Wettbewerb auf dem deutschen Markt verschärft sich
Fondsgesellschaften spezialisieren sich und setzen auf bessere Information

Die deutschen Fondsgesellschaften stecken in schwierigen Zeiten: Die anhaltende Börsenbaisse sorgt für sinkende Erträge und steigende Kosten. Experten rechnen daher damit, dass sich die Konsolidierung der Branche im Jahr 2003 fortsetzt und dass sich die Anbieter stärker spezialisieren.

HB FRANKFURT/M. Außerdem erwarten sie, dass der Trend hin zu mehr Transparenz anhält und dass sich die Vertriebskanäle für Fremdprodukte stärker öffnen.

Als wichtigsten Trend sehen die Experten die verstärkte Konsolidierung der Branche. "In Deutschland gibt es nur zehn Kapitalanlagegesellschaften (KAGs), deren verwaltetes Vermögen höher ist als 2 Mrd. . Dies ist jedoch eine Richtgröße, die eine Gesellschaft braucht, um profitabel arbeiten zu können", sagt Thomas Richter, Sprecher des Marktführers DWS. Der Fondsverband BVI hingegen hat rund 70 Mitgliedsgesellschaften.

Neben der schlechten Börsenlage hat die Konsolidierung ihre Ursachen auch im verschärften Wettbewerb: Immer mehr ausländische Fondsgesellschaften drängen auf den deutschen Markt und bieten ihre Produkte an. "Deutschland ist der wichtigste Fondsmarkt in Europa. Im kommenden Jahr werden die ausländischen Gesellschaften besonders das institutionelle Geschäft ins Visier nehmen, dort sind sie noch nicht so stark vertreten", erwartet Joachim Meyer, Vorstand des Münchner Researchunternehmens Fondsconsult. Wie attraktiv insbesondere angelsächsische Anbieter den deutschen Markt einschätzen, hat bereits 2002 gezeigt: M&G, Standard Asset Management, Jupiter Funds und T. Rowe Price vertreiben nun hier ihre Fonds. "Teil der Konsolidierung wird auch sein, dass sich ausländische Gesellschaften an deutschen beteiligen oder deren Asset-Management-Aufgaben übernehmen", sagt Meyer.

Insbesondere für kleinere Fondsgesellschaften rechnen die Experten mit noch härteren Zeiten. Ob die Gesellschaften überleben, hänge davon ab, ob sie eine Nische finden, sagt Meyer. Die größeren deutschen Fondsgesellschaften würden wohl allesamt überleben. "Allerdings haben viele Anbieter einen aufgeblähten Verwaltungsapparat", sagt Adriaan Bonauer, Analyst bei der Fondsresearchfirma Morning- star. Er rechnet mit verschärftem Stellenabbau in der Branche.

"Die meisten Gesellschaften werden sich genauer überlegen, in welchem Teil der Wertschöpfungskette sie aktiv sein wollen - im Fondsmanagement, mit Nischenprodukten oder in der Abwicklung", sagt Peter Schwicht, Geschäftsführer von JP Morgan Fleming Asset Management. Im vergangenen Jahr hat sich der Drang zum Outsourcing in der neuen Popularität der so genannten "Master-KAG" gezeigt. Bei ihr ist die technische Abwicklung mehrerer Spezialfonds in der Hand einer KAG - denn im Bereich der Spezialfonds nimmt die Kundenbindung stark ab und die Gesellschaften kämpfen um die Gelder anderer Anbieter. Einige spezialisieren sich immer stärker auf die "Master-KAG"-Dienstleistung. "Hier ist das Rennen aber entschieden", sagt Meyer. Der Markt bietet nur Platz für Anbieter, welche die hohen Anforderungen im Bereich Informationstechnologie erfüllen. Laut Experten gehören dazu Activest, BHW Invest, Deutsche Asset Management, Helaba Invest, Metzler, Universal Investment und die Allianz-Dresdner-Tochter dbi.

Ein weiterer großer Trend ist die verstärkte Transparenz im Fondsmarkt. Die KAGs liefern mehr Informationen, da die Qualität der Produkte stärker über den Verkaufserfolg mitentscheidet - nicht mehr nur die Vertriebskraft der Investmentgesellschaft. So hat der BVI Anfang November seine so genannten Wohlverhaltensregeln vorgestellt, welche die Gesellschaften in punkto Anlagepolitik, Wertpapiertransaktionen und Fondskosten stärker in die Pflicht nehmen. Hinzu kommt, dass sich Asset Manager verstärkt Ratings unterziehen. Diese bewerten die Qualität der Gesellschaften. "Die Fondsmanager lassen sich so besser vergleichen. Dadurch kommen letztlich die Anbieter mit den besten Produkten stärker zum Zug", sagt Schwicht. Das Rating sei für die Gesellschaften aus einem anderen Grund wichtig, sagt Richter. Denn im Fondsvertrieb halte der Trend hin zum Verkauf von Drittprodukten an, da sei die Vergleichbarkeit der Anbieter sehr wichtig. "Alle stürzen sich auf die besten Produkte. Dies verstärkt sich in Zukunft noch", sagt Meyer. Damit dürfte sich die Zahl in Deutschland aufgelegter Fonds langfristig verringern.

Das zuletzt durch die Pläne der Bundesregierung stark in den Vordergrund gerückte Thema Fondsbesteuerung spiele auch im kommenden Jahr eine wichtige Rolle, sagt Schwicht. Der neue Vorschlag einer Abgeltungsteuer von 25 % stimme "erheblich optimistischer" als die zuvor im Kabinettsentwurf geplanten Vorhaben. "Wir sollten jedoch abwarten, wie die endgültige Version aussieht."

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