Westliche Aktionäre kommen nur schwer an die „Perlen“ unter den russischen Aktien heran: Die Moskauer Börse boomt

Westliche Aktionäre kommen nur schwer an die „Perlen“ unter den russischen Aktien heran
Die Moskauer Börse boomt

Der russische Börsenindex RTS kämpft beharrlich um den Sprung über die Schallmauer von 300 Punkten, den er 2002 einmal kurz geschafft hat. Erst dann ist Analysten zufolge der Weg in weitere Höhen frei.

MOSKAU. Die russische Börse boomt nahezu ungebrochen, doch westliche Anleger müssen weitgehend hilflos zusehen. Denn obwohl wegen der anhaltenden Kursflaute in Europa und den USA das Interesse an renditestarken Russen-Titeln wächst, haben "normale" Anleger kaum eine Chance, die derzeit besonders stark steigenden Aktien zu kaufen. Dazu zählen beispielsweise die Regional-Telekomfirmen mit so unaussprechlichen Namen wie Tscheljabinskswjasinform. Die Gesellschaft konnte ihren Börsenwert seit Jahresbeginn um mehr als 50 % steigern. Allerdings wird nur eine Hand voll Russen-Papiere an den West-Börsen gehandelt. Und auch reine Russland-Fonds oder Indexzertifikate, die die starken Kurssteigerungen der russischen Börse voll mitmachen könnten, sind Mangelware.

Allerdings könnte der Ärger der Anleger anhalten oder noch zunehmen. Denn die Analysten der Moskauer Investmentgruppe Aton meinen, dass zurzeit "vor allem die zweite Staffel aufholt". Die Experten rechnen dazu Aktien wie die des Autobauers Avtovaz (Lada) oder des Moskauer Festnetz-Telekomanbieters MGTS, aber auch der Ölkonzerne Yukos und Sibneft. Die zuletzt genannten Werte sind immerhin als so genannte American Depositary Receipts (ADR/Ersatzwertpapiere) an deutschen Börsen zu kaufen. Sie weisen, nicht nur gemessen an dem trostlosen Verlauf westlicher Papiere, beeindruckende Steigerungen auf.

Andererseits ist es unter Moskauer Analysten umstritten, ob sich Russlands Börse weiter von der internationalen Kursentwicklung abkoppeln und haussieren kann. Grund dafür ist das - fast schon im Gegensatz zur Weltkonjunktur verlaufende - Wirtschaftswachstums des Landes. Dieses Wachstum weist jedoch erste Bremsspuren auf. Als Folge davon brechen die Unternehmensgewinne - wie zuletzt bei Gazprom und dem größten Ölkonzern Lukoil gemeldet - ein.

Die Moskauer United Financial Group sieht daher auch für die Moskauer Börse in der nächsten Zeit eine Seitwärtswegung voraus. Nicht zuletzt, da bei einigen Papieren die Anleger bereits Gewinnmitnahmen zu realisieren scheinen. Peter Boone von Brunswick UBS Warburg hält dagegen russische Aktien immer noch für relativ billig. Und zwar trotz einer Vervierfachung der Kurse seit dem Finanzmarkt-Crash im Herbst 1998. "Russland bleibt bisher weiter der billigste der etablierten großen Emerging Markets", sagt Boone.

Auch die Aton-Analysten sagen weitere Steigerungen voraus: "Gazprom hat die Chance, um weitere 20 bis 25 % zuzulegen." Gleichwohl stehen die im Ausland gehandelten russischen Gazprom-ADRs bei fast allen Moskauer Analysten nur auf "Hold" (neutral). Doch die Papiere legten stärker zu, als die mit "Buy" (Kauf) empfohlenen, ausschließlich in Russland gehandelten Gazprom-Aktien.

Unter den für ausländische Anleger leicht zu kaufenden russischen Aktien halten Investmenthäuser des Landes gleich mehrere Top-Tipps bereit. Dazu gehören der Stahlkonzern Severstal, der Mobilfunker Golden Telecom, der Strommonopolist UES sowie die Ölkonzerne Yukos und Surgutneftegas. Auch die Brauereigruppe Sun Interbrew zählt dazu; auf dem noch stärker als der Aktienmarkt boomenden russischen Biermarkt bestehe nur ein "Risiko": Die Russen gäben plötzlich das Trinken auf.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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