Wertschöpfungskette für Investmentdienstleistungen wird neu definiert
Unabhängige Verwaltung von Kundendepots setzt sich durch

"Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben."Albert Einsteins Erkenntnis könnte für Vermögensverwalter im heutigen ungewöhnlichen Geschäftsklima kaum zutreffender sein.

HB DÜSSELDORF. Mit wenigen Ausnahmen erweisen sich die komplexen Infrastrukturen und alten Rechtssysteme der europäischen Investmentbranche als ungeeignet, Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Während Investmentgesellschaften versuchen, mit neuen Strategien und Produkten die Kundenbasis zu erweitern oder zumindest konstant zu halten, müssen sie gleichzeitig Arbeitsabläufe bewältigen, die neue hoch entwickelte und integrierte Technologien und Dienstleistungen erfordern. Eine Alternative zu hohen Investitionen in eigene Systeme und Ressourcen ist darum das Outsourcing, also die Partnerschaft mit einem spezialisierten Dienstleister.

Die operative Infrastruktur, die den Löwenanteil der Investitionen ausmacht, gehört bei den meisten Kapitalanlagegesellschaften nicht zu den Kernkompetenzen. Eine kürzliche Umfrage des Beratungsunternehmens McKinsey & Company bei über 70 % der europäischen Fondsmanager belegt, dass die Infrastrukturkosten inklusive IT und operativen Kosten bei mittelgroßen Unternehmen mit einem Managementvolumen von durchschnittlich 44 Mrd. Euro auffallend hoch waren.

Mit der so genannten "Master-KAG" ist es nun auch deutschen Kunden auf vereinfachte Weise möglich, das Investmentmanagement und die damit verbundenen Dienstleistungen für ihre Spezialfonds auf verschiedene Vermögensverwalter zu verteilen. Hierbei müssen sie nicht mehr für jedes einzelne Mandat die Beziehungen zur zuständigen Kapitalanlagegesellschaft getrennt verwalten. Statt dessen bündeln sie alle Funktionen in der Master-KAG, die ihrerseits flexibel Unteraufträge an andere Asset Manager vergibt.

Auf den angelsächsischen Märkten, wo sich das Outsourcing schon seit Jahren durchgesetzt hat, zeichnet sich heute bereits ein Trend ab, nach dem Gesellschaften externen Spezialisten nicht nur einzelne oder gebündelte Dienstleistungen anvertrauen, sondern auch sehr anspruchsvolle Investmentvorgänge und sogar den gesamten Vermögensverwaltungsprozess auslagern.

Dienstleistungen aus dem gesamten Spektrum

Umfassende Outsourcingmodelle integrieren Dienstleistungen aus dem gesamten Spektrum des Kapitalanlagegeschäfts. Das Angebot reicht von der Überwachung vor und nach einem Handel über die Handelsausführung bis hin zum Research und Risikomanagement. Auch im administrativen Investmentprozess kann eine Gesellschaft externe Unterstützung in Anspruch nehmen, wie beispielsweise bei der Kontenabstimmung, der Fondsverwaltung und-buchhaltung, der Performancemessung, der Berichterstattung an Kunden oder der Führung von Kundendepots.

Dabei geht es nicht nur um Kostenersparnisse. Immer mehr Fondsanbieter sehen die Vorteile auch im Zugang zu bewährten Technologien, in einer besseren Risikoüberwachung und in einer höheren Dienstleistungsqualität. Darum ist das Outsourcing an einen spezialisierten Anbieter mit skalierbarer Technologie letztlich eine langfristige, risikoarme Strategie in einem immer komplizierter werdenden regulativen Umfeld. Es kann bis hin zur allmählichen Eingliederung alternativer Kapitalanlagen in das Kerngeschäft reichen.

Konsolidierungsprozess hält an

In Deutschland hält der Konsolidierungsprozess in der Investmentbranche an und hat eine Neuausrichtung auf die jeweiligen Kernkompetenzen zur Folge. Kapitalanlagegesellschaften und Banken, Versicherungen und Pensionsverwalter lagern aus oder überlegen, Teile ihres Geschäftes auszulagern. Denn sie erkennen, dass Größenvorteile und Segmentspezialisierung einen wesentlichen Einfluss auf die Erträge haben können.

Zudem wird sich in Deutschland auch die unabhängige Verwaltung von Kundendepots ("Transfer Agency" durchsetzen, wie dies bereits in Großbritannien und den Offshore-Märkten der Fall ist. Heute bearbeiten mehr als die Hälfte der 80 Investmentunternehmen in Deutschland ihre Verwaltungsaufgaben auf selbstentwickelten Systemen. Die anderen verwenden eine kleine Anzahl von Lizenzsystemen.

Berater sagen voraus, dass innerhalb der nächsten Jahre immer weniger Kapitalanlagegesellschaften die Funktionen eines Transferagenten im eigenen Haus abwickeln werden. Der Grund dafür liegt nicht nur in den gelockerten Outsourcingvorschriften der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), sondern auch in den neuen Möglichkeiten für Fondsgesellschaften, Fremdfonds über Plattformen Dritter zu vertreiben.

Neue und unterschiedliche Konglomerate mit verschiedenen Produkten, Stärken und geographischen Reichweiten dürften weiterhin Druck auf Unternehmen ausüben, sich auf Grund ihrer Kernkompetenzen von einander abzugrenzen. In den nächsten Jahren werden sich Asset Manager darum auf Performance, Produktinnovation und erweiterte Distributionskanäle konzentrieren und sich für ihre Verwaltungsfunktionen und bei der operativen Abwicklung des Geschäfts zunehmend an Spezialisten wenden.

Quelle: Handelsblatt.com vom 21.05.2003

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