Wertpapier-Kommission stellt Handel mit Aktien der Ceske Radiokomunikace ein
Ermittlungen gegen ein Konsortium aus Deutscher Bank und Tele Danmark

Die tschechische Wertpapier-Kommission ermittelt gegen die Aktionäre des Prager Kommunikationskonzern Ceske Radiokomunikace AS (CRA). Der Handel mit CRA-Aktien wurde nach einem Kurssturz seit Wochenbeginn am gestrigen Mittwoch vorläufig eingestellt.

PRAG. CRA hält unter anderem Anteile an dem zweitgrößten tschechischen Mobilfunknetzbetreiber Radiomobil. An dem wiederum ist die Deutsche Telekom mit etwa 60 % beteiligt.

Die Wertpapier-Kommission teilte gestern auf Anfrage mit, dass der Verdacht bestehe, dass Informationspflichten für börsennotierte Aktiengesellschaften verletzt wurden. Dies hat Analysten zufolge zu starker Verunsicherung und zu Kursverlusten geführt.

Die Ermittlungen der Wertpapier-Kommission betreffen zunächst den CRA-Mehrheitsaktionär Bivideon. Das Konsortium aus Deutscher Bank und Tele Danmark (TDC) ist mit rund 72 % an CRA beteiligt. Hintergrund der Ermittlungen ist ein Brief an die CRA-Aktionäre, der eine außerordentliche Aktionärsversammlung für den 8. April einberuft. Er schlägt zu diesem Termin einen CRA-Kapitalschnitt von Aktiennennwert 100 Kronen (3,19 Euro) auf 1 Krone (0,03 Euro) je Aktie vor. Wie aus dem Brief weiter hervorgeht, sollen alle CRA-Aktionäre für die verlorenen 99 % des Aktien-Nennwerts Anteile an einer gleichnamigen, aber nicht börsennotierten Gesellschaft Cesky Radiokomunikace Ltd (CRA Ltd) auf den Cayman-Inseln erhalten.

Diese Transaktion hat in Prag den Anfangsverdacht für Ermittlungen gegen Bivideon geweckt. Der Brief stammt zwar nicht von diesem Konsortium. Bivideon hat als CRA-Mehrheitsaktionär dem Inhalt des Briefes aber nicht widersprochen.

CRA und seine Aktionäre sind jetzt nach Angaben der Wertpapier-Kommission verpflichtet worden, "alle Details der Transaktionen unverzüglich offen zu legen". Dazu zählt die Sprecherin der Kommission alle Vorhaben, "die die Existenz von CRA betreffen" und auch den avisierten "Verkauf der Radiomobil-Anteile" an die Cayman-Firma. Denn bisher trug Radiomobil zu mehr als 50 % zum CRA-Konzernumsatz von insgesamt 2,79 Mrd. Kronen (89 Mill. Euro) bei.

Die umstrittene Cayman CRA Ltd-Firma soll künftig den Mobilfunkanbeiter Radiomobil offenbar komplett kontrollieren. Denn am 8. April sollen die Aktionäre der Prager CRA darüber befinden, etwa 40 % von Radiomobil an die Cayman-Tochter zu übertragen. Zudem verfügt das umstrittene Unternehmen einer CRA-Pressemitteilung und Analysten zufolge über eine Kaufoption im Umfang von etwa 60 % an Radiomobil und damit offenbar an dem Anteil der Telekom.

Die Deutsche Telekom dementiert dies. Es gebe solche Optionen auf Kauf des Telekom-Anteils an Radiomobil nicht. Und auch mit der CRA auf den Cayman-Inseln habe der Konzern keine Geschäftsbeziehungen.

Prager Analysten vermuten dagegen, dass die Telekom ihre Beteiligung an Radiomobil auf den Cayman-Inseln "zwischenparken" will. Der Grund: Der Konzern wolle den ebenfalls Anfang April erwarteten Beschluss der Prager Regierung zur Privatisierung des tschechischen Telekom-Marktführers Cesky Telecom und dessen Mobilfunk-Tochter Eurotel Praha abwarten. Denn die Telekom gilt - neben Konsortien der Swisscom und der griechischen OTE - als einer der drei aussichtsreichen Bewerber für Cesky Telecom. Doch im Falle eines Zuschlags müsste sie einen der Mobilfunk-Betreiber - Eurotel (3,26 Millionen Kunden) oder Radiomobil (3 Millionen Kunden) - weiter verkaufen. Analysten halten es für wahrscheinlich, dass die Telekom in diesem Fall Radionmobil verkauft, denn Eurotel sei eng mit der Cesky Telecom verwoben und daher nicht so leicht abzutrennen.

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