Wettbewerbsfähigkeit japanischer Exporteure bedroht
Japan intervenierte erneut am Devisenmarkt

Japan hat offenbar erneut am Devisenmarkt interveniert, um die heimische Währung zu schwächen und damit die exportorientierte eigene Wirtschaft zu stützen. Händler berichteten am Dienstag, die Bank von Japan (BoJ) habe im Auftrag des Finanzministeriums wiederholt in großem Umfang Yen gegen Dollar verkauft.

Reuters TOKIO. Die US-Währung zog daraufhin zum Yen und auch zum Euro kräftig an, nachdem er zuvor von Äußerungen des US-Finanzministers John Snow belastet worden war. In Tokio gab es vorerst keine offizielle Bestätigung der Interventionen. Zuletzt hatten die japanischen Behörden Eingriffe am Devisenmarkt erst eine gewisse Zeit später eingeräumt. Die Europäische Zentralbank (EZB) gab in Frankfurt ebenfalls keinen Kommentar ab.

Japan hat ein vitales Interesse daran, dass der Yen zum Dollar nicht zu stark an Wert gewinnt. Denn eine starke Landeswährung beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Exporteure auf den internationalen Märkten. So sehen sich diese gezwungen, entweder die Preise für ihre Produkte im Ausland zu erhöhen oder Margeneinbußen hinzunehmen.

Zuletzt hatten japanische Regierungsvertreter auch keinen Zweifel daran gelassen, dass sie mit den jüngsten Kursgewinnen des Yen nicht zufrieden sind. In den vergangenen zwei Wochen sei der Kurs des Dollar um rund 5 Yen gesunken, sagte Finanzminister Masajuro Shiokawa am Dienstag vor Journalisten. "Und das ist ein bisschen unnatürlich", bemerkte er und fügte hinzu: "Wir brauchen so etwas wie eine Warnung."

Am Dienstagvormittag fiel der Dollar-Kurs bis auf 116,36 Yen, nachdem US-Finanzminister Snow sich kritisch zu Interventionen geäußert hatte. Japan und Europa sollten nicht den schwächeren Dollar für ihre eigenen wirtschaftlichen Probleme verantwortlich machen, sagte Snow in einem erst am Dienstag freigegebenen Reuters-Interview, das bereits am Freitag geführt worden war. Am Devisenmarkt wurde daraufhin spekuliert, für Japan könnte es nun in diplomatischer Hinsicht schwieriger werden, Interventionen vorzunehmen.

Am Montag hatte bereits Snows Äußerung, der schwächere Dollar wirke sich positiv auf die US-Exportwirtschaft aus, für kräftige Kursverluste der US-Währung gesorgt. Der Euro stieg dabei zeitweise auf 1,1623 Dollar, den höchsten Stand seit vier Jahren. Obwohl Snow zugleich auch das Festhalten an der bisherigen US-Währungspolitik betont hatte, wurde an den Devisenmärkten spekuliert, die Regierung in Washington kehre womöglich von ihrer bisherigen Politik des starken Dollar ab. Nach den Berichten über die Interventionen erholte sich die US-Währung am Dienstag zwischenzeitlich wieder auf 117,25 Yen. Auch zum Euro legte der Dollar zu, die Gemeinschaftswährung fiel auf Kurse um 1,15 Dollar zurück.

Nach Berechnungen eines japanischen Devisenbrokerhauses hat die BoJ in den vergangenen drei Arbeitstagen schätzungsweise bis zu 1,9 Billionen Yen am Markt verkauft. Von Januar bis März hatte Japan offiziellen Angaben zufolge nahezu 2,5 Bill. Yen (rund 18,5 Mrd. Euro) verkauft.

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