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Werner Wallert nach viermonatiger Geiselhaft in Hannover eingetroffen

Nach mehr als vier Monaten Geiselhaft auf der philippinischen Insel Jolo ist Werner Wallert wieder in Deutschland. Der 57 Jahre alte Lehrer aus Göttingen landete am Dienstagabend mit einer Sondermaschine aus Tripolis auf dem Flughafen Hannover - Langenhagen.

dpa HANNOVER. "Sie wissen, dass mein Sohn noch in Gefangenschaft ist. Ich bin trotzdem gegangen, schweren Herzens, aber ich habe meinen Sohn nicht im Stich gelassen", sagte Wallert. Marc Wallert, aber auch die anderen Geiseln seien mental und körperlich in guter Verfassung. Wallerts Frau Renate war vor sechs Wochen aus der Gefangenenschaft entlassen worden.

Der Lehrer flog anschließend zusammen mit seinem Sohn Dirk in einem Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes in seine Heimatstadt Göttingen weiter. Dirk Wallert und der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Christoph Zöpel (SPD), hatten den 57-Jährigen bereits in Libyen in Empfang genommen. "Für die Bundesregierung ist das heute ein sehr gutes Ereignis", sagte Zöpel. Spekulationen über das Datum der Freilassung der restlichen Geiseln wollte Zöpel nicht machen. "Das wäre für niemanden hilfreich."

Wallert und die fünf anderen freigelassenen westlichen Geiseln waren am Nachmittag von Tripolis aus in ihre Heimatländer zurückgeflogen. Der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi hatte bei den Verhandlungen um ihre Freilassung mit den Entführern von der radikalen Moslemgruppe Abu Sayyaf eine entscheidende Rolle gespielt. Die selbe Gruppe verschleppte unterdessen auf den Philippinen einen Amerikaner.

Während einer Zeremonie in Tripolis dankten Zöpel und Vertreter der Regierungen der anderen Heimatländer der Ex-Geiseln der libyschen Führung. Den noch auf der philippinischen Insel Jolo festgehaltenen Geiseln versprach er, dass sie bald und sicher in die Freiheit entlassen würden. Niemand werde sich bei den Anstrengungen zurücklehnen. Der libysche Unterhändler Rajab Azzarouk versicherte, er werde sich weiter für die weiter Festgehaltenen einsetzen. "Wir sind erst auf der Hälfte des Weges angekommen."

Im Namen der Geiseln dankte Wallert für die Anstrengungen und Großzügigkeit Gaddafis sowie der Stiftung seines Sohnes Seif el Islam. Wallert trug ein T-Shirt mit einem Abbild Gaddafis. "Unsere Gefühle sind gespalten", sagte der 57-Jährige. "Einerseits sind wir extrem dankbar und andererseits sind wir besorgt (...) Die richtige Freude wird erst aufkommen, wenn auch Marc da sein wird."

Die Zeremonie in Libyen fand in der Residenzanlage Gaddafis, der an der Feier überraschend nicht teilnahm, im Stadtteil Bab el Asisija statt. Im Hintergrund war während der gesamten Live-Übertragung im libyschen Fernsehen ein Gebäude zu sehen, das bei den US- Luftangriffen im April 1986 beschädigt wurde und seitdem als Denkmal dient. Die Angriffe, bei denen 37 Libyer starben, waren die Vergeltung für das Attentat auf die Berliner Discothek "La Belle".

Bei der neuen Geisel handelt es sich um den 24 Jahre alten Jeffrey Craig Edwards Schilling aus dem US-Bundesstaat Minnesota. Er war bereits am Montag in der Hafenstadt Zamboanga entführt und auf die Insel Jolo gebracht worden. In einem Radio-Interview sagte ein Sprecher der Extremisten, Schilling sei ein Agent des US- Geheimdienstes CIA.

Werner Wallert wird in Göttingen voraussichtlich zunächst im Universitätsklinikum untersucht: Ärzte werden prüfen, welche gesundheitlichen Folgen die vier Monate lange Geiselhaft bei dem Gymnasiallehrer hinterlassen hat.

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