Werte der zweiten Reihe entwickeln sich sowohl im Abschwung als auch in der Erholung besser als Blue Chips
Nebenwerte: Klein, aber fein – und das auf Dauer

Ob Europa oder USA, im jetzigen Börsenabschwung und auch schon während der gesamten Tristesse an den Aktienmärkten laufen Nebenwerte besser als Schwergewichte. Viel spricht dafür, dass dies so bleibt - auch bei einem möglichen Konjunkturaufschwung. Der Technologie-Hausse folgt die Renaissance der zweiten Reihe.

DÜSSELDORF. Was haben Dax, Dow und Euro Stoxx gemeinsam? Die großen Indizes notieren seit Anfang 2000 zweistellig im Minus. Auch auf Sicht von wenigen Monaten gibt es nur rote Zahlen. Ganz anders sieht es bei den mittleren und kleinen Werten, den Mid- und Small-Caps, aus. Sie hängen die Großen deutlich ab und notieren seit Beginn der großen Aktienbaisse im März 2000 überwiegend im Plus.

Die Stärke der kleinen Werte zeigt sich nach Handelsblatt-Recherchen ganz besonders in dem erneuten Abschwung der vergangenen Tage: Während der Dax vor dem Hintergrund des Kaschmir-Konflikts und neuer Bilanzierungssorgen in den USA kräftig Federn lässt, fallen die Rückschläge im MDax weniger drastisch aus.

Seit Beginn des dramatischen Abschwungs bei den Technologiewerten im Frühjahr 2000 verloren der europäische Stoxx 50, der marktbreite amerikanische S&P-500-Index und der Dax rund 30 % an Wert. Hingegen gewannen die Mid-Caps in den USA und Deutschland 16 % bzw. 5,5 % hinzu. Auch auf kurze Sicht ist die bessere Performance bei kleinen Werten drastisch. Mit Beginn der Baisse ist eine versteckte Hausse in Gang gekommen. Denn während in der vorangegangenen Aufschwungphase die Mehrzahl der europäischen und amerikanischen Aktien an Wert verlor (versteckte Baisse), gewannen seit Frühjahr 2000 die meisten Aktienkurse hinzu.

Dass sich die Indizes dennoch gegenläufig entwickelten, liegt an der Marktkapitalisierung: Wenige Schwergewichte wie Intel, Cisco, Nokia oder Deutsche Telekom vermögen Indizes nach unten zu ziehen - auch wenn die Mehrzahl der Werte steigt. An der amerikanischen Nasdaq ist die Situation besonders dramatisch. Hier notieren gut 5 000 Werte, doch bekannt sind weniger als 100. Diese machen über 90 % der Marktkapitalisierung aus und bestimmen, in welche Richtung sich die High-Tech-Börse bewegt. Der Kursverfall der TMT-Werte (Technologie, Medien und Telekom) hat deren Anteil an den Weltbörsen von 40 % auf 20 % fallen lassen. Kursbewegungen dieser Werte wirken sich also immer weniger auf die Indizes aus.

Wenn Aktien und Indizes in Erholungs- und Abschwungphasen besser als der Rest abschneiden, sprechen Investmentstrategen von "relativer Stärke". Diese wirkte sich nach Handelsblatt-Berechnungen in den vergangenen Jahrzehnten immer dann drastisch aus, wenn die Börsen stiegen. Deshalb ist zu erwarten, dass die Hausse der kleinen Werte anhält - besonders bei einem Konjunkturaufschwung.

Auf dieses Szenario setzen immer mehr Finanzhäuser. Merrill Lynch, HSBC, Sal. Oppenheim und UBS Warburg verweisen auf die hohe Bewertung vieler Technologie-Aktien. Wer auf einen Konjunkturaufschwung in Europa setzt, solle Aktien von mittlerer und geringer Börsenkapitalisierung bevorzugen, empfiehlt Merrill Lynch. Diese Werte seien trotz guter Performance immer noch billig gegenüber TMT-Aktien. Deren Durchschnitts-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt auf Basis 2003 bei 94. Da Investitionen in neue Technologien schleppend verliefen, gebe es kaum Raum dafür.

Dem hohen Tech-KGV stehen 13,5 im MDax gegenüber - gemessen an den Gewinnen 2001. Das ist weniger als im langjährigen Durchschnitt (15-20). Nach Berechnungen von Sal.Oppenheim ist vor allem der Nasdaq 100-Index trotz des Kursverfalls von 75 % immer noch überbewertet. Dies drücke sich in einem für 2003 geschätzten Preis-Umsatz-Verhältnis von 5,6 aus. Zum Vergleich: Der Dax kostet den 0,8-fachen 2003er-Umsatz.

"Kurzfristig können wir uns eine Rally bei Technologiewerten gut vorstellen, wenn der Ausblick der Firmen nicht ganz so schlecht ist, wie es zur Zeit vom Markt erwartet wird. Doch längerfristig wird sich der Sektor an niedrigere Wachstumsraten und Bewertungen anpassen, meint Sal. Oppenheim-Stratege Ralf Zimmermann. Auf Sicht von neun bis 24 Monaten fühlt er sich wohler mit Werten der älteren Ökonomie. "Wegen der hohen Kurse insbesondere an der Nasdaq ist das Risiko bei der Technologie auch in Europa höher als bei traditionellen Werten", glaubt er.

Stars in der zweiten Reihe

"S-Dax - Stars in der zweiten Reihe", ist der Titel einer gemeinsamen Serie der n-tv Telebörse mit dem Handelsblatt. Ab Montag werden täglich um 13.30 Uhr die verschiedenen Branchen im Smax beleuchtet. Den Anfang machten am Montag die Automobilzulieferer, am Dienstag sind die Handelstitel an der Reihe, am Mittwoch die Investitionsgüterindustrie, Donnerstag Biotechnologiewerte und schließlich am Freitag die Metallbranche.

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