Wertentwicklungsanalyse der europäischen Rentenfonds
Anleihestrategen riskieren wieder einen Blick auf Zloty-Papiere

Anleiheexperten rechnen mit weiteren Leitzinssenkungen. In dieser Lage fühlt sich ein Anleihestratege aus dem Hause Spängler mit Titeln mittlerer Laufzeit am wohlsten. Die BayernLB will im Fall einer neuerlichen Konjunktureintrübung ihre Bestände an Firmenbonds reduzieren.

HB/vwd FRANKFURT/M. Anleihen mit vier- bis sechsjährigen Laufzeiten bleiben für Fondsmanager Ludwig Schubert das attraktivste Anlagesegment an den Euroland-Rentenmärkten. Er denkt allerdings über neuerliche Beimischungen von Zloty-Papieren nach. Schubert betreut den Spängler SparTrust Europa A des österreichischen Bankhauses Carl Spängler. Dieser Fonds belegt dank eines Zwölfmonats-Wertgewinns von 9,29 % per Ende September Platz fünf unter 83 europäischen Rentenfonds (Tabelle). Schubert erklärt, er könne maximal 10 % der Gelder in Anleihen osteuropäischer EU-Beitrittskandidaten investieren.

Die Präferenz für mittlere Laufzeiten begründet Schubert damit, dass auch in Europa vorerst weiter mit schwachen Konjunkturdaten gerechnet werden müsse. Dies werde die Europäische Zentralbank veranlassen, in nächster Zeit erneut Leitzinssenkungen zur Konjunkturankurbelung vorzunehmen, zumal ihr die rückläufige Inflation in der Eurozone dafür auch Spielraum lasse.

Die Zinssenkungen sollten jedoch "keine allzu großen Auswirkungen auf die Kapitalmarktzinsen haben", betont der Fondsmanager. Ihm zufolge dürften die Renditen zehnjähriger Euro-Anleihen "bestenfalls noch um einen viertel Prozentpunkt sinken". Im nächsten Jahr sollten die Kapitalmarktzinsen seiner Meinung nach sogar wieder etwas ansteigen. Das sei dann zu erwarten, wenn die Wirtschaft in den USA und in Europa ab der Jahresmitte wieder an Dynamik gewinne. Voraussetzung sei allerdings ein Ausbleiben neuer Terroranschläge.

Auf Euro-Anleihen entfielen derzeit rund 80 % der Fondsmittel. Titel aus Dänemark und Norwegen seien mit jeweils fast 5 % im Portfolio vertreten, Papiere aus Schweden mit über 2 %. Dazu kämen die osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten Ungarn und Tschechien mit über 3 % bzw. knapp 2 % sowie griechische Papiere mit 2  %.

Nach Wertpapierarten liege der Anlageschwerpunkt seit geraumer Zeit auf Anleihen staatlicher und substaatlicher Emittenten, sowie auf Pfandbriefen, Kommunalobligationen und gedeckten Bankschuldverschreibungen. Auf Unternehmensanleihen, die alle mindestens ein Rating von "AA" aufwiesen, entfielen momentan noch 9 % der Fondsgelder. Ihren Anteil reduzierte Schubert nach eigenen Angaben erst kürzlich um rund zwei Prozentpunkte. Gesenkt habe er auch seinen Bestand an Schwedenkronen-Titeln - im gleichen Ausmaß auf jetzt knapp über 2 %. Möglicherweise bald wieder engagieren wolle er sich bei polnischen Zloty-Anleihen, bei denen er vor einiger Zeit mit Gewinn für den Fonds ausgestiegen sei.

Anders als der Spängler-Fonds, der regelmäßig rund drei Viertel seiner Mittel in auf Euro lautende Anleihen anlegt, darf der mit einer Performance von 6,79 % auf Rang 53 platzierte Bayern LB Rendite Fonds AL von der Bayerischen Landesbank mit bis zu 50 % in Fremdwährungen - zum Teil auch außerhalb Europas - engagiert sein. Momentan liegt der Fremdwährungsanteil nach Angaben des verantwortlichen Fondsmanagers Werner Müller bei insgesamt rund 25 %. Den Schwerpunkt bildeten dabei mit über 13 % US-Dollar-Anleihen. Hinzu käme eine je fünfprozentige Position in ungarischen Forint- und polnischen Zloty-Anleihen. Abgerundet werde das Fremdwährungsengagement durch Anleihen in tschechischen und norwegischen Kronen. Nicht nur bei den Währungen, sondern auch bei den Anlagegruppen sei der Fonds breit investiert. Derzeit steckten 60 % der Gelder in Anleihen öffentlicher und supranationaler Emittenten, jeweils 20 % in Unternehmensanleihen und Bankschuldverschreibungen.

Diese Streuung erlaube ihm die Teilnahme an verschiedenen Marktentwicklungen. So werde er beispielsweise seinen Anteil an Unternehmensanleihen aufstocken, wenn sich die Anzeichen mehrten, dass es konjunkturell wieder aufwärts gehe. Im Falle einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage plane er die Senkung der Quote.

In den Wochen nach den Terroranschlägen hätten sich Firmenbonds allerdings schlechter entwickelt als die Staatsanleihen, räumt Müller ein. Diese Belastung der Fondsperformance sei der Hauptgrund dafür, dass der Fonds in der jüngsten Zeit im Konkurrenzvergleich abgerutscht sei.

Sowohl im Euroraum, der derzeit im Fonds mit rund 75 % gewichtet ist, als auch am US-Rentenmarkt setzt Müller nach eigenen Angaben derzeit vor allem auf kurze und mittlere Laufzeiten. Wegen der von ihm erwarteten weiteren Leitzinssenkungen in den USA als auch in Europa rechne er mit einer zunehmenden Ausweitung der Spanne zwischen kurz- und langfristigen Zinsen.

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