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Wettbewerb der «Bergischen Kräher»: Je länger, je besser

Solingen (dpa) - Bis zu vierzehn Sekunden lang kann der Schrei dauern. Mit einem herkömmlichen «Kikeriki» ist der Weckruf des Bergischen Hahns nicht zu vergleichen, denn er ist Melodie: tief beginnend, ansteigend und wieder fallend. Der «Schnork», ein tiefer Schnarchton, bringt ihn zum Ende. Diese Merkmale machen den Hahnenschrei des Bergischen Krähers so einzigartig.

Bereits zum vierten Mal auf Schloss Burg in Solingen veranstaltete die «Vereinigung der Züchter Bergischer Hühnerrassen und deren Zwerge» am Himmelfahrtstag einen Krähwettbewerb. Ab acht Uhr morgens maßen im Innenhof der Burg 32 Hähne ihre Kräfte. Ein Marathon-Weckruf jagte den nächsten und das obwohl die Sonne längst aufgegangen war.

«Der Krähruf des Hahns ist Ausdruck seines Balzverhaltens und wenn ein Hahn loslegt, dann versuchen die anderen, ihn lauthals zu übertrumpfen», sagte der Vorsitzende der Züchtervereinigung Witold Labenz, der selbst zwei Bergische Kräher in den Wettbewerb schickte.

Richter belauschten die Stimme jedes Hahns. Kriterien für die Beurteilung des Krährufs waren neben der Ruflänge einschließlich «Schnork» sowie dem Steigen und Fallen der Töne, auch die tiefe abschließende Tonlage und die Anzahl der Krährufe insgesamt. 13 stolze Hahnen-Besitzer waren aus ganz Deutschland, etwa aus Sachsen- Anhalt, Hessen und Unterfranken, angereist. Die meisten kamen allerdings aus dem Bergischen Land.

«Mit diesem historischen Austragungsort auf Schloss Burg in Solingen kehren die Hähne und der Krähwettbewerb an ihren Ursprung zurück», sagte Labenz. Auf der Suche nach der tatsächlichen Herkunft des Bergischen Nationalgeflügels wird immer wieder die Sage vom Grafen von Berg bemüht. Laut Überlieferung soll sich dieser - 1190 am Kreuzzug Barbarossas beteiligt - auf dem Rückzug mit seinem Gefolge verirrt haben. Von einem lang anhaltenden Krähruf eines Hahns zu einer Ansiedlung geführt, soll er aus Dankbarkeit das Tier mit in die Heimat genommen und ihm zu Ehren immer an Christi Himmelfahrt auf Schloss Burg einen Krähwettbewerb veranstaltet haben.

Mit etwa 1000 Tieren weltweit gehört der Bergische Kräher zu den seltenen Rassegeflügelarten. Nicht nur sein lang anhaltender Krähruf macht ihn einzigartig. Die Drei-Bogen-Linie, bestehend aus Hals, gewölbtem Rücken und Schwanz, und sein schwarz-goldbrauner Farbenschlag, also goldbraune Tupfen in den schwarzen Federn, machen ihn auch optisch zu einer Rarität.

Am späten Vormittag standen die Gewinner fest: Mit seinen beiden Hähnen wurde Vereinsvorsitzender Labenz Deutscher Meister in der Klasse der jungen Bergischen Kräher. Dazu gehören Hähne ab einem Alter von sechs Monaten bis zu zwei Jahren. Deutscher Meister in der Klasse der Bergischen Zwerg-Kräher, einer kleineren Form der Bergischen Kräher, wurde der Solinger Karl-Heinz Killing.

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