Wertentwicklungsanalyse der größten Euro-Rentenfonds
Rentenmarkt könnte sich seitwärts entwickeln

An den Rentenmärkten scheint sich derzeit kein eindeutiger Zinstrend abzuzeichnen. Viele Strategen rechnen mit einer Seitwärtsentwicklung bei den Renditen oder höchstens leicht anziehenden Sätzen. Titel mit langen Laufzeiten werden kaum bevorzugt.

HB/vwd FRANKFURT/M. Investoren sehen sich an den europäischen Rentenmärkten momentan mit widersprüchlichen Faktoren konfrontiert. Einerseits sei die Stimmung geprägt von Konjunkturoptimismus, weshalb die Laufzeiten bei Anleihen eigentlich verkürzt werden müssten, sagt Adig-Fondsmanager Kornel Schweers. Andererseits bestehe in Europa praktisch keine Inflationsgefahr. "Und das ist gut für längere Laufzeiten", betont der Experte der Fondsgesellschaft der Commerzbank. Im Fonds Adirenta habe man sich dafür entschieden, "etwas kürzere Laufzeiten zu wählen." Der Adirenta zählt zu den zehn größten Euro-Rentenfonds. In dieser Gruppe liegt er dank eines Wertgewinns von 5,52 % in den zwölf Monaten per Ultimo Januar auf einem der vorderen Plätze. Unter allen 174 Euro-Rentenfonds bedeutet dieses Ergebnis Rang 44.

Pfandbriefe auf "historisch engem Niveau"

Nach eigenen Angaben bevorzugte Schweers im vergangenen Jahr Pfandbriefe gegenüber Staatsanleihen auf Grund der deutlichen Renditevorsprünge. Die seien aber seit Jahresbeginn auf ein "historisch enges Niveau zusammengelaufen". Deshalb habe er Pfandbriefe wieder gegen Staatsanleihen eingetauscht. Im Fonds enthalten seien auch rund 10 % Unternehmensanleihen. Eingestiegen sei er kürzlich in Titel von konjunktursensiblen Firmen wie Autobauern und Telekomfirmen, aber nur bei guter Bonität. "Die einen sind recht billig geworden, die anderen ziemlich liquide", lautet Schweers Begründung.

Für das laufende Jahr erwartet er keine Leitzinssenkung mehr durch die Europäische Zentralbank (EZB). In den nächsten sechs Monaten rechne er mit einem "wieder besseren Rentenmarkt" und Renditen um 5 % bei zehnjährigen Anleihen. Seine Einschätzung: "Insgesamt wird sich der Rentenmarkt bis auf weiteres seitwärts bewegen."

Fünfjährige Anleihen litten besonders

Der Activest Lux-Euro-Medium-Renten kommt mit 4,52 % auf Platz 106 im Gesamtklassement. "Der Fonds konzentriert sich auf Anleihen mit mittleren Laufzeiten", erläutert Manager Frank Grehl von der Hypovereinsbank-Fondsgesellschaft Activest. Messlatte sei der Index JPMorgan EMU 3-5. Fünfjährige Anleihen hätten in jüngster Zeit wegen des schwachen Rentenmarktes besonders stark gelitten. Deshalb habe man diesen Bereich untergewichtet und das Engagement bei Anleihen mit maximal drei sowie zwischen fünf und sieben Jahren Restlaufzeit verstärkt.

Grehl hält die derzeitigen konjunkturellen Einschätzungen für "zu optimistisch". Die EZB habe noch ein wenig Zinssenkungsspielraum. Positiv stimmt ihn, dass "wir im Unterschied zu 1999 jetzt keinen Inflationsanstieg zu verzeichnen haben". Auf lange Sicht spreche dieser Trend gegen steigende Zinsen.

Gleichwohl müsse man auch die öffentlichen Haushalte beachten. Schon kursierten erste Gerüchte, dass die Bonitätseinstufung deutscher Staatsanleihen von AAA auf AA gesenkt werde. Ein zusätzliches Risiko sei die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Besteuerung von Beamtenpensionen und gesetzlichen Renten: "Möglicherweise kommen auf den Bundeshaushalt nochmals Milliarden-Ausfälle zu. Diese Befürchtung könnte den Rentenmarkt belasten."

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