"Wettbüro-Charakter"
Borussia Dortmund ein Jahr an der Börse

Borussia Dortmund (BVB) ist Deutschlands einziger börsennotierter Fußballverein - und nach der enttäuschenden Kursperformance seit seiner Erstnotiz vor genau einem Jahr wird sich das nach Expertenansicht auch kaum ändern. Am 31. Oktober 2000 wurden die Papiere zu einem Preis von 11 Euro ausgegeben. Heute sind sie nur noch 5,15 Euro wert.

dpa-afx DORTMUND/FRANKFURT. Nach der Niederlage am Vortag gegen den Championsleague-Tabellenführer FC Liverpool und dem damit verbundenen Ausscheiden aus der europäischen Königsklasse verlor die Aktie am Mittwoch gut 10 %. Nach Ansicht eines Händlers ist die Reaktion der Aktionäre verständlich: Hätte die Borussia das Spiel für sich entschieden und wäre sie damit eine Runde weitergekommen, wären dem Verein rund 30 Mill. DM zugeflossen.

Doch vor allem das endgültige Ausscheiden aus der Championsleague habe die Aussichten für zukünftige Einnahmen deutlich eingetrübt, meinen Marktbeobachter. "Nur hier wird das eigentliche Geld verdient", sagte Christoph Schlienkamp, Analyst bei Bankhaus Lampe. Für jede gewonnene Runde seien Gesamteinnahmen zwischen 20 und 30 Mill. DM möglich. Nun bleibe den Borussen nur noch der UEFA-Cup - doch fielen dort die Siegprämien sehr viel bescheidener aus.

Aktie mit Wettbüro-Charakter

Auch künftig dürfte der Aktienkurs großen Schwankungen unterliegen, sagte der Analyst. Was bei anderen Aktien das Kurs-Gewinn-Verhältnis bedeute, sei bei Borussia allein der sportliche Erfolg. Dieser schwanke jedoch in der Regel von Woche zu Woche und von Spiel zu Spiel. Deshalb bleibe das Papier auch weiter eine "Aktie mit Wettbüro-Charakter", sagte Schlienkamp. Bei entsprechenden Spielergebnissen schlage sie kurzfristig mehr oder weniger stark aus.

"Die Aktie war mit einem Emissionspreis von 11 Euro von vornherein einfach viel zu teuer", sagte der Experte. Der BVB habe damals die Gunst der Stunde genutzt und mit dem Börsengang in einer Zeit der Aktieneuphorie möglichst viel Kapital in die eigene Kasse gespült. Aus heutiger Sicht sei lediglich ein Preis zwischen 6 und 7 Euro gerechtfertigt.

Schalke und Hertha als mögliche Nachfolger

Neues Kapital aus einem Börsengang hätten auch andere Vereine gerne zur Verfügung. So dächten etwa der FC Schalke 04 oder Hertha BSC schon seit längerem über einen Gang an den Aktienmarkt nach. Doch sei das Interesse an Sportaktien nach den herben Kursverlusten des Vorreiters Borussia bei weitem nicht mehr so groß wie noch vor einem Jahr, sagte Schlienkamp. Damit falle dann aber auch der zu erwartende Emissionserlös sehr viel geringer aus als von den Vereinen gewünscht. "Borussia Dortmund ist und bleibt eben vor allem eine sehr emotionale Aktie für Liebhaber", sagte der Analyst.

Im Geschäftsjahr 2000/2001 verbuchte die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA einen Fehlbetrag von rund 9 Mill. Euro. Verantwortlich für die roten Zahlen waren dem Verein zufolge die einmaligen Kosten für den Börsengang und die bislang fehlenden Erlöse aus internationalen Wettbewerben.

Niebaum hofft auf "sportliche Konsolidierung"

Aber bereits für das kommende Geschäftsjahr 2001/2002 hoffen die Verantwortlichen auf ein ausgeglichenes Ergebnis. Hierzu solle vor allem die angestrebte "sportliche Konsolidierung" beitragen, hatte BVB-Präsident Gerd Niebaum bei der Vorlage der Geschäftszahlen Anfang Oktober angekündigt.

In der Bundesliga glaube der BVB an eine Chance, unter die ersten Drei zu kommen. Und auch in die Championsleague hatten die Borussen eigentlich große Hoffnungen gesetzt. Allein 57 % der Gesamtinvestitionen von mehr als 61,7 Mill. Euro waren in neue Spieler investiert worden.

Positiv dagegen entwickelte sich der Umsatz - vor allem mit den Geschäftsfeldern Stadion, Sportartikelhersteller, Reisebüro und Internetfirma. Er vervielfachte sich binnen eines Jahres von 13,4 Mill. auf 107 Mill. Euro.

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