Werksschließungen für Olympia betreffen mehr als 1 000 Unternehmen
Deutsche Firmen wollen Peking verklagen

Die deutschen Firmen nahe der chinesischen Hauptstadt Peking, deren Produktion von einer monatelangen Schließung für die Olympischen Spiele bedroht ist, wollen mit juristischer und politischer Hilfe gegen die chinesischen Behörden vorgehen.

PEKING. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, wurden dafür in Peking Anwälte und auch die deutsche Botschaft eingeschaltet. Inzwischen beschäftige sich auch das Auswärtige Amt in Berlin mit dem Vorgang.

Im Industriestandort Langfang, rund eine Autostunde von Peking in der Industrieprovinz Hebei gelegen, waren die dort angesiedelten Firmen vor ein paar Tagen aufgefordert worden, ihre Produktion vom 15. Juli bis Ende September einzustellen. Insgesamt sollen in Langfang und Umgebung mehr als 1 100 Firmen ihren Betrieb einstellen.

Ob noch weitere deutsche Unternehmen an anderen Standorten betroffen sind, sei ihm nicht bekannt, sagte der Präsident der EU-Handelskammer in Peking, Jörg Wuttke, am Mittwoch auf Anfrage. Man könne das aber nicht ausschließen. Betroffen sind Firmen aus vielen Ländern, darunter Korea, Japan, Dänemark, Schweden und Deutschland. Bei der Mehrzahl handelt es sich um chinesische Unternehmen.

China versucht, mit den Maßnahmen gegen die verheerende Luftverschmutzung in der Olympiastadt anzukämpfen. Über Peking, wo im August die Sommerspiele stattfinden, liegt seit Wochen eine dicke Smogglocke. Die deutschen Firmen fordern nun eine Ausnahmegenehmigung. Die Hess Maschinefabrik aus Burbach, die ursprünglich auf der Stilllegungsliste stand, teilte inzwischen mit, dass sie nicht betroffen sei. Das Unternehmen sei von der Liste genommen worden, da es mit seiner Produktion kaum die Umwelt belaste.

Allerdings sieht man auch bei Hess erhebliche Probleme, da nahe Zulieferer ihre Arbeit einstellen müssen. „In Langfang und Umgebung sollen 1 108 Firmen die Produktion einstellen, davon betroffen sind auch Lieferanten für Schweißgase“, teilte das Unternehmen gestern mit. Die Firma Hess suche nun nach geeigneten Ersatzlieferanten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte am Dienstag bei einem Treffen Peking für seine „herausragenden“ Vorbereitungen auf das Sportereignis gelobt, als eine der wenigen offenen Fragen jedoch die Luftverschmutzung genannt. Der IOC-Koordinator für die Spiele, Hein Verbrüggen, erklärte, Peking setze einen „goldenen Standard“ für die Zukunft, aber „eine sehr kleine Anzahl offener Fragen bleibt.“ Dazu gehöre, wie sich die ergriffenen Maßnahmen auf die Luftqualität in Peking auswirken werden.

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