Wettstreit zwischen TV und Multimedia-PC: Das voll digitalisierte Wohnzimmer

Wettstreit zwischen TV und Multimedia-PC
Das voll digitalisierte Wohnzimmer

Die gebeutelte Musikindustrie weiß ein Lied davon zu singen, dass Personal Computer längst nicht mehr nur zum Arbeiten und Spielen dienen. Über illegale Online-Tauschbörsen laden sich PC- Nutzer täglich Millionen Musikstücke auf ihre Rechner herunter und brennen von ihnen selbst zusammengestellte Musik-CDs. Der PC mutiert aber auch ganz legal immer mehr zum Multimedia-Center, wenn PC- Anwender etwa Sicherheitskopien ihrer eigenen CDs brennen, die Schnappschüsse aus ihrer Digitalkamera bearbeiten oder auf dem Rechner einen Videofilm digital schneiden.

HB/dpa HAMBURG. Wie das typische, voll digitalisierte Wohnzimmer jedoch einmal aussehen wird, ist lange noch nicht entschieden. In der Vision von Microsoft-Gründer Bill Gates wird der PC eine zentrale Rolle in der Welt der Unterhaltungselektronik spielen und immer stärker in Richtung Wohnzimmercouch vordringen. Zuvor hatte bereits Apple-Chef Steve Jobs den (Macintosh-) PC zur zentralen Schaltstelle des "digitalen Lifestyles" erklärt.

Für seine Version des digitalen Lebensstils hat Microsoft unter dem Codenamen "Freestyle" eine spezielle Variante des Windows- Betriebssystems entwickelt, die nun als "Windows XP Media Center Edition" vermarktet wird. Damit kann sich der Windows-PC in eine Mischung aus TV-Gerät, Mini-Stereoanlage, Videorecorder und Spiele- Computer verwandeln. Microsoft-Großkunden wie Dell Computer wollen mit der entsprechenden Hardware das Konzept umsetzen. "Ich glaube weiterhin fest daran, das der PC das Zentrum des Unterhaltungs-Universums wird", sagte Firmenchef Michael Dell im Januar auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.

Auch Craig Barrett, Chef des weltgrößten Chipproduzenten Intel, sieht im Wettstreit "TV vs. PC" Vorteile für den Personal Computer: "Der PC ist ein interaktives Gerät, das den Anwendern ermöglicht, die Inhalte selbst herzustellen und auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen", meinte Barrett auf der CES. Der Fernseher hingegen sei weitestgehend auf die passive Wiedergabe von Inhalten beschränkt. Die breite Akzeptanz von drahtlosen Netzwerken und schnellen Internet- Zugängen werde die Bedeutung des PCs in diesem Bereich noch steigern.

Die traditionellen Anbieter in der Unterhaltungselektronik-Industrie überlassen jedoch den Computerfirmen nicht kampflos das Wohnzimmer ihrer Kunden und suchen selbst nach neuen Konzepten. Kunitake Ando, der Chef von Sony, rief ebenfalls auf der CES in Las Vegas eine neue TV-Generation aus, die der PC-Industrie Paroli bieten soll. "Der Fernseher wird wiedergeboren als ein interaktives Gerät, das ständig online ist", sagte Ando. Dem Personal Computer und anderen Digitalgeräten ordnet der Sony-Chef nur die untergeordnete Rolle zu, letztlich den TV-Apparat mit Inhalten zu füttern. In Japan bietet Sony mit dem "Cocoon Home Server" ein Gerät an, das den herkömmlichen Videorecorder, aber auch den PC als Speicherort für die MP3-Musiksammlung ersetzen soll.

Auch auf der CeBIT wird es zum Wettstreit zwischen Vertretern der PC-Industrie und den Unterhaltungselektronik-Riesen wie Sony und Philips kommen. In Hannover werden aber auch Lösungen zu sehen sein, die eine Brücke zwischen beide Welten schlagen. So will beispielsweise T-Online künftig zweigleisig fahren. Auf der CeBIT 2003 stellt der größte Internet-Provider Deutschlands den Prototyp einer TV-Variante seines Breitbandportals "T-Vision" vor, das bislang nur auf dem PC abgerufen werden kann. "Wir wollen uns über die klassische PC-Welt hinaus neue Erlebniswelten erschließen", kündigte T-Online-Chef Thomas Holtrop vor der CeBIT an. "T-Online wird dabei in die Rolle eines Programm-Anbieters schlüpfen."

Und selbst bei Microsoft sieht man inzwischen Kompromisse: "Die Leute denken oft, ein Technologie-Wechsel bedeutet, dass ein Gerät durch ein anderes ersetzt wird", sagte Gates auf der CES. "In diesem Wettstreit tritt das Mobiltelefon gegen den PC an oder der Fernseher gegen den PC. Unserer Ansicht nach müssen diese Geräte aber zusammenarbeiten."

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