Wertentwicklungsanalyse der europäischen Aktienfonds für Standardwerte
Euro-Aktienfonds: Glaxo-Smith-Kline zählt zu den Favoriten

In den unsicheren Börsenzeiten fällt auch Fondsmanagern eine Anlageentscheidung schwer. Chancen werden zurzeit vor allem im Pharma- und Gesundheitsbereich gesehen. Mit Aktien "geschützter" Unternehmen trotzt die Gesellschaft Comgest dem Abwärtssog.

HB/vwd FRANKFURT/M. Bei Investitionen an Europas Börsen konzentriert sich Aktienexperte Wedig von Gaudecker auf günstig bewertete, stetig wachsende Unternehmen mit überdurchschnittlichen Gewinnmargen. Darüber hinaus achtet der Fondsmanager der französischen Vermögensverwaltungsgesellschaft Comgest darauf, dass die Aktivitäten dieser Unternehmen durch Eintrittsbarrieren in Form von Marken, Patenten, ausgezeichneter Qualität der Produkte, effizienter Forschung und Entwicklung sowie andauernder Kostenvorteile geschützt sind.

"Erst wenn dieser Schutz vorhanden ist, wird davon ausgegangen, dass darauf ein dauerhaftes Ertragswachstum aufgebaut werden kann", erklärt von Gaudecker. In Europa habe er rund 50 Werte gefunden, die grundsätzlich in den von ihm gesteuerten Aktienfonds Comgest Growth Europe passen. Im Portfolio landeten normalerweise etwa zwei Dutzend Titel.

Mit diesem Investmentansatz musste aber auch der Comgest Growth Europe in den vergangenen turbulenten zwölf Monaten bis Ende August ein vergleichsweise geringes Zwölf-Monatsminus von 2,07 % hinnehmen. In der Hitliste der 241 europäischen Standardwerte-Aktienfonds belegt das Comgest-Produkt mit diesem Ergebnis Platz sieben. Im gleichen Zeitraum verlor der Index MSCI Europe 22,74 %. Durch die Einzelwertauswahl habe sich Gesundheit und Körperpflege zu einem Hauptthema des Fonds entwickelt, berichtet von Gaudecker. Rund 40 % des verwalteten Vermögens seien gegenwärtig in diesem Segment investiert.

Sodexho als Lieblingswert

Am britischen Pharmawert Glaxo-Smith-Kline mag der Fondsmanager besonders die "gut geschützte" Produktpalette und die hohe Rentabilität. Entsprechend gehöre Glaxo-Smith-Kline mit einem Portfolioanteil von 5,9 % zu den größten Positionen des Comgest Growth Europe. Gut gefallen ihm auch der Pharma-Großhändler Gehe und der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care aus Deutschland. Bereits zahlreiche Performance-Punkte beigesteuert habe die Aktie des MDax-Haarpflegeunternehmens Wella.

Darüber hinaus setzt von Gaudecker verstärkt auf das Thema Outsourcing. Dabei gelte sein Hauptaugenmerk Firmen, die Dienstleistungen anbieten, die von Unternehmen ständig gebraucht werden, aber nicht selbst erbracht werden können. Zu seinen Lieblingswerten zählt die französische Catering-Gesellschaft Sodexho, die für Firmen, Behörden und Krankenhäuser Kantinen betreibt (Anteil von 7,8 %). Interessant sei auch die auf ähnlichem Gebiet tätige Gesellschaft Compass aus Großbritannien.

Im Nahrungsmittelbereich favorisiert von Gaudecker bereits seit langem den mit 6,6 % prominent im Portfolio vertretenen Hersteller von Baby- und Spezialnahrung Numico aus den Niederlanden. Dennoch sucht der Experte auch nach günstigen Gelegenheiten im Technologiesektor. Beispielsweise habe er bei der Walldorfer Software-Schmiede SAP das stark ermäßigte Kursniveau zum Aufbau einer kleinen Position genutzt. Aufgestockt worden seien auch die Bestände beim französischen IT-Dienstleister Altran.

Defensive Ausrichtung

Mit einem Wertverlust von 45,67 % belegt der Bawag Stock A Platz 237. Nach Angaben von Fondsmanager Christian Huber von der österreichischen Gesellschaft Bawag PSK-Invest wurde die Performance des Fonds vor allem durch die Kurseinbrüche bei den Wachstumswerten belastet. Denn die Messlatte des Bawag Stock A setzt sich aus 70 % Dow-Jones-Stoxx-50 und 30 % Nemax-50 zusammen. Wegen der negativen Entwicklungen am Neuen Markt seien Titel des Wachstumssegments aber nur mit rund 25 % im Portfolio vertreten. Dabei konzentriere er sich auf Unternehmen mit gutem Wachstumspotenzial und überzeugendem Management. Dazu zählten Werte aus dem Biotechnologiebereich wie BB Biotech, Rhein Biotech und Sanochemia. Ferner Technologietitel wie IPC Archtech oder Singulus.

Wie Huber berichtet, wurde das Portfolio im Blue-Chip-Teil bereits zu Jahresbeginn defensiver ausgerichtet. Übergewichtet ist der Fonds beispielsweise im Pharmabereich; zu den Top-ten-Werten gehören GlaxoSmithKline (Portfolio-Anteil 4,2 %) und die Schweizer Gesellschaft Novartis (2,7 %). Prominenter als im Index repräsentiert sei auch der Ölsektor. Am stärksten im Portfolio vertreten ist BP Amoco mit 5,3 %. Den Telekommunikationsbereich hat Huber wegen des hohen Verschuldungsgrads vieler Anbieter untergewichtet. Nur beim britischen Mobilfunkriesen Vodafone sieht er wegen dessen globaler Strategie günstige Perspektiven.

An Europas Aktienmärkten rechnet Huber wegen der aktuellen politischen Risiken und der schlechten konjunkturellen Aussichten zunächst mit einer Seitwärtsbewegung. Eine bessere Entwicklung erwartet er frühestens im zweiten Quartal 2002. Am Neuen Markt werde eine Erholung etwas länger auf sich warten lassen.

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