Werksschließungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen
Ford-Europa steht vor schmerzhaften Einschnitten

Dem US-Autokonzern Ford stehen in Europa bis zum Jahresende wahrscheinlich noch einmal schmerzhafte Einschnitte bevor. "Die europäische Neuausrichtung ist erst knapp zur Hälfte abgeschlossen", sagte David Thursfield, im Ford-Konzernvorstand verantwortlich für das internationale Geschäft, gestern auf der IAA in Frankfurt.

HB/zel FRANKFURT. Mit der Ford-intern als "europäische Transformations-Strategie" (ETS) bezeichneten Neuausrichtung hat der Autokonzern seine Kosten in Europa seit dem Jahr 2000 bereits um mehr als eine Milliarde Euro gesenkt. Auch die Schließung einer PKW-Fabrik in Großbritannien ging damit einher.

Auslöser für neue Spar-Überlegungen bei Ford Europa sind die schlechten Zahlen zum Halbjahr: Ende Juni stand in den Büchern ein Verlust von ungefähr 700 Mill. Euro. Etwa 500 Mill. Euro davon waren allein in den Monaten April bis Juni aufgelaufen - traditionell die stärkste Zeit für Automobilhersteller. Thursfield versprach eine deutliche Verbesserung für das zweite Halbjahr. Ford könne in Europa wieder aus der Verlustzone herauskommen.

Thursfield machte jedoch keine Angaben dazu, mit welchen konkreten Schritten der Konzern in Europa wieder schwarze Zahlen schreiben will. "Die Strategie ändert sich nicht", sagte er. Mit der Fortsetzung von ETS begegne Ford den Herausforderungen Überkapazität, Kosten und Produkterneuerung. Das Unternehmen müsse noch flexibler als in der Vergangenheit reagieren. "Wir werden alles Notwendige umsetzen", sagte Thursfield zum schwachen Europa-Geschäft von

Auch in Börsen- und Finanzkreisen herrscht die Meinung vor, dass Ford im europäischen Geschäft weitere Einsparungen vornehmen muss. "Von der Marktseite kann kein Impuls kommen", sagte Arndt Ellinghorst, Automobilanalyst bei der Düsseldorfer WestLB. Der europäische Automarkt entwickelt sich das dritte Jahr in Folge schlecht. Zum Halbjahr sind die Verkaufszahlen der Hersteller um knapp 3 % auf 7,56 Mill. PKW gefallen. Auch Ford hat der neuerliche Abschwung getroffen: 856 000 abgesetzte Fahrzeuge bedeuteten für den US-Konzern ein Minus von 4,4 % gegenüber dem Vorjahr.

In Branchenkreisen wird schon länger spekuliert, dass sich Ford für eine stärkere interne Zusammenarbeit mit seiner Luxussparte "Premier Automotive Group" (Jaguar, Volvo, Land Rover) entscheiden könnte, um die Kosten in Europa weiter zu drücken. Thursfield reagierte ausweichend darauf. Die Konzern-interne Kooperation müsse auf allen Ebenen vorangetrieben werden. Andererseits achte das Unternehmen darauf, dass das Markenbild der verschiedenen Töchter nicht verwässere. Ford unterhält in Europa zum Teil noch mehrere Bereiche doppelt. Fahrzeug-Entwicklungszentren gibt es zum Beispiel sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien.

Ford-Präsident Nick Scheele verwies darauf, dass ein großer Teil der Verluste im ersten halben Jahr durch Einmaleffekte wie Wechselkursschwankungen entstanden sei. Deshalb zeigte er sich zuversichtlich, in der zweiten Jahreshälfte die Rückkehr in die Gewinnzone zu erreichen. Der plötzliche Ertragseinbruch sei nicht vorhersehbar gewesen. "Der europäische Markt ist extrem wettbewerbsintensiv geworden", sagte der Konzernchef der US-Zentrale.

An Werksschließungen werde derzeit nicht gedacht, auszuschließen sei ein solcher Schritt jedoch grundsätzlich nie. Scheel kündigte an, bei der avisierten Erneuerung der Produktpalette nicht nachlassen zu wollen. Im Herbst bringt Ford erstmals ein Minivan-Modell auf Basis des Mittelklasse-Autos Focus auf den Markt.

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