Wertpapierkommission öffnet den tschechischen Markt
Ausländische Fonds-Anbieter entdecken Prag

Der tschechische Kapitalmarkt erlebt ein dynamisches Wachstum ausländischer Investmentfonds. Tschechiens Wertpapierkommission (KCP) hat binnen weniger Monate rund 340 ausländische Investmentfonds für den inländischen Markt zugelassen.

jow PRAG. Allein zu Jahresbeginn gab sie für 51 Fonds grünes Licht. Damit scheint sich in diesem Jahr ein Trend zu bestätigen, den die Ratingagentur Moody's bereits im vergangenen August in ihrem "Global Funds Update" vorhergesagt hatte: Dem Land stehe ein Boom von Investment- und Rentenfonds bevor.

Nach Aussagen von Radka Prochazkova, Pressesprecherin der KCP, unterliegen die Fonds der Aufsicht am Sitz des Emittenten. Die Kommission regle nur die Informationspflichten auf dem Terrain Tschechiens. Dazu zählen die Verkaufszahlen und die Art der Reklame. So müssen die Fonds in ihrem Prospekt angeben, ob sie neben der tschechischen Krone auch Anlagen in Fremdwährungen verkaufen. Die Fondsanteile seien später auch auf Tschechiens amtlichen Kapitalmarkt handelbar, sofern sie dafür zugelassen werden. Dazu müssten sie über eine ausreichende Liquidität und Marktkapitalisierung verfügen, erklärt die KCP.

Die Zulassung seriöser Fondsanbieter mit Weltrenomée in tschechischer Währung ist vor allem auf tschechische Anleger gemünzt, doch können davon auch ausländische Anleger profitieren. Für tschechische Kleinanleger etabliert sich nach zahlreichen Bankenskandalen und Anlagebetrügereien erstmals im eigenen Land eine Alternative zu Termineinlagen, Sparkonten oder Bausparen. Die Fonds legen den Grundstein für eine private Altersvorsorge.

Für Ausländer bietet sich nun die Möglichkeit, im Westen bekannte Fonds in tschechischer Währung zu kaufen - und somit auf Wechselkursgewinne zu spekulieren. John Vax, Direktor der Commerzbank Capital Markets Eastern Europe in Prag, sieht dafür eine Chance: "Langfristige Kaufkraftvergleiche zeigen, dass die Währungen in Polen, Tschechien und Ungarn im Verhältnis zum Euro immer noch deutlich unterbewertet sind." Die niedrige Inflationsrate, der Produktivitäts- und Effizienzzuwachs durch Privatisierungen und Auslandsinvestitionen in Tschechien legten eine weitere Aufwertung der Krone nahe, meint Vax. Dadurch ergäben sich für Anleger "zwar nicht im Tagesgeschäft, aber langfristig gute Geschäftschancen".

Stefan Weinwurm von der Raiffeisen International Fund Advisory (RIFA), hat die Entwicklung des Fondssegments in Tschechien fast von Anfang an verfolgt. Raiffeisen war nach der Pioneer-Gruppe der zweite Vorreiter auf dem Markt - seit Oktober 1999. Inzwischen bieten die Österreicher 19 Fonds in Tschechien an. "Die Präferenz der tschechischen Anleger liegt bei Anleihe- und Mischfonds", hat Weinwurm beobachtet. Angeboten würden inzwischen auch Mutualfonds und Pensionsfonds.

"Im Gegensatz zu den anderen Reformstaaten ist das Zinsniveau in Tschechien schon sehr niedrig, wodurch internationale Anleiheprodukte attraktiv werden", so Weinwurm. Der Markt für Retailfonds sei aber erst im Entstehen begriffen. Über den Ansatz von Auslandsfonds gebe es noch keine Statistik. Der Vertrieb beschränke sich zurzeit noch auf Banken und Finanzberater - das Internet sei dafür "noch kein Thema".

29.1.2002

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