Wertentwicklungsanalyse der Aktienfonds für japanische Standardwerte
Der Export bietet Japan langfristig keinen Halt

Die schlechte Lage der Wirtschaft hat fast durchgängig zu zweistelligen Verlusten bei Aktienfonds geführt, die auf japanische Standardwerte setzen. Die Verwalter suchen nun nach den besten Werten in einem schwierigen Markt. Die Perspektiven beurteilen sie dabei überwiegend pessimistisch.

HB/vwd FRANKFURT/M. Die in japanischen Aktienfonds anlegenden Fonds kämpfen mit der schlechten Entwicklung am Markt. Die japanische Wirtschaft steckt nach wie vor in einem Teufelskreis: Nachfrageschwäche, Deflation, hoher Schuldenstand und ungelöste Strukturprobleme lähmen die Konjunktur. Die Krise der Banken ist weiterhin ungelöst. Vor diesem Hintergrund haben fast alle Fonds in den vergangenen zwölf Monaten per Ende August eine zweistellig negative Wertentwicklung erzielt. Auch der DWS Japan Fonds verbuchte Verluste in Höhe von 11,31 %, was allerdings für Platz zwei in der Tabelle reichte.

DWS-Managerin Lilian Haag sieht "keine Grundlage für eine nachhaltige Erholung" des japanischen Aktienmarkts. Sie setzt derzeit auf den Einzelhandel und auf Immobilientitel. Zu Haags Favoriten gehören auch japanische Produzenten von Mobilfunkgeräteteilen: "Hier steigt die Nachfrage nach Ersatzteilen", sagt sie.

Größter Einzelwert im Portfolio bleibt Toyota Motor mit rund 5 % Depot-Anteil. Die Automobilindustrie sieht Lilian Haag vor allem durch die höhere Nachfrage aus den USA auf der Gewinnerseite. Allerdings räumt Haag ebenso ein, dass es fatal wäre, sich lediglich auf den US-Export zu verlassen: "Wichtig ist, in Japan auf gute Werte zu setzen, die innerhalb Asiens ihr Geschäft betreiben und dorthin auch exportieren." Es sei vorteilhafter, die Aktien einzeln auszuwählen, denn die Lage sei sehr negativ. "Breit gestreute Investitionen machen da keinen Sinn", sagt Haag.

Aus diesem Grund finden sich im Portfolio traditionelle Standardwerte wie Canon mit einem Depotanteil von 4 %, aber auch der exportorientierte Sensoren-Produzent Keyence mit rund 3 % oder die Einzelhandelskette Ito-Yokado mit rund 2,5 %. "Diese Titel habe ich aufgrund ihrer exzellenten Fundamentaldaten, der guten Bilanzen, des entsprechenden Marktanteils und des Wettbewerbsvorsprungs ausgesucht", sagt die Fondsmanagerin.

Das Management des Goldman Sachs Japan Portfolio macht für die Wertentwicklung der vergangenen zwölf Monate von-14,7 % den starken Yen verantwortlich. Immerhin reichte der Durchschnittswert zu einem siebten Platz in der Kategorie. Der derzeit gegenüber dem US-Dollar starke Yen bringe die Gefahr mit sich, dass exportorientierte Unternehmen ihren Gewinnausblick für das zweite Halbjahr nach unten revidieren müssten.

Auch das Fondsmanagement des Goldman Sachs-Depots sieht das Potenzial der japanischen Wirtschaft eher im Binnenmarkt, wie beispielsweise in den Sektoren Strom- und Gasversorger. Langlebige Konsumgüter machen mit rund 43 % den Großteil der Branchenstruktur des Goldman Sachs Japan-Portfolios aus.

Zudem habe das Management die Gewichtung einiger Titel mit starken Fundamentaldaten und Qualitätsmanagement erhöht, wie beispielsweise Shinetsu Chemical und Sanyo Electric. Man habe sich auch von einigen Titeln getrennt, um Gewinne mitzunehmen. So seien die Anteile an der Verbraucherelektronikfirma Sharp verkauft worden: "Die Firma gab vor kurzem die Zahlen für das zweite Quartal bekannt, die besser als erwartet ausfielen. Sharp ist aber in der jüngsten Zeit auf einen wesentlich härteren Wettbewerb getroffen, vor allem aufgrund des Aufstiegs koreanischer Produzenten", sagt das Goldman Sachs-Management. Größte Einzelposition im Portfolio bleibe weiterhin der japanische Telekommunikations-Riese NTT Docomo mit einem Depot-Anteil von 5 %.

Die Goldman Sachs-Manager sind nicht ganz so pessimistisch, was den Ausblick für den japanischen Markt angeht. Für Japan spreche die sehr hohe Sparquote. Dies steigere die Chancen, dass weiteres Vermögen den Weg in die Aktienmärkte finde. Sorgen bereitet den Experten von Goldman Sachs aber die Entwicklung der Lebensversicherer auf dem japanischen Markt. Die Versicherer seien gezwungen, ihre Vermögenswerte am Marktwert auszurichten und an Kriterien der Zahlungsfähigkeit festzuhalten. Zudem litten die Anbieter nicht nur unter Bilanzproblemen, sondern auch unter Liquiditätsschwierigkeiten. Immer mehr Japaner kauften ihre Versicherungen zurück, außerdem gingen die Einnahmen durch Versicherungsprämien zurück. Dies sei prekär, da ein Großteil des japanischen Privatvermögens in Lebensversicherungen angelegt sei.

Quelle: Handelsblatt

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