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Westlb will TUI-Anteil komplett verkaufen - Markt weiter verunsichert

Die wochenlangen Spekulationen über die Zukunft von Europas größtem Reisekonzern TUI reißen nicht ab. Am Freitag sorgte eine Mitteilung der Westlb zum Stand der Verkaufsverhandlungen ihres TUI-Paketes für weitere Unruhe an der Börse. Die TUI-Aktie gab bis zum Mittag deutlich nach. Auslöser der Übernahme-Fantasie war die Investmentbank Morgan Stanley , die im Juli ihr TUI-Aktienpaket auf über 10 % verdoppelt hatte.

dpa-afx DÜSSELDORF. Die wochenlangen Spekulationen über die Zukunft von Europas größtem Reisekonzern TUI reißen nicht ab. Am Freitag sorgte eine Mitteilung der Westlb zum Stand der Verkaufsverhandlungen ihres TUI-Paketes für weitere Unruhe an der Börse. Die TUI-Aktie gab bis zum Mittag deutlich nach. Auslöser der Übernahme-Fantasie war die Investmentbank Morgan Stanley , die im Juli ihr TUI-Aktienpaket auf über 10 % verdoppelt hatte.

Die Westlb bekräftigte am Freitag in einer Mitteilung, ihre Beteiligung von 31,3 % an Europas größtem Reisenkonzern "möglichst vollständig" an einen Investor oder ein Konsortium von Investoren verkaufen zu wollen. Analysten schlossen angesichts dieser Formulierung einen Teilverkauf weiterhin nicht aus.

Die Westlb führt die TUI-Aktien mit einem Wert je Aktie von 16,50 ? in ihren Büchern. Bei einem Anteil von 31,3 % an TUI und einer Gesamtzahl von 178,47 Mill. Aktien entspricht dies einem Wert von rund 922 Mill. ?, den die Westlb im Falle eines Verkaufs mindestens für ihre Aktien bekommen will. Die Bank hat immer wieder betont, mit Gewinn verkaufen zu wollen.

Weitere Auskünfte wollte die Bank weiterhin nicht geben. Die Westlb begrüßte die Absicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), "die in den vergangenen Wochen durch gezielt gestreute Gerüchte und Finanzmarktoperationen ausgelösten Kursbewegungen der TUI-Aktie zu untersuchen und damit zur Transparenz am Kapitalmarkt beizutragen".

Reisekonzern Begrüßt Westlb-Statement - Landesregierung IN Kontakt ZU TUI

Der Touristikkonzern selbst begrüßte das Statement der Westlb als klärende Aktion in der aufgeheizten Verkaufsdebatte. "Damit will die Bank Ruhe und Sicherheit in die Diskussion bringen", sagte ein TUI-Sprecher am Freitag in Hannover. Er bewerte die Stellungnahme der Bank als Antwort auf die zahlreichen Marktspekulationen.

Ein Sprecher des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums sagte, die Landesregierung stehe in Kontakt zu dem Unternehmen. "Die TUI ist für den Standort Niedersachsen ein wichtiges, zentrales Unternehmen. Die Landesregierung hat natürlich ein Interesse daran, dass das Unternehmen erfolgreich arbeitet."

Aktie Unter Druck

Die TUI-Aktie geriet am Freitag stark unter Druck. Gerüchte über die Kaufmodalitäten und Interessenten hätten weitere Nahrung erhalten, sagten Börsianer. Die Titel des Reiseunternehmens gaben bis 13.45 Uhr 2,94 % auf 14,88 ? nach. Der deutsche Leitindex DAX verlor 0,72 % auf 3 696,27 Punkte.

"Die TUI-Aktie kommt nicht zur Ruhe", sagte ein Börsianer. "Ein Gerücht jagt das nächste." Der Markt halte den Verkauf des kompletten Pakets für unwahrscheinlich, hieß es. "Die Möglichkeit, dass die Westlb doch weniger als 30 % verkauft und die unabhängigen Anleger damit leer ausgehen, belastet die Aktie", sagte Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). "Denn erst bei einem Kauf von 30 % oder mehr muss allen übrigen Aktionären das gleiche Angebot gemacht werden." Die Bank scheine mehrere Interessenten an der Hand zu haben.

Für weiteren Gesprächsstoff sorgte Händlern zufolge weiterhin ein drohender DAX-Abstieg der TUI-Aktie. Obwohl sich die Stimmen mehrten, dass ein Verbleib so gut wie sicher sei, sorge das Szenario eines Abstiegs für Druck auf die Aktie. Auch der anhaltende Höhenflug des Ölpreises sei insbesondere für TUI als Reisekonzern ein weiterer, wesentlicher Belastungsfaktor, sagte ein Händler.

Teilweiser Verkauf Noch Nicht VOM Tisch

Der Teil-Verkauf der TUI-Anteile ist nach Einschätzung von LRP-Analyst Hellgren aber noch nicht vom Tisch. Zwei Möglichkeiten seien denkbar. Zum einen sei dies der Kauf eines großen Anteils von knapp 30 % als langfristiges Investment. "Das würde nur bedeuten, bei TUI einen Fuß in die Tür zu bekommen."

Die andere Variante wäre das Ziel, über die Westlb-Anteile und weitere Zukäufe schließlich zu einer Mehrheitsbeteiligung von mehr als 51 % zu kommen. Für dieses Modell kämen aber eher Finanzinvestoren in Frage, die an einem Erhalt des gesamten Konzerns wenig Interesse hätten. "Bei diesem Modell geht es darum, mit TUI machen zu können, was man will."

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