Wertentwicklungsanalyse der Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Mittel- und Osteuropa
Griffin baut Ölwerte ab und Liquidität auf

Wenn die Osteuropaportfolios Boden gutmachen, liegt das auch an der jüngsten russischen Hausse. Die Meinungen über die kurzfristigen Perspektiven an der Moskauer Börse gehen alllerdings auseinander. Skeptiker warten auf eine Konsolidierung, Optimisten sind schon jetzt stark engagiert.

HB FRANKFURT/M. "Viele Amerikaner scheinen jetzt erste begriffen zu haben, dass es in Russland einen erfolgreichen Reformprozess gibt und haben fast panisch gekauft", kommentiert Fondsmanager Jürgen Kirsch die Folgen des jüngsten Besuches von Wladimir Putin in den USA. In Zahlen: Der durchschnittliche Aktienfonds für Mittel- und Osteuropa stieg im Oktober um über 15 %. Kirsch, Steuermann des Griffin/Partners Eastern EuropeFund, legte noch deutlicher zu. Das Produkt der unabhängigen Londoner Anlagegesellschaft liegt jetzt im Zwölfmonats-Rückblick per Ende Oktober mit-2,10 % auf Rang zwei unter 54 Konkurrenten.

Die durch den Besuch des Kremlherrn in Texas initiierte Liquiditätsrally ließ nach Ansicht Kirschs einige Aktien zu stark steigen, so dass er Gewinne mitgenommen habe. Davon seien unter anderem die Papiere des Mobilfunkanbieters MTS, derzeit mit 8 % Fondsquote die größte Einzelposition, betroffen gewesen. Auch die jetzt nur noch mit 3 % berücksichtigte Aktie des Ölkonzerns Surgutneftegaz habe auf dieser Liste gestanden. Entsprechende liege die Bargeldposition jetzt bei höheren 17 bis 18 %.

Kirsch steht den russischen Ölkonzernen derzeit wegen der Auseinandersetzung zwischen der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) und dem Riesenreich im Osten eher abwartend gegenüber. Wesentlich optimistischer ist der Fondsmanager für den größten russischen Versorger UES. Das Unternehmen sei momentan die viertstärkste Position im Portfolio und erst kürzlich aufgestockt worden. Auch die Bankaktien gefielen ihm.

Für Russland erwartet der Fondsmanager eine Konsolidierung

Im Vergleich mit der Messlatte Nomura Research Eastern European Index ist Russland laut Kirsch neutral gewichtet, Ungarn und Tschechien untergewichtet sowie Polen übergewichtet. "Zwar scheint für Russland etwa mit der jüngsten Heraufstufung durch die Ratingagentur Moody's alles sehr gut zu laufen. Aber wir wollen eine Konsolidierung sehen, bevor wir wieder stärker einsteigen", meint Kirsch.

In Tschechien seien nur die Banken wie Ceska Sporitelna und Komercni Banka (mit fast 7 % drittstärkste Position) aussichtsreich. Die Untergewichtung Ungarns resultiere daraus, dass die für ihn attraktive OTP Bank das obere Ende ihrer Kurs-Handelsspanne erreicht habe. Die Übergewichtung Polens sei unter anderem auf das starke Engagements beim Computerdienstleister Prokom zurückzuführen.

Fondsmanager Istvan Horvath zeigt sich Russland gegenüber weit weniger reserviert. "Wir gehen davon aus, dass Russland mit der Opec kooperieren wird; die Organisation wird langfristig wieder die Ölmärkte bestimmen", meint der Manager des Raiffeisen-Konvergenz-AktienFonds. Trotz vorhandener Risiken seien die Werte häufig mit Kurs/Gewinn-Verhältnissen zwischen sechs und sieben niedrig bewertet. Die Gesellschaften könnten außerdem auch bei Ölpreisen zwischen 17 und 19 US-Dollar pro Barrel Gewinne erwirtschaften. Größte Einzelposition sei Surgutneftegaz mit fast 10 % Fondsquote. "Wir registrieren derzeit eine Neueinschätzung des gesamten russischen Marktes", resümiert Horvath. Ein zweiter Favorit sei die OTP Bank, der er beeindruckende jährliche Gewinnwachstumsraten von 20 bis 25 % zutraue.

Mit einem Minus von 49,54 % liegt der Fonds der österreichischen Raiffeisen Kapitalanlagegesellschaft auf dem letzten Platz. Ein Grund für das etwa im Vergleich zum viertplatzierten Osteuropafonds der Gesellschaft viel schlechtere Abschneiden ist laut Horvath die zusätzliche Berücksichtigung von Aktien aus Israel und der Türkei: "Nach der Finanzkrise in der Türkei vor einem Jahr erwarteten wir eine Kurserholung und gewichteten das Land über. Dann erwischte uns die Währungsabwertung."

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