Wettbewerb im Versorgermarkt
Neues Duopol

Die Fusionsgenehmigung für E.On und Ruhrgas eröffnet vor allem Gaz de France eine Chance.

Zeit zum Schlafen fand Alfred Tacke vergangene Woche kaum. Zuerst in Begleitung des Bundeskanzlers das G8-Treffen in Kanada, dann das WM-Finale in Japan. Müde landete der Wirtschaftsstaatssekretär am Montag in Berlin. Nach kurzem Verschnaufen traf er E.On-Chef Ulrich Hartmann - und verfasste bis Donnerstag mit seinen Beamten eine 95-seitige Verfügung: die siebte Ministererlaubnis in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Energieriese E.On darf Ruhrgas übernehmen, obwohl Bundeskartellamt und Monopolkommission vor der Übernahme des Erdgasmarktführers gewarnt haben.

Hauptauflage: E.On und Ruhrgas müssen sich von ihren Anteilen am ostdeutschen Gasversorger VNG trennen, an dem Gaz de France seit der Wende 5,26 Prozent hält. Die Franzosen wittern jetzt ihre große Chance. Denn bei VNG haben sie ein Vorkaufsrecht für die übrigen Anteile der Großaktionäre und könnten so auf einen Schlag rund 42 Prozent des Unternehmens erwerben. Ein Gaz-de-France-Manager: "Das Bundeswirtschaftsministerium hat gegen eine solche Übernahme nichts, da auch wir in den kommenden Jahren privatisiert werden und kein staatliches Monopol mehr bilden."

Dass Ruhrgas nach den Auflagen des Ministeriums rund zehn Prozent vorrangig den Kommunen anbieten muss, gilt als Formsache. Der französische Konzern dürfte seine Angebote mit hohen Paketzuschlägen unterbreiten, bei denen die Kommunen nicht mitkommen, schätzt ein Pariser Energieexperte. Wenn der Deal steht, will Gaz de France, so sickerte durch, im Stile von Yello den Gasmarkt aufrollen. Yello, eine Marke der baden-würtembergischen EnBW, die sich zu rund 35 Prozent im Besitz des französischen Versorgers EDF befindet, fing mit dieser Strategie innerhalb von drei Jahren rund 800000 Kunden. Allerdings mit einem geschätzten Defizit von 500 Millionen Euro. Aber so etwas schreckt die Gaz-de-France-Manager nicht. Sie sitzen auf einer üppigen Kriegskasse von 100 Milliarden Euro.

Ansonsten aber bewirken Tackes Auflagen nach Ansicht von Branchenkennern wenig für den Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt. Über die Auflage etwa, sich vom Wasserversorger Gelsenwasser zu trennen, lacht die Branche. Zu offensichtlich dient diese Bedingung nur dem Zweck, den Hauptkonkurrenten RWE ruhig zu stellen. Seit Monaten gilt als ausgemacht, dass RWE Gelsenwasser übernehmen wird. Volker Jung, energiepolitischer Sprecher der SPD, fürchtet deshalb, "dass es auf ein Duopol zwischen RWE und E.On hinausläuft". Energieunternehmen wie der Händler Ampere AG haben jetzt Klage eingereicht. Nicht unbegründet: Martin Hellwig, Vorsitzender der Monopolkommission, hält es für möglich, "dass ein europäisches Kartellverfahren anders ausgeht".

Quelle: WirtschaftsWoche

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