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Wertpapieraufsicht prüft Ad-hoc-Meldung der Infomatec AG

Nach der Korrektur einer 15 Monate alten Ad-Hoc-Mitteilung durch die Infomatec AG prüft die deutsche Wertpapieraufsicht, ob ein rechtlicher Verstoß vorliegt.

Reuters MÜNCHEN. "Wir schauen uns diese Sache vor dem Hintergrund der Ad-Hoc-Vorschriften an", sagte Regina Nößner, Sprecherin des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel (BAWe) am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Sprecherin des Unternehmens räumte ein, die Mitteilung über einen Auftrag der Firma Mobilcom sei unsorgfältig formuliert worden. Am Neuen Markt sackte Kurs der Infomatec-Aktien auf ein Jahrestief von 7,80 Euro. Nach der Ansicht von Sonia Rabussier, Analystin bei Sal. Oppenheim, hat Infomatec große strukturelle Probleme.

Das Augsburger Internet-Unternehmen hatte am Dienstagabend in einer Pflichtmitteilung mitgeteilt, entgegen Angaben vom 15. Mai 1999 umfasse ein MobilCom-Auftrag lediglich die Lieferung von 14 000 Internet-Boxen. Damals hatte das Unternehmen von einem Rahmenvertrag über 100 000 Stück gesprochen. Infomatec bietet Software-Lizenzen für Geräte an, die das Surfen im Internet über den Fernseher ermöglichen. Bis vor wenigen Monaten hat das Unternehmen nach eigenen Angaben auch die entsprechenden Geräte, sogenannte JNT-Surfstations, fertigen lassen und geliefert. Die Zeitung "Computerwoche" (CW) hatte berichtet, Infomatec bewege sich bei seinen Darstellungen an der Grenze zur Realität. Mehrere Ankündigungen, darunter auch die MobilCom-Order, entsprächen nicht den wahren Umständen.

Allgemein seien Aufträge, die die dazu geeignet seien, den Aktienkurs zu bewegen, per Ad-Hoc-Mitteilung zu melden, sagte Nößner. Im Zweifel sei deshalb auch ein Platzen von Aufträgen oder eine deutliche Reduzierung des Volumens zu veröffentlichen. Grundsätzlich kann nach Nößners Worten die Nichtveröffentlichung ad-hoc-pflichtiger Mitteilungen mit bis zu drei Mill. DM Bußgeld belegt werden.

Entgegen dem CW-Bericht sei es keinesfalls so, dass Infomatec bei seinen Meldungen übertreibe, sagte die Unternehmenssprecherin. Der im Mai 1999 bekannt gegebene Rahmenvertrag mit MobilCom habe die 100 000 JNT-Boxen lediglich als nicht verpflichtendes Ziel vorgesehen. Zudem habe es technische Probleme bei den Geräten gegeben. Diese seien nun aber vom Lieferanten behoben worden. MobilCom erwäge deshalb, die anvisierte Stückzahl 100 000 doch noch abzunehmen. Die bislang von MobilCom abgenommenen 14 000 Geräte entsprächen einem Auftragsvolumen von nur gut neun Mill. DM anstelle der vormals kommunizierten 55 Mill. DM.

Die Behauptung der CW, Infomatec verfüge nicht über die SAP-Kompetenz, die sie sich selbst zuschreibe, sei "schlecht recherchiert", kommentierte die Sprecherin.

Sal. Oppenheim-Analystin Sonia Rabussier sagte, viele Analysten seien Infomatec gegenüber vorsichtiger geworden. Zwar habe das Unternehmen gute Produkte. Bezüglich des Vertriebs, der Kommunikation und den Management-Strukturen gebe es aber große Probleme. Zudem sei es sehr schwierig, Informationen aus dem Unternehmen zu erhalten.

Am Neuen Markt gehören die Infomatec-Aktien seit mehreren Monaten zu den Verlierern. Von einem im Februar erreichten Jahreshoch von 51 Euro rutschten die Titel im August bis auf Kurse von unter zehn Euro. Am Mittwoch brachen die Aktien in der Spitze erneut ein - um mehr als zehn Prozent auf ein Jahrestief von 7,80 Euro.

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