Wettbewerbsbedenken gegen Übernahme von P & O durch Marktführer Carnival
EU-Kommission will Mega-Fusion der Kreuzfahrt-Giganten stoppen

Für Branchenkenner ist es keine Überraschung: Europas Wettbewerbshüter wollen die Fusion der beiden Marktführer für Kreuzfahrt-Reisen, die US-Gruppe Carnival und die britische Reederei P & O Princess, zum neuen Kreuzfahrt-Konzern der Superlative stoppen.

sce BRÜSSEL. Zwar ist die Entscheidung noch nicht offiziell. Das letzte Wort spricht Mitte August EU-Kommissar Mario Monti. Doch das interne Votum seiner Mitarbeiter ist bereits jetzt eindeutig: Der neue Gigant hätte "in mehreren europäischen Ländern eine wettbewerbsverzerrende Dominanz".

Carnival unterhält weltweit 40 Kreuzfahrt-Schiffe, P & O 20. Der Umsatz beider Unternehmen wird auf 5 Mrd. Euro geschätzt. Bis zum Jahr 2004, so heißt es in Brüssel, könne Carnival/P bis zu zwei Drittel der Buchungen erobern. Gegen diese Marktmacht hätten nach Erkenntnissen der Kommission insbesondere in Großbritannien und Deutschland Konkurrenten kaum eine Chance.

Betroffen wäre nicht nur der klassische Markt der Luxus-Reisen, sondern auch das neue Angebot von Familienurlauben auf See. So prognostiziert die Kommission das Aus für die in Deutschland operierende "La Deutsche Vita"-Linie der Costa-Gruppe. Sie würde der "erdrückenden Konkurrenz" der AIDA-Marke der P & O-Tochter Seetours zum Opfer fallen. Mit AIDA hat Seetours bereits 80 000 Kunden auf dem deutschen Markt erobert.

Der Mega-Deal hätte laut Kommission auch auf die Werft-Industrie negative Auswirkungen. Laut Brüsseler Schätzungen kommt der neue Kreuzfahrt-Konzern als Abnehmer von Luxuslinern auf einen weltweiten Anteil von 64,4 %. "Damit erwächst Carnival/P eine in der Branche noch nie da gewesene Käufermacht", sagt ein Experte.

Aus Furcht vor wachsender Abhängigkeit der Werften von der amerikanisch-britischen Großreederei hat der deutsche Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) bei Monti protestiert. In einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, warnt der VSM vor sinkenden Preisen und weiteren Anteilsverlusten führender deutscher Werften zu Lasten Koreas. "Als Hauptabnehmer können Carnival/P die Werften zur Akzeptanz koreanischer Kampfpreise zwingen", schreibt der VSM.

Sollte die Fusion von Carnival und P & O am Veto Montis scheitern, rechnen Marktbeobachter damit, dass es doch noch zu einem Zusammenschluss der britischen Reederei mit dem Branchenzweiten, Royal Caribbean, kommen wird. Dieser Fusion werden bessere Genehmigungschancen eingeräumt.

Kreuzfahrt-Reisen erleben zwar seit den Attentaten vom 11. September eine Buchungsflaute. Mittelfristig prognostizieren Fachleute aber einen Boom für Ferien auf schwimmenden Luxushotels.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%