Wetterverhältnisse und Südamerikakrise machen Pflanzenschutzbranche zu schaffen
Dow sucht Partner für die Agrochemie

Kleinere Anbieter wie Dow Chemical gehen angesichts schwacher Märkte intensiver auf Brautschau.

DÜSSELDORF. Der US-Chemiekonzern Dow Chemical treibt seine Suche nach einem Partner für die Pflanzenschutzsparte stärker voran. "Wir würden das Geschäft gerne zum Teil einer größeren Einheit machen", sagte Vorstandschef Michael Parker dem Handelsblatt. Bei einem möglichen Joint Venture mit einem Konkurrenten besteht der größte US-Chemiekonzern nicht unbedingt auf der Kapitalmehrheit. "Entscheidend ist für uns, dass wir für unsere Aktionäre Wert schaffen", erläuterte Parker.

Die Frage nach derzeit konkreten Verhandlungen über Partnerschaften ließ Parker unbeantwortet. Es gebe ständig Gespräche in der Branche, sagte er nur. Dow warte auf die richtige Gelegenheit: Als mögliche Partner nannte er den US-Konzern Monsanto, der nach der Abspaltung vom Arzneihersteller Pharmacia komplett eigenständig an der Börse notiert ist. Aber auch die Agrosparten des US-Konkurrenten Dupont und der Ludwigshafener BASF AG wären aus seiner Sicht nahe liegende Partner.

Beim Ausbau des Agrochemiegeschäfts will Dow Chemical möglichst "kein Cash" aufwenden müssen. Wichtig sei, dass der Konzern einen langfristigen Zugang zur Biotechnologie habe, fügte Parker hinzu. Dies könnte Dow Chemical durch ein Zusammengehen mit Monsanto erreichen. Denn der US- Konkurrent ist das führende Unternehmen im Geschäft mit gentechnisch verändertem Saatgut. BASF investiert seit mehreren Jahren verstärkt in die Pflanzen-Biotechnologie, ist auf diesem Gebiet jedoch vergleichsweise klein.

Fusionspläne, wie sie Dow im Pflanzenschutz hegt, würden Wettbewerbshütern voraussichtlich kritisch bewerten. Denn der Markt wird nach dem Großfusionen der vorigen Jahre bereits von wenigen Konzernen dominiert: Die führenden sechs Anbieter vereinen annähernd 80 % des Umsatzes auf sich. Die Leverkusener Bayer AG bekam beim Kauf von Aventis Cropscience im Mai 2002 schon empfindliche Kartellauflagen zu spüren.

Bayer verschaffte sich durch die Übernahme ein Standbein im Zukunftsmarkt Biotechnologie - dies wollen alle Pflanzenschutzanbieter erreichen. Die Herstellung von biotechnischen Produkten wie gentechnisch verändertem Saatgut und darauf abgestimmte Pflanzenschutzmittel ist mit einem Jahresumsatz von 3 Mrd. $ zwar noch klein. Nach Angaben der Marktforscher von Phillips McDougall ist er aber im vergangenen Jahr um 13 % gestiegen - während das traditionelle Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln um 7 % auf knapp 27 Mrd. $ zurückgegangen ist.

Die Pflanzen-Biotechnik ist derzeit in der Forschung und in der Öffentlichkeit noch sehr umstritten. Agrokonzerne versprechen sich aber von ihr in dem kommenden Jahren neues Wachstum. Denn der Markt für Pflanzenschutzmittel gilt zwar als weitgehend unabhängig von allgemeinen Konjunkturschwankungen, doch er zeigt sich derzeit erneut in einer schwierigen Phase: Am vergangenen Wochenende musste Monsanto seine Gewinnprognose für dieses Jahr abermals senken, weil die Finanzkrise in Südamerika und das schlechte Wetter auf Umsatz und Ergebnis des Konzerns drücken.

Von beiden Problemen ist der gesamte Markt für Pflanzenschutzmittel betroffen. "2002 wird ein weiteres schwieriges Jahr für die Industrie", sagte Jochen Wulff, Vorstandschef der Bayer Cropscience AG, dem Handelsblatt. Er rechnet für den Gesamtmarkt zwar mit einer positiveren Entwicklung im zweiten Halbjahr, erwartet über das gesamte Jahr gesehen aber eine rückläufige Marktentwicklung.

Nach Einschätzung Wulffs litt die gesamte Branche vor allem im Mittleren Westen der USA unter schlechten Wetterbedingungen. Dort mussten die Farmer nach dem nassen Frühjahr und der anschließenden Trockenheit beispielsweise deutlich weniger Unkrautvernichtungsmittel einsetzen. Die Wetterverhältnisse in Europas seien vergleichsweise normal gewesen; der dortige "Markt für Pflanzenschutzmittel ist konstant" sagte Wulff.

Auch die Krise in Lateinamerika setzt vielen Anbietern zu. Besonders Monsanto traf der Notstand vieler Farmer in Argentinien und Brasilien, die ihre Rechnungen nicht bezahlen konnten und Bestellungen von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut vorerst zurückstellten.

Die Talsohle im Pflanzenschutzgeschäft sieht jedoch nicht nur Dow-Chef Parker nun erreicht. Auch Bayer-Cropscience-Chef Wulff rechnet im nächsten Jahr mit einem "freundlicherem Marktumfeld" und begründet dies mit den geringen Vorräten im Handel sowie steigenden Preisen bei einigen landwirtschaftlichen Produkten wie Soja und Getreide. Der seit Jahren anhaltende Rückgang der Preise für Agrarerzeugnisse hatte auch zu deutlich sinkenden Preisen für Pflanzenschutzmittel geführt.

Quelle: Handelsblatt

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