Wettbewerbshüter sieht Gefahr eines dauerhaften Monopols
Murdochs Pay-TV-Fusion in Italien steht vor dem Aus

Die angekündigte Fusion der beiden italienischen Pay-TV-Sender Telepiù und Stream droht am Veto der Kartellwächter in Rom zu scheitern.

mab MAILAND. Unter den jetzigen Bedingungen sei der Deal nicht akzeptabel, denn er führe zu einem dauerhaften Monopol, sagten der Kartellbehörde nahe stehende Kreise dem Handelsblatt.

Hinter Telepiù steht Canal Plus, eine Tochter des medienlastigen französischen Mischkonzerns Vivendi Universal. Stream ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Rupert Murdochs News Corp und Telecom Italia. Das Telekomunternehmen wollte im Rahmen der Fusion aus dem verlustträchtigen Fernsehprojekt aussteigen.

Nach der Verschmelzung sollte Canal Plus 75 %, Murdoch 25 % der Anteile halten, wobei letzterem die Möglichkeit eingeräumt wurde, binnen drei Jahren auf 50 % aufzustocken.

Exakt an dieser Kombination stört sich Kartellbehörden-Präsident Giuseppe Tesauro. Er argumentiert, dass bei einer Verbindung der beiden führenden Anbieter von Bezahlfernsehen in Europa der Wettbewerb beim Pay-TV in Italien nicht nur zeitweise, sondern dauerhaft eingeschränkt werde. Daher drängt Tesauro angeblich Vivendi-Vorstandschef Jean-Marie Messier, Murdoch vollständig auszukaufen und im Alleingang Stream zu übernehmen.

Messier und Murdoch bieten den Wettbewerbshütern gleich eine Reihe von Zugeständnissen an, um den Deal doch noch über die Bühne zu bekommen. So sollen sie die Öffnung ihrer technischen Plattform versprochen haben. Anderen Medienhäusern soll auf diese Weise der Zugang zum Bezahlfernsehen ermöglicht werden. Telepiù scheint zudem willens zu sein, nicht in das terrestrische Digitalfernsehen einzusteigen und dem Staat die dafür erhaltenen Frequenzen zurückzugeben. Außerdem haben sich die Beteiligten angeblich dazu bereit erklärt, die Vertragsdauer mit Fußballvereinen auf maximal drei Jahre zu begrenzen.

Fußball spielt in Italien sowohl im kostenfreien als auch im Bezahlfernsehen die Schlüsselrolle. Exklusivrechte für Live Übertragungen verschlingen gut die Hälfte der Budgets der beiden Pay-TV Anbieter. Telepiu hat elf Erstliga-Mannschaften unter Vertrag, Stream weitere sieben.

Hohe Kosten für die Fußballrechte haben die Verluste der beiden Unternehmen auf etwa 600 Mill. Euro im letzten Jahr aufgeblasen, was den Druck für eine Fusion verstärkt hat. Weder Stream noch Telepiù haben in ihrer Unternehmensgeschichte je Gewinne erwirtschaftet.

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