Werner Zahn ist Inhaber und Chef von Olimar Reisen
Werner Zahn: Der Einzelkämpfer

Als Mittelständler ist er in der Tourismus-Branche eine eher kleine Nummer. Doch mit anspruchsvollen Angeboten behauptet sich Zahn erfolgreich gegen die Großen.

KÖLN. Pioniere wie er sind rar geworden in der Touristik-Branche, die sich seit dem Einstieg und dem Wettrüsten der großen Konzerne als "Industrie" bezeichnet. Für Werner Zahn, Inhaber und Chef des Mittelständlers Olimar Reisen, ist der Begriff "Industrie" allerdings ein Gräuel.

Mag ja sein, meint er, dass ein Schraubenfabrikant oder ein Hemdenhersteller davon profitiert, wenn er Kundenzahl und Produktionsausstoß vervielfachen kann. "Aber im Tourismus ist das doch ein Wahnwitz", ereifert sich der hoch gewachsene 67-Jährige, für den das Rentenalter noch in weiter Ferne liegt. "Es kann doch nicht sein, dass ich an einen Strand, der für 50 Urlauber wunderschön ist, 500 packe, nur weil ich als Unternehmer gierig sein muss." Geld verdienen ja, das muss auch der kleine Unternehmer Zahn, der Spezialist insbesondere für Portugalreisen - "aber wir dürfen doch nicht die Blumen zertrampeln, derentwegen die Leute hinfahren."

Der Tourismus war dem gebürtigen Nürnberger, der heute in einer schlichten Firmenzentrale fast im Schatten des Kölner Doms regiert, nicht in die Wiege gelegt. Eher zufällig ist er in den sechziger Jahren in das Geschäft hineingewachsen, organisierte Busreisen für spanische Gastarbeiter zwischen Heimat und Arbeitsplatz, dann Flugreisen. Zufällig auch der Name des 1972 gegründeten Unternehmens: "Ich wollte, dass er spanisch klingt." Olimar: Die beiden ältesten Söhne Oliver und Markus, heute beide im Unternehmen tätig, gaben jeweils die ersten drei Buchstaben.

Dann war es nicht Spanien, sondern Portugal. Das Land war für Zahn und seine Familie eine Liebe auf den zweiten Blick, entstanden über persönliche und geschäftliche Kontakte. Am Anfang hatten Gastarbeiterflüge nach Porto und Lissabon gestanden. Als der Gastarbeiter-Reiseboom Ende der siebziger Jahre zu Ende ging, "haben wir in den Flügen die ersten Touristen unter die Gastarbeiter gemischt". Zu einer Zeit, "als die anderen alle noch nach Spanien und Griechenland flogen".

Zahn vermarktet zunächst ausschließlich Regionen und Häuser, die er mit seiner Familie im Urlaub erkundet hat. "Das war", resümiert er im Rückblick und mit einem Seitenhieb auf die Industrie-Touristiker, "sozusagen unprofessionell - es war ja kein Controller dabei".

Bis heute werden die touristischen Leistungen im Lande selbst und nicht von der Kölner Zentrale eingekauft. "Klasse statt Masse" lautet das Credo. Mit gut 200 000 Gästen im Jahr positionierte sich Olimar stets in den höheren Preis-Segmenten, weit vom Massentourismus entfernt. Im Geschäftsjahr 2000/2001 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 114,73 Millionen Euro. Die Urlauber reisen nach Portugal und Madeira, aber auch nach Italien, Spanien, auf die Kanaren, Balearen und Kapverden. In diesem Jahr werden es wohl zwölf bis 15 Prozent weniger sein - damit liegt Zahn im Branchentrend. Aber er hakt es ab und äußert eine "gewisse Zuversicht" für die nächste Saison.

Das Unternehmen leistet sich einen neuen Werbeauftritt mit flotteren Sprüchen - etwa das Bild eines mittelalterlichen Gemäuers mit der Zeile: "So sieht die Bettenburg eines Olimar-Reisenden aus." Der Chef räumt ein, dass sich hier ein wenig die Jugend im Unternehmen durchsetzt. "Ein bisschen frechere Werbung ist wohl notwendig, sonst stirbt so?ne Geschichte mal irgendwann."

Fünf "Zähne" arbeiten im Unternehmen - der Bruder, zwei Söhne und die Tochter. Und sonntags trifft man sich bei Zahns oft zum Brunch, familienintern "Gesellschafterversammlung" genannt, denn es geht immer um die Firma. Außerdem frönt Werner Zahn an seinen freien Tagen gerne seinem Hobby: Ehemals begeisterter Surfer, hat er in seinen alten Tagen des Fahrrad für sich entdeckt. Doch seine Leidenschaft sind nicht gemütliche Rheinuferwege, sondern Alpenpässe. Auch hier mehr Klasse als Masse: Die letzte Tour führte Zahn in Südtirol kehrenreich auf das über 2 700 Meter hohe Stilfser Joch.

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