Wertberichtigungen für Beteiligung bleiben ein Risiko
Benelux-Banken stehen im europäischen Wettbewerb gut da

Die Benelux-Banken bleiben zwar von der weltweiten Wirtschaftsflaute nicht ganz verschont. Doch ihre Ertragslage ist insgesamt stabil. Es zahlen sich frühzeitige Kostendämpfungen und bei ING, Fortis und KBC das erfolgreiche Allfinanzkonzept aus.

HB DÜSSELDORF. Die niederländischen und belgischen Finanzinstitute haben vergangenes Jahr trotz der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise zur Überraschung von Analysten stabile Gewinne in Milliardenhöhe erzielt. Besonders augenfällig sind ihre guten Leistungen im Vergleich zu den deutschen Wettbewerbern, die mit Gewinneinbrüchen oder tiefroten Zahlen kämpfen. Die Benelux-Institute sind nach Einschätzung von Analysten für den Wettbewerb dieses Jahres gut gerüstet.

Das erste Quartal hat sich für sie offenbar gut angelassen. ABN Amro als größtes Kreditinstitut steigerte den Nettogewinn vor Sonderposten um 15%. Trotzdem wagt Vorstandschef Rijkman Gronink angesichts der unklaren Folgen des Irak-Krieges und der Weltkonjunktur keine Prognose für das gesamte Jahr. "Selbst wenn das Betriebsergebnis Vertrauen erweckt, rechtfertigt der Zustand der Weltwirtschaft keinen Optimismus", begründet er. Im vergangenen Jahr hatte ABN Amro den Gewinn vor Sonderposten immerhin etwas über Vorjahreshöhe gehoben: ein enormes Gewinnwachstum im zweiten Halbjahr machte den Gewinneinbruch der ersten Jahreshälfte mehr als wett.

Auch die Vorstandskollegen von ING, Fortis und KBC äußern sich abwartend zu diesem Jahr. ING-Chef Ewald Kist sieht sein Institut jedoch als "Fels in der Brandung", nachdem es 2002 den Gewinn mit 4,2 Mrd. ? in Vorjahreshöhe hielt. Dieses Jahr wird das Resultat aber voraussichtlich abnehmen. "Es sinkt schon allein deshalb, weil ING die Praxis beendet, die Einnahmen aus Aktienverkäufen um jährlich 15 % zu steigern", begründet Rabobank Analyst Bart van der Veen. Aktien und Immobilien werden künftig nur noch veräußert, wenn der Preis stimmt. Analysten begrüßen das. Die Gewinnentwicklung werde realitätsgetreuer.

Gewinn wird gedrückt

Belastend wirkt sich für ING absehbar auch die Börsenkrise aus. Im ersten Quartal sank der Wert der vor allem durch den Versicherungsbereich gehaltenen Beteiligung mit 700 Mill. ? unter den Anschaffungswert. Diese zieht ING vom Konzerngewinn ab. Wie stark das den Gewinn drückt, gibt das Institut am 15. Mai bekannt. Für Moody's Investors Service war die Mitteilung Anfang April Anlass, um das Kreditrating von ING leicht zu senken.

Für Fortis hat die Aktienbewertung bereits die Rechnung des vergangenen Jahres versalzen. Eigentlich kann Konzernchef Anton van Rossum stolz sein: betrieblich übertraf das Institut entgegen den eigenen Erwartungen den Rekordgewinn des Vorjahres um drei Prozentpunkte. Analysten lobten diese Leistung und die solide Bilanz. Doch durch die lange angekündigte Wertminderung auf die überwiegend während der Börsenhausse erworbenen Unternehmensbeteiligungen brach der Reingewinn erwartungsgemäß um 80 % ein.

Trotzdem zahlt Fortis eine unveränderte Dividende und schüttet sie sogar bar aus. "Es ist das einzige großes Benelux-Institut, das dies vermag. Das ist ein sehr gutes Zeichen für die Zukunft", urteilt Cor Kluis, Analyst bei Rabo Securities. Bei den Fortis-Zahlen gebe es keine Enttäuschungen, meinte Mark Konink von Iris/Robeco. "Das ist beim heutigen Börsen- und Wirtschafts-klima schon ein großes Plus."

Höherer Gewinn pro Aktie

Durch Beständigkeit zeichnet sich auch die belgische KBC aus. Ihr operativer Ertrag stieg dank starker Kostenkontrolle, höherer Zinserträge und mehr Einnahmen im Anleihengeschäft um satte 30 %. Das kompensierte die Abschreibungen für Aktienbestände und Kredite, so dass auch ihr Nettogewinn das Vorjahresresultat leicht übertraf. Anders als bei ING und Fortis erwarten Analysten für KBC einen höheren Gewinn pro Aktie in diesem Jahr.

Bei allen Konzernen zahlt sich aus, dass sie sehr früh mit Kostensenkungen begannen. "Das kompensiert jetzt die Einnahmeausfälle", sagt Siegrid Baas, Analystin bei ING. Während deutsche Banken erst seit anderthalb Jahren den Rotstift richtig ansetzten, geschieht das im Benelux-Raum schon seit langem und wurde Ende 2001 verschärft. ABN Amro, Fortis, ING und KBC verringerten ihre Betriebskosten teilweise kräftig und erhielten wiederholt Komplimente der Analysten. Gestrichen wird derzeit vor allem im Großkundengeschäft: bei ABN Amro fallen 2 500 weitere Stellen weg, bei ING 1 000 Arbeitsplätze. ING-Chef Ewald Kist schloss nicht aus, notfalls noch stärker einzugreifen. Er will überdies die deutsche ING BHF-Bank durch eine Kostensenkung von 18 % bis Ende 2004 aus den operativen roten Zahlen bringen. Zweiter Grund der guten Resultate von Fortis und ING ist, dass sie schon seit mehr als zehn Jahren als Europas Vorreiter das Allfinanzkonzept umsetzen. Die unterschiedliche Konjunkturanfälligkeit des Banken- und Versicherungsgeschäfts wirkt ausgleichend auf die Ergebnisse. Auch die KBC hat sich in den vergangenen Jahren zum Allfinanzinstitut entwickelt. Das Konzept erweise sich in der aktuellen Wirtschaftskrise als richtige Strategie, meint Robeco-Analyst Mulders. Beispiel ING: Das Resultat des Bankgeschäfts sackte vergangenes Jahr zwar um 38 %. Die Versicherungen, die vier Fünftel der Einnahmen lieferten, verbesserten ihr Nettobetriebsergebnis um 20 % und kompensierten den Rückgang im Bankbereich. "Bei uns ist alles ausbalanciert", meint Vorstandschef Kist.

Die Institute seien jedoch wegen ihrer unterschiedlichen geographischen Struktur kaum mit deutschen Banken zu vergleichen, mahnte Rabo-Analyst Kluis. "Banken sind von den Ländern abhängig, in denen sie arbeiten. Die Deutschen arbeiten derzeit auf einem Markt mit hohem Risiko." Das erfordere Risikorückstellungen. Die Benelux-Institute hätten das Glück eines risikoarmen Heimatmarktes mit seit Jahren guter Wirtschaftslage.

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