Wertentwicklungsanalyse internationaler Rentenfonds
Die Gewinner richten sich auf härteres Zinsklima ein

Anleger können mit Rentenfonds zweistellige prozentuale Erträge erzielen. Das belegt die Jahresbilanz 2001 der international anlegenden Produkte. Die erfolgreichen Vermögensverwalter versuchen jetzt, die Risiken durch Konzentration auf Anleihen mit kürzeren Laufzeiten zu begrenzen.

HB/vwd FRANKFURT/M. Er erwartet einen konjunkturellen Aufschwung und stellt deshalb Anleihen mit kürzeren bis mittleren Laufzeiten bei seinen Investments in den Vordergrund: Andre Bischoff. Der Fondsmanager der Investmentgesellschaft des Versicherungskonzerns Gerling betreut den Gerling Global Rentenfonds. Dieses Produkt führt die Jahresbilanz der 177 international anlegenden Rentenfonds mit einem Wertgewinn von 10,92 % an.

Bischoff führt seinen Erfolg in erster Linie auf das Engagement in Osteuropa zurück: "Wir haben frühzeitig in Ländern mit Zinssenkungsphantasie wegen der späteren EU-Mitgliedschaft investiert. Dazu gehören Ungarn und Polen, deren Währungen schon erheblich aufgewertet wurden." Dabei machten die Anteile ungarischer und polnischer Anleihen jeweils fast 7 % des Depots aus.

Außerdem habe man ausschließlich festverzinsliche Emittenten mit erster Bonität erworben. Das Fondsmanagement fügte laut Bischoff dem Portfolio Unternehmensanleihen mit gutem Rating und defensivem Charakter hinzu. Wegen des großen Renditeaufschlages gegenüber Bundesanleihen seien 4 % der Fondsmittel in Genussscheinen deutscher Kreditinstitute investiert.

"Wir vermeiden Anlagen in Asien, Japan und Argentinien", ergänzt der Gerling-Mann. Zurückhaltung übe er in Japan und Großbritannien: "In England sehen wir derzeit Währungsrisiken und nur geringe Renditeaufschläge. Und in Japan haben wir nun schon die dritte Rezession in Folge."

Im Zeichen des erwarteten konjunkturellen Aufschwungs stünden kürzere bis mittlere Laufzeiten wieder im Vordergrund. Die Zinssenkungspolitik steht nach Ansicht Bischoffs kurz vor dem Ende: "Im letzten Quartal dieses Jahres ist unserer Einschätzung nach mit einem moderaten Zinsanstieg zu rechnen, unterstützt durch die niedrige Inflationsrate. Auf dieses Szenario haben wir uns bereits jetzt eingerichtet", so der Rentenexperte von Gerling Investment. Zur Erklärung: Bei steigenden Kapitalmarktrenditen fallen die Kursverluste von Anleihen um so geringer aus, je kürzer die Laufzeiten sind. Eine Konzentration auf kürzerer Laufzeiten federt demnach die Kursrisiken ab.

Der CICM Global Bond Portfolio USD Based, ein Gemeinschaftsprodukt der Vermögensverwaltung der Commerzbank und der in der Commerzinvest aufgegangenen CICM, verbucht im abgelaufenen Jahr 2001 mit 10,39 % ebenfalls ein zweistelliges prozentuales Plus. Dieser internationale Rentenfonds belegt Rang zwei in der Jahresbilanz.

Commerzbank-Fondsmanager Alexander Schmid begründet den Erfolg mit der Konzentration auf Titel im kürzeren Laufzeitsegment: "Im Jahr 2001 wurde mit dem Fonds eine Politik verfolgt, die vor allem auf fallende Renditen der US-Anleihen mit kürzeren Laufzeiten ausgerichtet war." Das Depot profitierte deshalb nach seiner Darstellung von den massiven Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank. Darüber habe sich das Fondsmanagement auf Anlagen im US-Markt beschränkt. "Das macht sich bei einer in Euro gemessenen Performance positiv bemerkbar, da der US Dollar gegenüber dem Euro im Jahresverlauf an Wert gewann", erläutert Schmid.

Der Fonds war nach Angaben des Commerzbank-Managers Ende Januar ausschließlich in US-Staatsanleihen investiert. Grundsätzlich erfolgten Investitionen nur in Wertpapieren höchster Bonität. Dabei liege der Schwerpunkt bei US-Staatsanleihen. "Es werden aber auch Titel von US-Agenturen, supranationalen Emittenten und Unternehmen zur Beimischung herangezogen", erklärt der Rentenexperte.

Für die erste Jahreshälfte 2002 erwartet Schmid Unsicherheiten: "Zur Zeit befinden wir uns in einem Trading-Markt, der sehr sensibel auf Konjunkturnachrichten in beide Richtungen reagiert. Die konjunkturelle Bodenbildungsphase wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken." Er rechne im Jahresverlauf mit steigenden Renditen in Euroland und den USA, sowohl bei kürzeren als auch bei längeren Laufzeiten.

Schmid ergänzt dazu: "Solange Unsicherheit im Markt über die weiteren Entwicklungen herrscht, bleibt das Risiko für Kursverluste bei Renten begrenzt. Es besteht Enttäuschungspotenzial hinsichtlich einer konjunkturellen Erholung, das Marktteilnehmer veranlassen könnte, die teilweise recht optimistischen Wachstumserwartungen für die USA und Euroland kritisch zu hinterfragen und ihren sicheren Wertpapieranlagen treu zu bleiben", vermutet der Fondsmanager.

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