Wettbewerb im Markt für mittelständische Unternehmens-Programme wächst
Software-Riesen schauen auf die Kleinen

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft hat den Bereich Unternehmens-Software für Mittelständler entdeckt. Auch SAP will in dem vernachlässigten Segment stärker punkten. Für kleinere Anbieter wird es eng.

jkn/tnt FRANKFURT/M. Auf der Suche nach neuen Wachstumsmöglichkeiten entdecken immer mehr Software-Konzerne das Geschäft mit Unternehmenssoftware für den Mittelstand. Das jüngste Beispiel: Microsoft spielt offensichtlich mit dem Gedanken, die dänische Gruppe Navision/Damgaard zu übernehmen. Als Preis wird bis zu 1,7 Mrd. Euro kolportiert. Wenige Wochen zuvor hatte die deutsche SAP AG die Akquisition der israelischen Software-Firma Top-Manage und damit verbunden eine neue Mittelstands-Initiative bekannt gegeben.

"Der Mittelstand birgt noch einiges an Potenzial für Software-Unternehmen", glaubt Friederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank. Darüber, wie groß der Markt tatsächlich ist, gibt es kaum verlässliche Aussagen. Zu unterschiedlich wird der Begriff Mittelstand definiert.

Eines ist dennoch klar: Die diversen mittelständischen Firmen - allein in Deutschland sind es etwa 3,3 Millionen - kommen den Software-Riesen wie SAP oder Microsoft gerade recht. Ihr Stammgeschäft, ob es nun der Verkauf von Büroanwendungen und Betriebssystemen im Fall Microsoft oder von Unternehmenssoftware für Großkonzerne im Fall SAP ist, läuft zunehmend schleppender. "Beide brauchen den Mittelstand, um ihr Wachstum abzusichern", erklärte Hypo-Vereinsbank-Expertin Herkommer.

Noch wird der mittelständische Markt vor allem von kleineren Software-Anbietern wie Bäurer, Soft M oder Navison bedient. Sie alle sind weit von der Größe einer SAP mit einem Umsatz von über 7 Mrd. Euro entfernt. So konnte die erst im November 2000 aus der Übernahme von Daamgaard durch Navision hervorgegangene Navision-Gruppe ihren Umsatz in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2001/2002 (zum 30.06.) von 95,6 Mill. auf 113,7 Mill. Euro steigern.

Zwar wurden die Spekulationen über eine Übernahme von Navision bislang offiziell nicht bestätigt. Sollte Navision aber tatsächlich im Schoß von Microsoft landen, würde im Markt für Mittelstands-Lösungen ein gewichtiger Anbieter entstehen. "Das wäre für SAP ein ernst zu nehmender Wettbewerber", erklärt Herkommer von der Hypo-Vereinbank.

Microsoft hat über seine weit verbreiteten Betriebsysteme und Office-Anwendungen eine große Kundenbasis. Hinzu käme der Kunden-Stamm von Navision. Er beläuft sich nach Angaben der Dänen auf rund 133 000 Unternehmen in 102 Ländern, darunter alleine 8 500 Firmen in Deutschland. Zudem würde die vor allem in Europa starke Navision den vor einiger Zeit von Microsoft erworbenen Software-Anbieter Great Plains ideal ergänzen. Great Plains ist ebenfalls auf den Mittelstand konzentriert, bislang aber vor allem in den USA aktiv.

Ob Microsoft das Geschäft mit Unternehmens-Software für kleine und mittlere am Ende zu einem neuen Kerngeschäft ausbauen will, ist noch unklar. Geld wäre ausreichend vorhanden. Das Unternehmen verfügt über flüssige Mittel in Höhe von rund 38 Mrd. Dollar.

Bei SAP, der trotz mehrerer Initiativen im Mittelstand der große Durchbruch versagt geblieben ist, werden die Schritte des Konzerns aus Redmond deshalb bereits seit längerem aufmerksam verfolgt. "Wenn Microsoft diesen Bereich als Zukunftsmarkt sieht, ist das Unternehmen dort ein klarer Konkurrenz", so SAP-Mitgründer und Vorstandssprecher Hasso Plattner. Erst vor wenigen Wochen hat der deutsche Konzern eine Mittelstandsoffensive gestartet. Dabei setzt SAP erstmals zugekaufte Software ein, die aus dem Hause der übernommenen israelischen Software-Schmiede Top-Manage stammt. Damit reagiert das SAP-Management auf Kritik, die eigenen Programme seien für den Mittelstand zu komplex und zu teuer.

Mit dem Wettstreit der Großen um die mittelständische Klientel kommen auf viele kleine Anbieter schwere Zeiten zu. Branchenkenner erwarten eine massive Konsolidierung in der Branche. "Der Druck wächst. Nur wer eine starke Branchen-Spezialisierung besitzt, hat Chancen", glaubt Hypo-Vereinsbank-Analystin Herkommer.

Quelle: Handelsblatt

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