Wettbewerber der Deutschen Telekom wollen „Line-sharing“ kaum nutzen
Telekom-Konkurrenz kritisiert DSL-Teilmiete

Telekom-Regulierer Matthias Kurth hat am Montag eine weitere Möglichkeit für neue Anbieter eröffnet, ihren Kunden schnelle Internetzugänge anbieten zu können.

dri BERLIN. Sie müssen dazu im Ortsnetz nicht mehr die ganze Kupferleitung auf der letzten Meile mieten, sondern können sich auf den Teil der Leitung beschränken, auf dem Daten übertragen werden. Dies kostet künftig mit einer Monatsmiete von 4,77 Euro deutlich weniger als die ganze Anschlussleitung mit 12,20 Euro.

Mit der Bekanntgabe des Preises für die geteilte Leitung, im Fachjargon "Line-sharing" genannt, haben Firmen, die über geteilte Mietleitungen schnelle DSL-Internetanschlüsse anbieten, nun Klarheit über die Kosten. Regulierer Kurth sagte auf der Cebit in Hannover, die Preise ließen Spielraum für attraktive und konkurrenzfähige Angebote. Der Kölner DSL-Dienstleister QSC AG, der Line-sharing für den Einstieg in das Privatkundengeschäft nutzen wollte, zeigte sich jedoch enttäuscht. Der Preis von 4,77 Euro sei zu hoch, weil er zu nahe am DSL-Endkundenpreis der Deutschen Telekom von 8,61 Euro liege, kritisierte QSC-Chef Bernd Schlobohm die Entscheidung. In den Massenmarkt könne das Unternehmen mit diesem Preis nicht einsteigen. QSC wird sich auf Geschäftskunden konzentrieren", sagte Schlobohm. Auch der DSL-Anbieter Riodata sieht sich durch die Preis-Entscheidung darin bestätigt, keine Internetanschlüsse für Privathaushalte anzubieten.

Mit den Line-sharing-Preisen blieb der Regulierer deutlich unter den Anträgen der Telekom, die 14,64 Euro beantragt hatte. Der Preis gilt bis 30. Juni 2003. Zusätzlich zur Monatsmiete müssen die alternativen Anbieter der Telekom einmalig 85,61 Euro zahlen. Der Bonner Konzern hatte 153,44 Euro gefordert. Hinzu kommt ein Kündigungsentgelt, das der Regulierer auf 72,10 Euro festsetzte. 117,73 Euro hatte die Telekom gewollt. Die Einmalentgelte gelten allerdings erst vorläufig. Die endgültige Entscheidung fällt, wenn am 11. April die Umschalt-Gebühren für den kompletten Anschluss neu festgesetzt werden.

Das Line-sharing, das in Deutschland auf Druck der EU eingeführt wurde, wird nach Branchen-Einschätzungen ein Nischen-Angebot bleiben. Riodata will es nach Aussagen eines Sprechers vor allem überall dort nutzen, wo das Unternehmen selbst noch keine ganzen Anschlüsse schalten kann. Allerdings zeige sich schon jetzt, dass die Telekom auch halbe Leitungen nicht schneller liefere als ganze Anschlüsse.

Gegen das Line-sharing sprechen sich allerdings nicht nur Telekom-Manager aus, sondern auch zahlreiche Wettbewerber. So kritisierte Reiner Lüddemann, Geschäftsführer des Stadtnetzbetreiber-Verbandes Breko, die 4,77 Euro als zu niedrig: Die Nischenanbieter, die allein DSL-Internetanschlüsse im Programm haben, würden gegenüber den Anbietern von teureren Komplettanschlüssen benachteiligt, sagte er. Der größte Festnetzwettbewerber, Arcor AG&Co, bezeichnete die Teilmiete als "vernünftigen Preis". Der Regulierer habe sich von der hohen Forderung der Telekom nicht beeindrucken lassen. Den Mut des Regulierers lobte auch Colt-Telecom-Chef Horst Enzelmüller. Beide Unternehmen wollen allerdings Line-sharing nicht nutzen.

Die Telekom denkt nach Aussage eines Sprechers über eine Klage gegen den Regulierer-Beschluss nach. Die Kurth-Behörde habe erneut gegen den Infrastruktur-basierten Wettbewerb entschieden. Die Telekom sei vor allem über die Entscheidung verwundert, ihre Kosten der Kupferanschlussleitung bei der Preisfestsetzung nicht zu berücksichtigen. Die Regulierungsbehörde begründete dies damit, dass die Telefonleitung ja bereits von den Telefonkunden bezahlt werde, zusätzliche Kosten für die reine Leitung entstünden durch die Line-sharing-Untermieter nicht.

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