Wertvolles Analysewerkzeug
Management-Informations-Systeme: Für die Zahlen einmal pfeifen

Management-Informations-Systeme (MIS) galten lange als teure Flopps. Heute unterstützen sie wichtige Entscheidungen.

DÜSSELDORF. Im Hause Knorr-Bremse macht Unternehmensführung neuerdings richtig Spaß. "Ich brauche nur zu pfeifen, und schon habe ich die Zahlen, die ich benötige", freut sich Peter Riedlinger, Vorstandsmitglied des Münchener Bremsenbauers. Doch die gewünschten Daten trägt ihm nicht eine Schar fleißiger Controller zu, sondern das EDV-System seines Unternehmens.

Per Mausklick kann Riedlinger beispielsweise die Rentabilität der Geschäftssegmente abrufen, auf Wunsch aufgeschlüsselt nach Kriterien wie Kunde, Land oder Produkt. "So können wir automatisch die zukunftsträchtigen Produkte herausfiltern oder die Verlustbringer identifizieren."

Das frühere Berichtssystem hatte vor allem einen Nachteil: Es erlaubte keine Analyse nach Produktsegmenten. So ließ sich beispielsweise das Geschäft mit Kompressoren - deren Herstellung sich auf Tochtergesellschaften in England, Italien, Tschechien, Frankreich und Deutschland verteilt - nicht optimal steuern.

Analysewerkzeug für jeden Mitarbeiter

"Wir benötigen aber eine Organisation, die nicht mehr primär auf Rechtseinheiten, sondern auf Geschäftseinheiten aufbaut", sagt Riedlinger. Daher ist in der neuen Organisationsstruktur für jedes Produktsegment weltweit jeweils ein Manager verantwortlich. Gemessen wird seine Leistung am Return on Capital Employed, das heißt am erzielten Wertzuwachs. Diese Kennzahl sollte das neue Management-Information-System (MIS), neben ergänzenden Steuerungsgrößen, konzernweit automatisch zur Verfügung stellen - ein ehrgeiziges Ziel, das es nun galt, technisch umzusetzen.

Das Prinzip, das sich mittlerweile nicht nur bei Knorr-Bremse durchgesetzt hat, ist einfach: Die für das Controlling erforderlichen Daten werden aus den Buchhaltungs-, Materialwirtschafts- und Produktionssystemen der einzelnen Standorte gefischt und in einen Datensammeltopf - das Data Warehouse - geworfen. Die Informationen stehen nun für Analysen zur Verfügung. Über das Intranet kann jeder Mitarbeiter des Konzerns, sofern er dazu berechtigt ist, Anfragen stellen und Ergebnisse abrufen.

Das Analysewerkzeug beruht auf einer OLAP-Systemarchitektur. Ihr Ziel: Die Daten speziell nach den Anforderungen des Controllings aufzubereiten. OLAP - Online Analytical Processing - beruht auf einer multidimensionalen Datenerfassung. Da die ins Data Warehouse überspielten Informationen von den Systemen des Tagesgeschäfts losgelöst sind, können sie nach Controlling-Gesichtspunkten neu geordnet werden - und zwar nach den Bereichen Produkte, Kunden, Regionen und Zeit. Die Kombination der Bereiche ermöglicht dann eine Vielzahl von Analysen. So lassen sich Produkte zu Gruppen, Monate zu Quartalen, Kunden zu Regionen oder Branchen verdichten.

MIS verzeichnen einen großen Schub

Noch vor wenigen Jahren standen MIS im Ruf, eher teure Flopps zu produzieren als tatsächlich Hilfe anzubieten. Inzwischen sei die Technologie aber wesentlich stabiler und leistungsfähiger, urteilt Holger Mertens, Mitarbeiter des Business Application Research Center (BARC) an der Universität Würzburg. "Viele Unternehmen springen jetzt auf den Zug, weil sie merken, dass sie mit ihren klassischen Werkzeugen nicht mehr weit kommen."

Auch Andreas Hahn, Geschäftsführer des Instituts für Managementinformationssysteme e. V. in Ludwigshafen, beobachtet beim Einsatz der Systeme - die heute oft auch unter dem unbelasteten Namen Business Intelligence (BI) stehen - einen "regelrechten Schub".

Die modernen BI-Systeme unterscheiden sich vor allem in zwei Neuerungen von den früheren Systemen: Zum einen ist es durch die OLAP-Technologie möglich, Daten multidimensional zu speichern - das sorgt für Geschwindigkeit. Zum anderen werden Analysen nicht mehr direkt auf den Systemen gefahren, die für das tägliche Geschäft zuständig sind - ein Aspekt, der für Knorr Bremse sehr entscheidend war: So blieben die 33 Tochtergesellschaften auch in der Einführungsphase des neuen BI-Systems unbehelligt und konnten mit ihren bisherigen Systemen ungestört weiterarbeiten. Sie wurden lediglich über Schnittstellen an die neue Datenbank für das Controlling angebunden.

Auch die neuen System haben ihre Macken

Doch auch die Welt der neuen, fortschrittlichen BI-Systeme ist nicht völlig frei von Problemen. Der Grund: Das reibungslose Funktionieren der zahlreichen Schnittstellen ist oft kompliziert. Je nach System und Datenbedarf erfordert die Einrichtung "einen Aufwand von fünf bis zehn Tagen. Das kann aber locker auch 50 Tage betragen", sagt Roger Schramm, Kundenbetreuer des Software-Anbieters Hyperion Solutions. Dennoch urteilt das Management bei Knorr-Bremse: Die Vorteile des neuen Systems überwiegen.

Zudem sei es auch aus Kostengründen sinnvoll, bewährte Systeme beizubehalten, sagt Hans-Peter Sander, Sprecher des Controller Vereins in München. Dabei denke er vor allem an mittelständische Unternehmen. In großen Konzernen - wie Thyssen Krupp mit rund 700 Berichtseinheiten - bestehe dagegen aufgrund von Firmenkäufen ohnehin eine heterogene IT-Landschaft.

Solche Probleme hat Knorr-Bremse nicht. Die Bayern erfreuen sich eines reibungslos funktionierenden Systems, wissen aber, dass dies zu einem gewissen Teil auch Zufall ist. "Wir hatten das große Glück", sagt Vorstand Riedlinger, "dass die technische Entwicklung mit unseren Ideen Schritt gehalten hat."

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