Werftenverbund mit Babcock Borsig geplant
Thyssen-Krupp erwartet 20 Prozent mehr Gewinn

Trotz erkennbarer Risiken überwiegt bei Thyssen-Krupp der Optimismus. Der Konzern will im laufenden Jahr einen Rekordgewinn erreichen. Er sieht sich in der Lage, auch große Zukäufe zu finanzieren.

ews/kv DÜSSELDORF. Thyssen-Krupp zeigt Zuversicht: Ein Ergebnis von 1,3 Mrd. Euro vor Steuern sagen die beiden Vorstandschefs Gerhard Cromme und Ekkehard Schulz für das Geschäftsjahr 2000/01 (zum 30.9.) voraus. Das wären rund 200 Mill. Euro mehr als im Vorjahr. Damit läge der Gewinn wieder auf dem Niveau, das die Konzerne zusammen vor ihrer Fusion 1999 erzielt hatten. Doch die beiden Chefs sehen auch Risiken für den Konzern mit den drei Schwerpunkten Stahl, Industriegüter und Dienstleistungen.

So hat sich entgegen den Erwartungen aller Branchenexperten die Stahlkonjunktur im Winter etwas abgeschwächt. Bis zum Frühjahr soll sie sich allerdings wieder erholen. "Wir rechnen allenfalls mit einer zyklischen Delle", sagte Schulz heute auf der Bilanzpressekonferenz der Thyssen-Krupp AG, Düsseldorf. Der Stahl trug mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn bei.

Auch der zweitwichtigste Ergebnisträger Autozulieferungen rechnet vor allem in den USA mit weniger Nachfrage. Cromme: "Aktuell häufen sich die Korrekturen nach unten. Das betrifft einzelne Regionen wie die USA und Märkte wie die Autoindustrie." Der US-Automarkt sei nach dem außerordentlich guten Jahr 2000 auf dem Weg zurück zur Normalität. Die Autoindustrie ist bei Thyssen-Krupp mit 24 % Umsatzanteil der wichtigste Kunde.

Geplanter Umsatzanstieg um fünf Prozent

Dass der Konzern dennoch für 2000/01 steigende Gewinne erwartet, begründet er mit einem geplanten Umsatzanstieg um 5 % auf 39 Mrd. Euro und erfolgreichen Umstrukturierungen. Auf dem Weg zum Fusionsziel von 500 Mill. Euro Synergien liegt Thyssen-Krupp allerdings hinter den Plänen zurück. Diesen Rückstand will der Konzern im Jahresverlauf zügig aufholen. Zudem soll der Geschäftsbereich Produktionssysteme, vor allem Werkzeugmaschinen, die Wende schaffen und in diesem Jahr nach zwei Verlustjahren ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen.

Mit größeren Investitionen will sich Thyssen-Krupp im laufenden Jahr zurückhalten. "Eher ist Konsolidierung angesagt. Spektakuläre Akquisitionen sind nicht geplant", sagte Schulz. Eine passende Gelegenheit werde sich Thyssen-Krupp aber nicht entgehen lassen. "Grundsätzlich halten wird das Pulver trocken für den großen Zukauf bei Automotive oder Dienstleistung." Die Finanzierung sei kein Problem.

Obwohl die Bilanzdaten keine Überraschungen enthielten, sorgte der positive Ausblick für eine Kurssteigerung der Thyssen-Kruppe-Aktie über 18,50 Euro. Analysten sehen allerdings derzeit nur noch wenig Phantasie nach oben. Cromme beklagt dagegen, dass bei einem Eigenkapital von 8,8 Mrd. Euro eine Marktbewertung von 9,2 Mrd. Euro viel zu gering sei.

Bewegung zeichnet sich bei den Werften ab: Thyssen-Krupp verhandelt für sie über eine "Überkreuzverflechtung" mit der Babcock Borsig AG. "Das Zusammengehen mit HDW ist für unsere Werften Blohm + Voss und Nordseewerke die optimale Konstellation", sagte dazu Vorstandsmitglied Eckhard Rohkamm. Auf Anfrage des Handelsblatts bestätigte ein Babcock-Sprecher Verhandlungen, die noch 2001 abgeschlossen werden könnten. Er begrüßte das "öffentliche Signal zur Kooperation", denn bisher hatte sich Thyssen Krupp - zum Thema Werften zurückhaltend geäußert.

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