Wertpapieranalysten
Alternative 1: Unabhängige Research-Firmen

Investoren haben von Analysten, die durch das Investment Banking finanziert werden genug. Viele haben mit ihren Empfehlungen Anleger um einen großen Teil ihres Vermögens gebracht. Unabhängige Research-Firmen haben vorgemacht, dass es auch anders geht.

hus/fw DÜSSELDORFDie Wertpapieranalysen selbstständiger Firmen wie Computrade Systems Inc. und Alpha Equity Research Inc. etwa haben die Enron-Aktie schon zum Verkauf empfohlen, als sie noch zwischen 50 und 60 Dollar wert war. Da hatte das Papier seit seinem Rekordhoch zwar schon 30 Prozent abgegeben, doch es war noch lange nicht in den Penny-Bereich abgesackt. Die Vermögensberatung Callard Asset Management empfahl schließlich am 14. August, Enron zu verkaufen. Da kostete die Aktie immerhin noch 42 Dollar.

Einen Tag später gab die Investmentbank Goldman Sachs eine Kaufempfehlung ab. Wer dagegen sämtlichen Ratschlägen der unabhängigen Analysefirmen wie Avalon-Research gefolgt wäre, hätte im vergangenen Jahr sein Vermögen um fast 50 Prozent vermehrt, berichtet der Investor-Service Investar. Nach den Statistiken dieses Unternehmens sind unter den besten Analystenteams unabhängige Firmen überproportional vertreten.

Etwa 120 solcher unabhängigen Research-Firmen gibt es in den USA. Sie untersuchen in der Regel ausschließlich das Zahlenwerk der Unternehmen und verzichten auf persönliche Treffen mit dem Vorstand. "Wer mit den Chefs spricht, wird von deren Begeisterung für ihre Zukunftspläne mitgerissen und verliert seine Objektivität", sagt Präsident Tim Alward von der Research-Firma Ford Investor Services in San Diego. Bei Enron hatten die unabhängigen Analysten nicht unbedingt einen Konkurs geahnt. Sie waren aber mit Hilfe von Computerrechenmodellen zu der Ansicht gekommen, dass die Aktie ihr Geld nicht mehr wert war.

Guter Rat ist teuer

Doch guter Rat ist teuer. In der Regel sind die Berichte und Daten von Research-Firmen nur für institutionelle Anleger erschwinglich: Die Institute verlangen Jahresgebühren von häufig 20 000 Dollar oder gar mehr. Einige Firmen liefern aber auch Einzelberichte zu erschwinglichen Preisen. Das Jahresabonnement der Firma Value Line etwa kostet zwischen 145 und 600 Dollar, die Firma Morningstar aus Chicago verlangt für ein Abo nur rund 110 Dollar pro Jahr. Morningstar bietet aus seiner Londoner Zentrale auch Bewertungen europäischer Aktien an. Ein speziell für individuelle Investoren entwickelter Service ist Investars. Für 20 Dollar pro Monat wird der Anleger dort über Kauf- und Verkaufsempfehlungen von 150 Firmen auf dem Laufenden gehalten. Die Research-Institute werden dabei in der Rangfolge ihrer Treffsicherheit aufgeführt.

In Europa finden sich unabhängige Research-Firmen noch selten. Ein bekanntes Beispiel in Deutschland ist Independent Research. Nach Aussage von Geschäftsführer Pierre Drach finanziert sich das Unternehmen aber nur zum Teil direkt aus Beratungserlösen. Ein anderer Teil der Erträge wird in Zusammenarbeit mit Korrespondenzbanken erwirtschaftet.

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