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Werfer-Debakel: Titelverteidiger Kobs erkrankt, Buder außer Form

Die deutschen Werfer haben zum Auftakt der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton ein Debakel erlebt. Die Kugelstoßer verfehlten zum ersten Mal in der WM-Geschichte den Endkampf.

dpa EDMONTON. Auch im Hammerwerfen bleibt den deutschen Recken bei der Titelvergabe nur noch die Zuschauerrolle. Der 29-jährige Titelverteidiger Karsten Kobs wurde wegen einer Hals-Rachen- Entzündung schon vor der Qualifikation in den "Ruhestand" versetzt. Auch Holger Klose (Frankfurt/Main) blieb mit nur einem gültigen Versuch von 74,02 m und Platz 25 auf der Strecke.

Der 35-jährige Oliver-Sven Buder (Ingolstadt) stand seit 1991 fünf Mal im WM-Finale und war 1997 und 1999 jeweils Vizeweltmeister. Dieses Mal erlebte er mit 18,89 m (23. Platz) einen Absturz. "Vorgestern wollte ich noch sterben und hatte sogar eine Absage erwogen", meinte er angesichts einer Erkältung. "Technisch hatte ich auch nichts drauf, was soll ich mir den Hintern aufreißen", begründete er den Verzicht auf seinen dritten Versuch. Neuling Ralf Bartels (Neubrandenburg/17. mit 19,41), dem im Trainingslager in Calgary ein Zahn gezogen werden musste, hatte sich sein WM-Debüt auch anders vorgestellt. Der 23 Jahre alte Junioren-Weltmeister von 1996 wollte Schwung für die Zukunft holen.

"Seit zwei Tagen fühle ich mich schlapp und schwitze tierisch. Trotzdem habe ich es beim Einwerfen versucht, denn um kampflos aufzugeben, dafür bin ich nicht hier hergefahren. Aber nach zwei Drehungen habe ich gemerkt, dass es nicht geht", sagte ein sichtlich angeschlagener Karsten Kobs. Er vermutet, dass er sich den Infekt auf der Busfahrt von Calgary eingehandelt hat. "Ich war fit, aber innerhalb von sechs Stunden konnte ich nicht mehr sprechen, begann zu frieren und bekam Schluckbeschwerden. Der Arzt gab mir vier Spritzen und Tabletten, ich fühle mich trotzdem schlecht."

"Ein Start wäre nicht zu verantworten gewesen", befand Wurf- Teamchef Karl-Heinz Leverköhne. Er hatte Buder und Kobs wegen ihrer schwachen Form in diesem Jahr aber ohnehin nicht auf der Rechnung für vordere Plätze. "Vorher ging wenig, jetzt gar nichts", meinte er.

Für die Hammerwerfer ist es schon der zweite Flop in Folge: Im Vorjahr waren der nicht mehr aktive Heinz Weis und Kobs bei den Olympischen Spielen in Sydney ebenfalls in der Qualifikation gescheitert, nachdem sie 1997 und 1999 als Weltmeister noch den Ton angegeben hatten. Kobs trennte sich danach von Bundestrainer Bernhard Riedel und trainierte zumeist im Alleingang. Im WM-Vorfeld hatte er sich wieder der Frankfurter Trainingsgruppe seines früheren Coaches Michael Deyhle angeschlossen. Diese Partnerschaft, in die auch Klose eingebunden ist, soll ihn in Zukunft wieder in die Erfolgsspur zurück bringen. "Ich muss nicht, ich will", sagt er zu diesem Wechsel.

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