Wertentwicklungsanalyse der größten Euro-Rentenfonds
Internationaler Mix contra Euro-Investment

An den Anleihemärkten ist Vorsicht geboten. Die Aussichten auf eine wirtschaftliche Erholung lassen eher steigende Zinsen und Kapitalmarktrenditen erwarten - verbunden mit Kursverlusten. Manager großer Rentenportfolios mussten im März bereits Wertabschläge hinnehmen.

HB/vwd FRANKFURT/M. Der erwartete Konjunkturaufschwung dürfte die Kurse erstklassiger Staatsanleihen wegen Inflations- und deshalb Zinsgefahren unter Druck setzen, während Unternehmensanleihen profitieren könnten. "Deren Renditevorsprung sollte sich um so mehr verringern, je mehr der Aufschwung an Fahrt gewinnt", glaubt Peter Geikie-Cobb, Fondsmanager des Mercury ST Global Bond Fund-Euro A Cap. Das Produkt von Merrill Lynch liegt dank eines Zwölfmonats-Wertgewinns per Ende März von 2,82 % auf einem vorderen Platz unter den zehn größten Rentenfonds für Euro-Titel. Im Gesamtklassement aller 176 auf Euro-Titel konzentrierten Rentenfonds belegt der Fond Rang 74.

Anleger sollten sich allerdings von der Fondsbezeichnung nicht in die Irre führen lassen. Denn das Management hat nach Angaben des Managers momentan noch nicht einmal 40 % des Fondskapitals in Anleihen von Emittenten aus der Euro-Zone investiert. Rund ein Drittel steckten in amerikanischen Dollar-Anleihen, etwa 13 % in japanischen Yen-Papieren. Ansonsten mag Geikie-Cobb nach eigenen Angaben Anleihen, die auf polnischen Zloty, die schwedische Krone und den kanadischen Dollar lauten. Die Fremdwährungen seien aber gegenüber dem Euro gesichert.

Die durchschnittliche Restlaufzeit der Anleihen im Fonds liegt bei wenigen Jahren. "Wegen in jüngster Zeit enttäuschender Nachrichten von der Konjunkturfront glauben viele Marktteilnehmer, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik noch nicht so schnell straffen werden. Wir denken aber, dass die Leitzinsen in den nächsten Monaten in vielen Ländern steigen werden. Allerdings langsamer, als dies die Kurse an den Märkten momentan voraussagen", erklärt der Fondsmanager. Dieses Szenario, so Geikie-Cobb, würde vor allem Kurzläufer stützen. Für Anleihen mit mittleren und längeren Restlaufzeiten wäre es eher negativ.

Der Fondsmanager verringerte nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen durch den Verkauf von amerikanischen Staatsanleihen sein Dollar-Engagement. Außerdem hat er Papiere von Schuldnern mit einer schlechteren Kreditqualität abgebaut. Ein relatives Übergewicht besteht bei Anleihen aus den beiden europäischen Peripheriemärkten Schweden und Polen. "Die halte ich gegenüber Euro-Titeln aus Kerneuropa für unterbewertet", sagt er. Seit langem rechneten Investoren damit, dass beide Länder in den nächsten Jahren die Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion schaffen werden. Diese Phantasie mache sowohl die Rentenmärkte als auch die Währungen beider Länder attraktiv.

"Fonds ohne Währungsrisiko"

Mit einem Vermögen von rund 2,4 Mrd. Euro ist der RenditDeka der zum Sparkassenverbund zugehörigen Deka Investment der größte Euro-Rentenfonds. Ein Wertzuwachs von 2,47 % reicht zum 106. Platz.

Andreas Johannsen managt nach eigenen Angaben einen "reinen Euroland-Rentenfonds ohne Währungsrisiko". Momentan bevorzugt er mittlere Laufzeiten. "Unser Managementteam hat eine relativ konservative Ausrichtung. Wir favorisieren Staatsanleihen und Pfandbriefe", erläutert Johannsen. "Wir konzentrieren uns auf die Kernländer in Euroland", ergänzt er. Das gehe im Fonds eindeutig zu Lasten der Peripherie-Staaten. Gleichzeitig nehme man aber die weiter bestehenden Chancen an den Anleihenmärkten einiger Nicht-Euroländer war. "Das sind hauptsächlich die Staaten Osteuropas, deren Kapitalmärkte immer noch von der Beitrittsphantasie profitieren", sagt der Deka-Mann. Der Fonds ist zu über 6 % in Schuldverschreibungen von Emittenten aus diesen Ländern investiert. Die Fremdwährungen würden gegenüber dem Euro abgesichert.

Die fundamentalen Wirtschaftsdaten signalisieren weiterhin einen bevorstehenden Aufschwung, glaubt er. Johannsen rechnet damit, dass die europäische Zentralbank ihre Leitzinsen bis zum Jahresende um 0,5 Prozentpunkte auf 3,75 % erhöhe. Sein Fazit: Die Wertentwicklung von Rentenfonds müsse zum einen aus einem geschickten Laufzeiten-Mix resultieren, zum anderen aus Rand-Investments wie Osteuropa- oder Unternehmensanleihen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%