Westen will diplomatische Beziehungen zu Belgrad wieder aufnehmen
UN-Sicherheitsrat einstimmig für Aufnahme Jugoslawiens in UNO

afp BERLIN/BELGRAD. Knapp einen Monat nach dem Machtwechsel in Jugoslawien wollen die vier Westmächte USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland ihre diplomatischen Beziehungen zu Belgrad zügig wieder aufnehmen. Das Bundeskabinett in Berlin beschloss dies am Mittwoch, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes mitteilte. In Belgrad berichtete die jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug unter Berufung auf Diplomaten, auch die Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der Beziehungen zu Washington, London und Paris liefen bereits. "Technische Vorkehrungen" wie Schlüsselübergaben und die Besichtigung von geeigneten Räumen hätten bereits begonnen. Der UN-Sicherheitsrat hatte sich zuvor einstimmig für die Aufnahme Jugoslawiens in die Vereinten Nationen ausgesprochen. Die UN-Vollversammlung in New York sollte darüber nach Diplomatenangaben bereits am Mittwoch abstimmen.

Die Berliner Vize-Regierungssprecherin Charima Reinhardt sagte, mit dem Neubeginn der diplomatischen Beziehungen solle der demokratische Wandel in Jugoslawien unterstützt werden. Die Voraussetzungen dafür sollen durch einen Notenwechsel zwischen beiden Staaten geschaffen werden. Die Beziehungen zu den westlichen Staaten waren nach Beginn der NATO-Luftschläge gegen Jugoslawien im März 1999 von jugoslawischer Seite abgebrochen worden. Seitdem gibt es nur noch Interessenvertretungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens in Belgrad.

"Großer Tag für die Demokratie"

Nach der Sitzung des UN-Sicherheitsrates sprach der UN-Botschafter der USA, Richard Holbrooke, von einem "großen Tag für die Demokratie auf dem Balkan, in Europa und für die Vereinten Nationen". Der neue jugoslawische Präsident Vojislaw Kostunica hatte die Aufnahme seines Landes erst am vergangenen Freitag beantragt. Jugoslawien war 1992 aus der UNO ausgeschlossen worden. Der Präsident der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro, Milo Djukanovic, beschwerte sich, er sei nicht konsultiert worden, wie das montenegrinische Fernsehen berichtete. Montenegro begrüße den Sieg der Demokratie in Serbien, über die Beziehungen zwischen den beiden Teilrepubliken müsse aber noch weiter diskutiert werden, sagte Djukanovic demnach weiter. Jugoslawien sei nur noch "eine Fiktion". Serbien und Montenegro solle nur noch "eine gewisse Form der Gemeinschaft" verbinden.

In der südserbischen Provinz Kosovo erklärte sich die serbische Minderheit unterdessen bereit, an Nachwahlen auf kommunaler Ebene teilzunehmen. Die Serben hatten die Abstimmung am Samstag boykottiert. Anschließend hatte UN-Verwalter Bernard Kouchner ihnen eine Nachwahl angeboten. Auch die seit Juni 1999 geflohenen Serben dürften sich nun in die Wählerlisten eintragen lassen, begründete eine Vertreterin des Serbischen Nationalrates, Rada Trajkovic, den Meinungsumschwung. Nach ihren Angaben verließen nach dem Ende der NATO-Luftangriffe im Juni vergangenes Jahr 170 000 Serben ihre Heimat, 100 000 blieben im Kosovo.

Trajkovic gratulierte dem gemäßigten Albanerführer Ibrahim Rugova zu seinem Wahlsieg. Rugovas Demokratische Liga des Kosovo (LDK) lag nach Auszählung von 90 % der Stimmen am Montagabend bei 58,1 %. Das Endergebnis wollte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) spätestens am Mittwoch veröffentlichen.

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