Wertentwicklungsanalyse der Aktienfonds für deutsche Standardwerte
Aktienfonds Deutschland: Scontinvest wartet mit hoher Barreserve auf bessere Zeiten

Die deutschen Standardwerte befinden sich seit Monaten auf Talfahrt. Das macht es den Fondsmanagern, die nur in eben diese Titel investieren dürfen, schwer, eine gute Performance zu erzielen. Das Motto heißt deshalb: Verluste begrenzen. Mancher Fonds agiert derzeit mit einer sehr hohen Quote an Barmitteln.

Handelsblatt. 17.9.01 HB/vwd FRANKFURT/M. Nach den Terroranschlägen in den USA will Jens Ehrhardt von der Jens Ehrhardt Kapital AG noch vorsichtiger und zurückhaltender investieren als zuvor. "Zunächst muss man abwarten, ob das Vertrauen in die USA nachhaltig gestört ist und es zu einem Abzug ausländischer Gelder kommt", meint der für die Anlagestrategie des Scontinvest German Equity Fonds verantwortliche Vermögensverwalter. Dieser von einer Schweizer Privatbank aufgelegte Fonds ist mit einem Zwölf-Monatsverlust von 14,02 % per August-Ultimo der drittbeste unter den vorwiegend in deutschen Standardwerten investierten Produkten.

Allein der August habe mit einem Minus von knapp fünf Prozent zu der unbefriedigenden Entwicklung des Fonds beigetragen, meint Ehrhardt. Auch er konnte sich dem breit gefächerten Abwärtssog der Märkte nicht entziehen, trotz der vorsichtigen auf Value-Aktien ausgerichteten Anlagepolitik. Die gegenüber den Konkurrenzprodukten milden Verluste führt der Fondsstratege zudem auf die Abstinenz von Technologieaktien und die hohe Barreserve von 32 % zurück.

"Ich bin sehr frei in meinen Anlageentscheidungen und mache davon Gebrauch, wenn es die Marktsituation erfordert", begründet er die hohe Barreserve. Zwar habe er den DAX-30 als Vergleichsindex, Ziel sei jedoch, diese Marke bei gleichzeitig niedrigerer Volatilität zu schlagen und nicht, sie abzubilden. Daher dürfe er auch in jedem deutschen Marktsegment investieren.

Nur 10 Prozent Standardwerte

Auch von dieser Freiheit macht Ehrhardt Gebrauch. So konzentriert er sich eigenen Angaben zufolge seit geraumer Zeit auf die lange vernachlässigten und relativ stabilen Aktien mittelkapitalisierter Unternehmen. Auch unter diesem Aspekt hatte er sich von seiner Bayer-Position getrennt - rechtzeitig vor dem Lipobay-Skandal, wie er sagt. Inzwischen betrage der Anteil der Standardwerte lediglich 10 % am Portfolio. Die übrigen knapp 60 % liegen bei größeren und liquiden Nebenwerten vorwiegend aus dem Bereich des MDax. Mit neun Prozent schlägt der Düngemittelproduzent Kali+Salz im Depot zu Buche. Gründe für diese klare Übergewichtung nennt Ehrhardt einige: Ein hervorragendes Management, kleine aber vernünftig bezahlte und sinnvolle Firmenzukäufe ebenso wie die stetig zweistellig wachsenden Gewinne und die Dividendenrendite von rund 6 %.

Allianz Leben teilt sich mit ebenfalls 9 % Gewicht den Rang der größten Einzelposition mit Kali+Salz. Das gut aufgestellte und relativ niedrig bewertete Unternehmen Allianz Leben lasse angesichts der Rentenpläne Riesters gute Gewinnsteigerungen erwarten, sagt Ehrhardt.

Bilfinger&Berger gehöre mit einem Gewicht von 4,2 % ebenfalls zu seinen Favoriten. Andere namhafte Positionen des Fonds liegen bei König&Bauer, beim Flughafen Wien und Karstadt. Eine Münchener Rück, BMW, RWE und BASF finden sich im Portfolio ebenso wie Buderus, Beru und Stada.

Am Referenzindex orientiert

Knut Kühnhausen von Axa Investment Managers fährt ebenfalls eine defensive Anlagestrategie. Den Verlust von 45,46 %, den der von ihm betreute Axa Deutschland in den vergangenen 12 Monaten eingefahren hat, führt der Fondsmanager überwiegend auf die hohe Gewichtung des Neuen Markts zu Jahresbeginn zurück. Inzwischen habe er gegengesteuert und den Anteil von Aktien dieses Marktsegments auf zwei Prozent heruntergefahren. DAX-Werte machten nun rund 60 % des Fondsvolumens aus, während auf Titel des MDax 38 % entfielen. Der Firmenpolitik folgend sei der Fonds stets voll investiert.

Bis abzusehen sei, wie sich das Attentat auf das Verbrauchervertrauen und die Konjunktur auswirke, hat Kühnhausen den Fonds nahe am Referenzindex MSCI Deutschland orientiert. Zu den größten Einzelpositionen zählen daher die DAX-Schwergewichte Allianz mit neun Prozent, Deutsche Telekom mit 7,5 %, SAP mit 7 %, Deutsche Bank mit 6,5 %, Siemens, Eon und RWE mit jeweils 5 % ebenso wie Münchener Rück mit 4 %.

Unternehmen, die Kühnhausen für besonders aussichtsreich hält, nimmt er als Core-holding mit einem längeren Anlagehorizont in das Portfolio auf. So gefallen ihm die im margenstarken Hochpreissegment gut positionierten Autobauer BMW und Porsche besonders gut. Auch deren gute Wachstumsaussichten im wichtigen Absatzmarkt USA und die gut abgestimmte Produktpalette seien ein Plus. Die global gut aufgestellte Deutsche Bank werde eine wichtige Rolle bei der europaweiten Konsolidierung der Banken spielen, meint er, während die Allianz vor allem durch die gute, sichere Bilanz mit ihren hohen stillen Reserven besteche.

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