valencia.

"Dort erwartet uns ein Hexenkessel", warnte Manager Klaus Allofs mit Blick auf die entscheidende Partie beim spanischen Meister am 7. Dezember. Und Stürmer Nelson Valdez meinte: "Das wird das wichtigste Spiel des Jahres."

Geradezu beschwörend weisen die Werder-Verantwortlichen nun darauf hin, dass sie das Achtelfinale des wichtigsten Clubwettbewerbs noch aus eigener Kraft schaffen können. "Wir haben selbst alles in der Hand, das ist das Entscheidende", betonte Trainer Thomas Schaaf, der seine Spieler trotz der verpassten Chance in Schutz nahm. Auch über Torwart Andreas Reinke, der nach der Führung durch Valerien Ismael (49./Foulelfmeter) mit einem Stellungsfehler den Ausgleich von Obafemi Martins (55.) ermöglichte, gab es kein böses Wort.

"Ein Torwart darf heutzutage nicht die ganze Zeit auf der Linie stehen, sondern ist eine Art Libero", rechtfertigte sich der Keeper. Er war vor dem Treffer des eingewechselten Martins von Dejan Stankovic überlupft worden. Stattdessen lobte Reinke den Heber, der von der Latte vor Martins Füße fiel: "Das war klasse gemacht, wir spielen eben nicht in der Kreisklasse." Der Torwart, der ansonsten eine starke Leistung bot und mehrere Male Kopf und Kragen riskieren musste, sah sich selber fehlerfrei. Tatsächlich lag die Ursache für den Gegentreffer im Mittelfeld, wo der Ball vertändelt worden war.

Der Schlussmann hakte die teilweise mutlose und durch ungewohnt viele Fehler geprägte Vorstellung seines Teams schnell ab und sprach lieber über die letzte Partie der Gruppenphase. "Genau wegen solcher Spiele wollten wir doch in die Champions League", meinte Reinke. "Wir wollten in diese großen Stadien, in denen die Leute jubeln, pfeifen und schreien. Und genau das werden sie in Valencia tun."

Wie sein Trainer sieht der Tormann sein Team deutlich im Vorteil und die Gastgeber unter Druck, denn schon ein Remis reicht Werder zum Einzug in die Runde der sechzehn besten Mannschaften Europas. Sogar eine Niederlage mit einem Tor Differenz können sich die Bremer leisten, sofern sie mindestens einen eigenen Treffer erzielen. In der Champions League zählt bei Punktgleichheit zunächst der direkte Vergleich und erst dann das Torverhältnis aus allen Gruppenspielen.

Dem FC Valencia reicht deshalb ein 1:0-Sieg zum Weiterkommen. Mit dieser Konstellation hatte der spanische Meister, der ohne zu glänzen 2:1 beim RSC Anderlecht gewann, kaum noch gerechnet. "Eine Paella für Inter", bedankte sich deshalb die Zeitung "As" beim Mailänder Team, das in dieser Saison in Pflichtspielen weiterhin unbesiegt ist.

Etwas zurückhaltender kommentierte Allofs die Ausgangsposition. "In Valencia werden wir sehen, wie weit wir sind, und ob wir in so einer Atmosphäre zurecht kommen", meinte der Manager. Angesichts der Berg- und Talfahrt in der Saison nach dem Gewinn des Doubles ist Skepsis durchaus angebracht. Gerade das Hinspiel gegen Valencia war ein Sinnbild für das bisher wechselhafte Auftreten. Es kann aber auch Mut machen, denn nachdem das Werder-Team in der ersten Halbzeit mutlos und zaghaft aufgetreten war, zeigte es im zweiten Durchgang einen furiosen Sturmlauf.

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