Wertberichtigung bei KPN
Analyse: Jetzt ist die Telekom am Zug

Über kurz oder lang wird auch die Deutsche Telekom nicht darum herumkommen, ihre Mobilfunksparte neu zu bewerten und Abschreibungen vorzunehmen. Der Grund ist simpel: Alle tun es inzwischen in der Branche. An den Finanzmärkten wird schon längst nicht mehr die Frage diskutiert, ob die Telekom Sonderabschreibungen vornehmen wird, sondern nur noch, wann.

Heute, bei Vorlage der Halbjahresbilanz, ist es noch nicht so weit bei der Deutschen Telekom. Doch die radikale Abschreibung von neun Milliarden Euro gestern bei der niederländischen KPN erhöht den Druck auf die Telekom. Zumal KPN als Grund die deutlich schlechteren Geschäftsaussichten für alle Mobilfunk-Unternehmen nennt. So entwickeln sich neue Datendienste wie i-mode, den die KPN-Tochter E-Plus aus Japan nach Deutschland importierte, erst langsam zum Verkaufsschlager. Und von der UMTS-Euphorie des Jahres 2000 ist nichts übrig geblieben. Dass irgendwann nach 2005 da einmal ein Zusatzgeschäft für die Mobilfunker entsteht, interessiert in der heutigen Branchendepression niemanden mehr.

Entsprechend löst die radikale Wertberichtigung von KPN für die UMTS-Lizenz ihrer deutschen Tochter E-Plus Erleichterung an den Finanzmärkten aus. Ebenso wirken Entscheidungen weiterer Mobilfunker als Zeichen, dass das Ende der Illusionen über die Chancen globaler Mobilfunk-Player nah ist. So gab die Telefónica-Tochter Quam ihr gerade erst gestartetes Geschäft auf, France Télécom schrieb ihre Mobilcom-Beteiligung auf null ab, und Vodafone nahm Sonderabschreibungen vor.

In diesem Umfeld erscheint es unwahrscheinlich, dass allein die Deutsche Telekom ihr internationales Mobilfunkkonzept so durchziehen kann, wie es im Jahr der Euphorie einmal geplant wurde. Die Skepsis der Analysten richtet sich dabei weniger auf die deutsche UMTS-Lizenz: Der Marktführer ist - anders als E-Plus - hier zu Lande groß genug, um möglicherweise die acht Milliarden Euro Kosten über die gesamte 20-jährige Laufzeit wieder einzuspielen. Sie schauen vielmehr auf die britische Tochter One-2-One und den US-Mobilfunkanbieter Voicestream, die nach einhelliger Branchenmeinung bei weitem den Kaufpreis nicht wert sind, den die Telekom zahlte.

Selbst wenn das Unternehmen von Quartal zu Quartal seine selbst gesteckten Ziele für Wachstum und Gewinnverbesserung erreicht wie zurzeit, so stehen trotzdem unterm Strich auf absehbare Zeit weiterhin jedes Quartal neue Rekordverluste, deren Ursache in der teuren Expansion liegt. Nach dem gigantischen Kursverfall für Mobilfunker stellen Analysten und Aktionäre aus guten Gründen die Frage, ob sich die Telekom den Ausbau von Voicestream überhaupt noch leisten kann. Und macht es strategisch wirklich Sinn für die Deutsche Telekom, in den USA groß ins Massengeschäft Mobilfunk zu investieren?

Die ersten Gespräche in den USA über Partnerschaften mit Cingular oder AT&T Wireless zeigen zumindest, dass sich das Management immerhin intern diese Frage ernsthaft stellt. Wahrscheinlich kommt dabei ein Rückzug der Telekom auf Raten heraus, weil auch Cingular und AT&T Wireless kaum die realistischen zehn bis 15 Mrd. Euro für Voicestream bar auf den Tisch legen können. Für die Telekom wäre aber auch das schon eine Entlastung.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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