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Werders Micoud glänzt beim 2:1 in Anderlecht

Die Galavorstellung löste die Zunge. Nach vier Tagen demonstrativer Stille hatte Johan Micoud seine Stimme wiedergefunden und reagierte auch abseits des Rasens auf die nachdrücklichen Forderungen von Manager Klaus Allofs.

dpa BRÜSSEL. Die Galavorstellung löste die Zunge. Nach vier Tagen demonstrativer Stille hatte Johan Micoud seine Stimme wiedergefunden und reagierte auch abseits des Rasens auf die nachdrücklichen Forderungen von Manager Klaus Allofs.

"Ich habe gezeigt, ich bin wieder da", sagte Werder Bremens zuletzt heftig kritisierte Fußball-Diva nach dem 2:1-Sieg in der Champions League beim belgischen Meister RSC Anderlecht. Micoud zeigte mit dem beeindruckenden Auftritt in Brüssel die erhoffte Trotzreaktion. Er glänzte nicht nur mit traumhaften Pässen, sondern auch mit Antreiber-Qualität und ungewohnt kämpferischem Einsatz. Zuvor war der launisch wirkende Franzose sowohl in der Öffentlichkeit als auch von Vereinsverantwortlichen wegen seiner Fehler gegen Mainz und gegen Bayern sowie für sein Auftreten kritisiert worden.

"Manchmal muss man Klartext reden, alles andere nutzt da nichts", sagte Allofs. Er fühlte sich nach der Partie bestätigt: "Man muss Probleme intern ansprechen, aber manchmal muss man das auch öffentlich machen. So wie man lobt, muss man auch kritisieren."

Bei Micoud scheint die Botschaft angekommen zu sein. "Kritik bringt mich nach vorne", erklärte der Spielmacher, der das Geschehen im Mittelfeld nach Belieben dominierte. Der 31-jährige, der zuletzt Interviews abgelehnt hatte, sagte aber auch: "Ich bin alt genug, um mich ohne so etwas zu motivieren. Manchmal akzeptiere ich öffentliche Kritik, manchmal nicht."

Hilfe hatte Micoud von seinen Mitspielern bekommen. "Wir haben ihn als Mannschaft total unterstützt und ihm gesagt, er soll sich auf seine Stärken konzentrieren", berichtete Nationalspieler Miroslav Klose: "Wir wissen, was für ein besonderer Spieler er ist und wie wichtig er für uns ist."

Nicht der starke Klose, sondern der schwächere Ivan Klasnic (36./59. Minute) vollendete Micouds Vorlagen zu den entscheidenden Toren nach Anderlechts Führungstreffer durch Christian Wilhelmsson (26.). "Notnagel" Klasnic, der nur durch den kurzfristigen Ausfall von Angelos Charisteas in die Startelf gerückt war, gab zu: "Das war eine komische Situation. Es war sehr schwierig, denn ich war ein bisschen gekränkt, dass ich zuletzt nicht gespielt habe." Zugleich bestätigte er aber Trainer Thomas Schaafs Auswahl: "Er kann jeden Stürmer bringen, die treffen auch."

Dank des Klasnic-Doppelpacks und des gleichzeitigen Sieges von Inter Mailand in Valencia hat Werder als Gruppen-Zweiter beste Chancen, das Achtelfinale zu erreichen. "Wir haben jetzt zwei Heimspiele, wenn wir da vier Punkte holen, sind wir durch" lautete die Hochrechnung von Fabian Ernst.

In die Freude über Micouds Weltklasse-Leistung und die glänzende Ausgangsposition mischte sich aber schnell die Angst vor dem Alltag in der Bundesliga. Die Personalsituation nimmt mit weiteren Ausfällen fast dramatische Züge an. In Charisteas fiel in Anderlecht der siebte Nationalspieler aus, und in Pekka Lagerblom und Nelson Valdez drohen bei der Bundesligapartie gegen Nürnberg weitere Ausfälle. "Jetzt darf nichts mehr passieren", sagte Trainer Schaaf.

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