Wettbewerbsvorsprung in den USA
Analysten sehen Telekom-Strategie positiv

rtr FRANKFURT. Die Geschäftsstrategie der Deutschen Telekom wird nach den jüngsten Halbjahreszahlen und einer Analystenkonferenz von Branchenbeobachtern positiv eingeschätzt. Analysten sagten am Mittwoch, das durch hohe Marketingkosten für die Neukundengewinnung belastete Ergebnis in der Mobilfunksparte sei eine temporäre Erscheinung. Mittelfristig seien wieder operative Gewinne zu erwarten, da die margenträchtigen Geschäftsfelder gestärkt würden. Die zuletzt kritische kommentierte Expansion in den USA durch den Kauf von VoiceStream wurde zum Teil ebenfalls positiver gesehen. Nach dem deutlichen Kurabschlag an der Börse gehen die Telekom - Beobachter davon aus, das die Aktien bei rund 45 Euro einen Boden gefunden haben.

Während die meisten Analysten trotz einer positiveren Grundstimmung ihre Bewertungen für die Aktien beibehielten, hob WGZ-Bank-Analyst Jörg Natrop seine kurzfristige Bewertung für die T-Aktien auf "Marktperformer" von zuvor "Underperformer" an. Auch langfristig sieht der Analyst die Titel als "Marktperformer". "Bei der Telekom gilt nun die Devise: Kein Wachstum um jeden Preis", sagte Natrop. Der boomende Mobilfunk solle zwar in den Mittelpunkt des Konzerns rücken. "In Deutschland will sich die Telekom aber auch mit der Nummer Zwei hinter D2-Mannesmann zufrieden geben", was der Analyst begrüßte. Hintergrund sind die ergebnisbelastenden Akquisitionskosten für neue Kunden. Bei den übrigen Geschäftsfeldern Festnetz, Datenkommunikation und Online soll die konzerninterne Verzahnung und Optimierung angestrebt werden.

US-Übernahmekandidat Powertel ist eine gute Ergänzung

Die geplante Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Powertel sieht Natrop als "gute Ergänzung" des Zukaufs bei VoiceStream an. Im Aktienkurs der Telekom seien die Kaufpreise von zusammen rund 58 Mrd. $ mittlerweile enthalten. "Was soll da noch kommen?" sagte der Analyst mit Blick auf den Kurs, der in den vergangenen sechs Monaten um deutlich über 50 % gesunken ist. Die hohen Akquisitionskosten wolle die Telekom durch außerordentliche Erträge auffangen, was positiv einzuschätzen sei.

Auch Telekom-Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin begrüßte unter anderem die angekündigte Veräußerung der Geschäftsanteile an der US-Gesellschaft Sprint, die mehrere Mrd. $ in die Telekom-Kasse spülen wird. "Die Telekom tauscht zukunftsträchtige Assets gegen Beteiligungen mit geringerem strategischen Wert", sagte Hallmann unter Verweis auf die geplante Expansion in den USA. Sollte die Akquisition von VoiceStream und Powertel gelingen, verfüge die Telekom im kommenden Jahr mit einem weit reichenden GSM- Mobilfunknetz in den USA über einen Wettbewerbsvorsprung vor allen Konkurrenten. "Dies rechtfertigt den gebotenen Preis für VoiceStream", sagte der Analyst. Hallmann stuft die Telekom in der neutral gewichteten Branche als "Sektor Outperformer" ein und sieht Kurspotenzial für die Aktie nach oben.

Umdenken bei hohen Kundengewinnungskosten

Weiter als "Marktperformer" bewertet Stephan Droxner, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, die T-Aktien. Für die nächsten Monate sagte er Kurse zwischen 45 und 50 Euro voraus. In den kommenden Jahren wird der Telekom-Konzern seiner Einschätzung nach operativ wieder Gewinne schreiben, wenn die Beteiligungen und Akquisitionen in West- und Osteuropa wie geplant profitabel arbeiteten. Die sinkenden Gewinnmargen im Mobilfunk sind Droxner zufolge eine temporäre Erscheinung. Bei der Telekom habe ein Umdenken bezüglich der hohen Kundengewinnungskosten begonnen. Mittelfristig würden der Kundenzuwachs und damit die Kosten sinken. Notwendig sei die Akquisition weniger, aber umsatzstarker Kunden.

Von einer künftig besseren Ertragslage im Mobilfunk geht auch der Telekom-Analyst der Vereins und Westbank, - Nils Machemehl, aus. Die Telekom wolle die Subventionen von rund 150 Euro pro neuem Kunden im Mobilfunkgeschäft mit Guthabenkarten zurückführen. Damit wolle man dem Marktführer D2-Mannesmann signalisieren, dass man den Neukundenwettbewerb nicht um jeden Preis fortführen wolle. Machemehl hält zunächst an seinem Kursziel von 58 Euro und der Bewertung "Übergewichten" fest.

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