Wertpapiertransaktionen zurückgegangen
Consors-Entwicklung leidet unter Börsenumfeld

Die im ersten Halbjahr tiefer in die roten Zahlen gerutschte Direktbank Consors erwartet wegen der anhaltenden Krise an den Aktienmärkten keine wesentliche Geschäftsbelebung im weiteren Jahresverlauf.

Reuters NÜRNBERG. "Von unserem Ziel, wieder profitabel zu werden, sind wir im Moment noch ein gutes Stück weit entfernt", sagte Vorstandschef Karl Matthäus Schmidt am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Nürnberg. "Gegenwärtig deutet auch nichts darauf hin, dass sich das Börsenumfeld im zweiten Halbjahr entscheidend verbessern wird." Wegen Sonderabschreibungen nach dem Kursverfall an den Börsen vervierfachte die von der französischen Bank BNP Paribas übernommene Direktbank in den ersten sechs Monaten ihren Nachsteuerverlust. Ende März hatte Consors für 2002 in der AG ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht gestellt. Im Ausland war die Gewinnschwelle für 2003 angestrebt.

"Die Geschäftsentwicklung hat im ersten Halbjahr, vor allem im zweiten Quartal, unter dem schlechten Börsenumfeld gelitten", begründete Consors den Ergebniseinbruch. Der Verlust nach Steuern sei im ersten Halbjahr 2002 nach vorläufigen Zahlen auf 159 Millionen Euro von 41 Millionen Euro im Vorjahr gestiegen. Darin seien aber Sonderabschreibungen von 119 Millionen Euro auf Firmenwerte enthalten. Der operative Verlust habe sich in den ersten sechs Monaten auf 40 (36) Millionen Euro ausgeweitet. Consors habe die operativen Kosten aber um 35 Prozent gesenkt. "Das Ergebnis des erste Halbjahres zeigt, dass wir auf der Kostenseite gute Fortschritte erzielt haben", sagte Schmidt. "Dennoch lässt das miserable Börsenumfeld kein positives Ergebnis zu."

Mit Consors gab die erste europäische Onlinebank Auskunft über die Entwicklung im zweiten Quartal, in dem die Aktienkurse durch die schwache Konjunktur und die Bilanzskandale in den USA weiter unter Druck standen. Das Nürnberger Unternehmen soll mit der BNP-Tochter Cortal zum größten Onlinebroker Europas vor dem bisherigen Marktführer Comdirect und der Münchener DAB Bank fusioniert werden.

Angesichts der schwachen Börsenentwicklung sei die Zahl der Transaktionen im ersten Halbjahr um 40 Prozent auf 2,6 Millionen gesunken, sagte Schmidt weiter. Mit 1,2 Millionen Trades sei das zweite Quartal noch schlechter verlaufen als das erste Vierteljahr mit 1,4 Millionen Transaktionen. Entsprechend sei der Zins- und Provisionsüberschuss im ersten Halbjahr um 34 Prozent auf 61 Millionen Euro gesunken. Die Zahl der Kunden stieg bis Ende Juni zwar auf rund 578.000 (Ende 2001: 512.450), das Depotvolumen ging aber auf 5,8 (7,2) Millionen Euro zurück.

BNP Paribas hält bereits mehr als 90 Prozent der Consors-Aktien. Bis Ende Juli läuft eine weitere Frist für die freien Aktionäre, das Übernahmeangebot von 12,40 Euro je Aktie anzunehmen. Da der Streubesitz auf ein Maß zusammenschrumpfe, das eine weitere Notiz an den Börsen wenig sinnvoll erscheinen lasse, rät Schmidt den Aktionären das Angebot anzunehmen. "Der Handel mit Consors-Aktien wird austrocknen", sagte Schmidt.

Das Zusammengehen von Consors und Cortal birgt nach Ansicht von Olivier Le Grand, dem künftige Vorstandschef von CortalConsors, Synergiepotenziale von 53 Millionen Euro bis zum Jahr 2005. "Unser Ziel ist Profitabilität, unabhängig von der Aktienmarktentwicklung", sagte Le Grand.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%