Wertpapierbehörde ermittelt
Verdacht auf Insider-Geschäfte bei Infineon

Der Münchener Halbleiterkonzern Infineon wird derzeit zweifach vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) unter die Lupe genommen.

Reuters MÜNCHEN. Zum einen prüft die Wertpapieraufsicht, ob Infineon im Juni 2001 eine Verlustwarnung zu spät veröffentlicht hat, wie eine Sprecherin des BAWe am Wochenende bestätigte. Nach der Mitteilung war der Kurs der Infineon-Aktie um 16 % eingebrochen. Zum anderen ermittele die Aufsichtsbehörde, ob Unternehmens-Insider am Tag zuvor Vorteile aus ihrem Wissen gezogen haben. Das Papier hatte damals gegen den Markttrend um fünf Prozent nachgegeben. Während die Prüfung der Ad-hoc-Mitteilungs-Pflicht bereits kurz vor dem Abschluss stehe, habe das BAWe die offizielle Insider- Untersuchung erst vor kurzem aufgenommen. Sie könne sich noch Wochen oder Monate hinziehen.

Infineon hatte am 20. Juni erklärt, im Geschäftsjahr 2000/01 (zum 30. September) 600 Mill. Euro Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) zu erwarten. Vier Wochen zuvor hatte Vorstandschef Ulrich Schumacher auf einer Investorenkonferenz in Barcelona zum erstenmal eingeräumt, dass im dritten Quartal wahrscheinlich ein Verlust ausgewiesen würde. Wegen des Insiderverdachtes habe das Unternehmen selbst Nachforschungen bei Mitarbeitern angestellt, sagte die Sprecherin. "Dabei haben sich keinerlei Erkenntnisse über Verstöße gegen das Insiderhandelsrecht ergeben."

Das BAWe prüft außerdem, ob Infineon nicht schon im Mai die Ad-hoc-Warnung hätte veröffentlichen müssen. Diesen Vorwurf wies die Sprecherin zurück: Damals hätten die internen Prognosen noch im Rahmen der Analystenschätzungen gelegen. Erst im Juni sei der Markt für Kommunikations-Chips wirklich dramatisch eingebrochen, die Speicherchip-Preise erneut gefallen und die Auftragseingänge weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Auch andere Firmen aus der Branche wie Nortel oder Lucent hätten ihre Prognosen erst im Juni nach unten korrigiert, fügte sie hinzu.

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