Werk Koblenz im Zentrum der Transaktion
Pechiney kauft Alu-Sparte von Corus

Frankreichs Aluminium- und Verpackungskonzern Pechiney S.A. übernimmt für rund 750 Mill Euro. das Aluminium-Geschäft der britisch-niederländischen Corus Plc. "Bei der Aluminium- Transformation liegen wir damit weltweit direkt hinter Alcan und Alcoa auf Platz drei", sagte Vorstandschef Jean-Pierre Rodier im Gespräch mit dem Handelsblatt.

PARIS/LONDON. Die Übernahme von Corus-Alu sei einstweilen die letzte größere Kaufgelegenheit in der Branche in Europa gewesen (siehe Handelsblatt vom 9.10.) Anfang dieses Jahres hatte die norwegische Norsk Hydro mit dem Kauf der früheren Eon-Tochter VAW Aluminium die Franzosen von Platz drei der Weltrangliste verdrängt.

Das kreditfinanzierte Geschäft, das den Verschuldungsgrad der an der Börse mit 2,5 Mrd. Euro bewerteten Pechiney auf 62 % knapp verdoppelt, hat eine starke deutsche Komponente: Neben zwei Werken in Belgien, Kanada und China geht es vor allem um die deutschen Corus-Standorte Bitterfeld, Bonn, Koblenz und Vogt. Das auf Flugzeugaluminium spezialisierte Werk Koblenz, das Rodier als "Maßstab für die Branche" bezeichnete, macht vom Wert her fast die Hälfte des Geschäftes aus.

Corus? Alu-Schmelzen in Voerde und im niederländischen Delfzijl lässt Pechiney mangels Bedarf dagegen den Briten, obwohl sie profitabel sind. Corus teilte mit, man verhandle mit mehreren Interessenten über ihren Verkauf und hoffe bis Anfang nächsten Jahres zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen.

Im September hatte Corus seinen Anteil an der kanadischen Aluhütte Alouette für umgerechnet 170 Mill. Euro verkauft. Die Verkäufe sollen Corus helfen, den Schuldenberg von 2,7 Mrd. Euro Schulden abzubauen und den finanziellen Spielraum für die geplante Übernahme des brasilianischen Stahlherstellers CSN zu erhöhen.

Da die Akquisition nicht blanke Rationalisierungen zum Ziel habe, sondern Pechiney vor allem bei Zulieferungen an die Automobilindustrie zahlreiche neue Kunden bringen werde, "muss sich in Deutschland niemand Sorgen machen", versicherte Rodier. Vielmehr setzt er auf die Integration der Führungsteams und auf die mehr als 4500 Mann starke Belegschaft, deren Qualifikation in der Branche anerkannt werde. Damit verschöben sich die Gewichte in dem bisher 32 000 Mitarbeiter starken Pechiney-Konzern. Rodier: "Es wird sich eine französisch-deutsche Achse bilden."

Allerdings könnte die EU-Kommission angesichts der starken Position Pechineys bei der sehr ertragreichen Produktion von Flugzeugaluminium den Hebel ansetzen. Hier würde das Corus-Werk Koblenz Pechineys Marktanteil bei den Hauptabnehmern Boeing und Airbus erhöhen. Schon jetzt liefert der Konzern ein Viertel des bei Boeing und sogar die Hälfte des bei Airbus verarbeiteten Aluminiums. "Mit dem Zukauf kommen wir in diesem sehr speziellen Markt auf Augenhöhe mit Alcoa", versucht Rodier die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen. "Letztlich werden die Vorteile beim Kunden liegen."

Pechineys Aktienkurs hat auf diese Unwägbarkeit negativ reagiert, obwohl der Konzern schon sehr kurzfristig eine deutliche Gewinnsteigerung aus dem Zukauf erwartet. Nach Bekanntwerden der Details sank der Kurs um rund 7% auf Werte um 30,50 Euro. Analysten von Merrill Lynch und Morgan Stanley sehen die Aussichten des Alu-Konzerns durchaus positiv, der gerade auch in Asien-Afrika und Lateinamerika expandiert. Gleichwohl haben sie ihre Kursziele für die Aktie nochmals reduziert, weil der Tiefpunkt im Konjunkturzyklus noch nicht erreicht ist.

Pechiney und Corus haben für den Kartellfall vorgesorgt: Falls Brüssel den Kauf des Koblenzer Werkes untersagt, soll der Deal zu einem um die Hälfte reduzierten Preis vollzogen werden. Corus hat sich verpflichtet, Koblenz in diesem Falle vorerst zu behalten. Der Kurs der Corus-Aktie konnte gestern seine anfänglichen Gewinne nicht halten. Analysten bewerteten den erzielten Preis für die Aluminiumsparte als "relativ gut", auch wenn er deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen liegt.

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