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Wettlauf um schnellen Tarifabschluss

In der diesjährigen Tarifrunde zeichnet sich wie vor zwei Jahren ein Wettlauf zwischen der IG Metall und der konkurrierenden IG Bergbau, Chemie, Energie über einen möglichst frühen Abschluss ab. IG-Metall-Vize Jürgen Peters sagte am Freitag, die Chemiegewerkschaft wolle in dieser Tarifrunde offensichtlich die erste Lohnzahl setzen.

Reuters HAMBURG. Zugleich forderte er die Metallarbeitgeber ultimativ auf, bis zur vierten April-Woche für Klarheit über die Einigungsmöglichkeiten in den regionalen Tarifgesprächen zu sorgen. Sonst werde die Gewerkschaft über einen Streik abstimmen lassen.

Der Tarifexperte im Vorstand der IG BCE, Werner Bischoff, sagte, er wolle bis Ende April einen Tarifabschluss erreichen. Wenn seine Gewerkschaft damit wirklich die erste Lohnzahl setzen sollte, werde die so gut sein, dass sie auch für Metaller akzeptabel sein werde, sagte Bischoff der Tageszeitung "Die Welt" (Samstagausgabe).

Plädoyer für schnellen Abschluss

Die IG BCE verhandelt am Dienstag in Hannover erstmals zentral für die 570 000 Beschäftigten der westdeutschen Chemiebranche. Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt, dem eine besondere politische Nähe zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nachgesagt wird, hatte kürzlich für einen möglichst schnellen Abschluss plädiert. Die Tarifverhandlungen dürften nicht in den Wahlkampf hineingezogen werden, sagte er. Die IG Metall, die am Montag im Pilotbezirk Baden-Württemberg die Tarifverhandlungen fortsetzt, weitete unterdessen ihre Warnstreiks in mehreren Tarifbezirken aus. Bis zum frühen Nachmittag beteiligten sich ihren Angaben zufolge fast 30 000 Metaller, 13 000 davon alleine in Bayern.

Die Chemiegewerkschaft hatte vor zwei Jahren durch einen frühen Abschluss eine Marke für die nachfolgenden Abschlüsse in der Tarifrunde gesetzt und der IG Metall damit erstmals die Meinungsführerschaft in der Tarifpolitik streitig gemacht.

In Kreisen der Metallarbeitgeber wurde Peters Ultimatum als Zeichen dafür interpretiert, dass die Gewerkschaft nach dem 22. April erste Einigungssignale geben könnte. Bis dahin seien der IG-Metall-Führung wegen der Warnstreiks die Hände für materielle Fortschritte in den Verhandlungen gebunden, hieß es. Für eine solche Entwicklung des Tarifkonflikts spreche die Terminierung der nächsten von der IG Metall angekündigten Warnstreikwellen am 8. und 15. April - parallel zu Verhandlungsrunden in Baden-Württemberg. Dort will der Bezirkschef der IG Metall, Berthold Huber, am Montag auf das Angebot der Arbeitgeber reagieren. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte dazu in einem Zeitungsinterview: "Wir erwarten in den nächsten Tagen eine detaillierte Antwort der IG Metall."

Die Arbeitgeber hatten in allen Tarifgebieten vorgeschlagen, die Lohnrunde mit den bislang getrennt geführten Verhandlungen über einen gemeinsamen Entgeltrahmen für Arbeiter und Angestellte (Era) zu verknüpften. Das Angebot für Einkommenserhöhungen von je zwei Prozent für dieses und das nächste Jahr ist mit dem Vorschlag verbunden, einen Teil davon in einen Ausgleichstopf zu zahlen, aus dem die Kosten für die Angleichung der Arbeiterlöhne an die Angestelltengehälter finanziert werden könnten. Mit einer zehnjährigen Übergangszeit wollen die Arbeitgeber zudem sicher stellen, dass für sie keine zusätzlichen Kosten damit verbunden sind. Die IG Metall lehnt das Lohnangebot als zu niedrig ab und beharrt auf ihrer Forderung nach 6,5 % höheren Einkommen.

IG-Metall-Tarifexperte schließt Annäherung nicht aus

Der Leiter der Tarifabteilung der IG Metall, Armin Schild, sagte, er schließe eine Annäherung mit den Arbeitgebern in Baden-Württemberg schon in den nächsten Verhandlungsrunden nicht aus. Mit dem 8. und 15. April seien zwei Verhandlungstermine in enger Folge verabredet worden, und möglicherweise würden dabei erste Kompromissmöglichkeiten sichtbar, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Ähnlich hatte sich bereits der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef Peter Gasse in einem Reuters-Interview geäußert. Gasse erwartet einen Pilotabschluss in Baden-Württemberg.

In Baden-Württemberg und Bayern setzte die IG Metall am Feitag ihre Warnstreiks mit "Frühschlussaktionen" zum Wochenende fort. Schwerpunkt war erneut Süddeutschland.

In der nächsten Woche soll die erste bundesweite Streikwelle rollen, zu der nach Gewerkschaftsangaben allein in Baden-Württemberg 30 000 Beschäftigte in 40 Betrieben aufgerufen sind. An den Aktionen soll auch die Belegschaft des DaimlerChrysler-Werksin Sindelfingen teilnehmen, womit die IG Metall traditionell die heiße Phase einer Tarifrunde einläutet.

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