WGZ-Bank bestätigt Wertung für Aktie von Borussia Dortmund
BVB nicht durch Kirch-Insolvenz bedroht

Keine akute Gefahr durch Insolvenz der Kirch-Gruppe für die Aktie des Fußballvereins Borussia Dortmund (BVB) sehen die Analysten der Aktienresearch-Abteilung der WGZ-Bank. Sie empfehlen: "Akkumulieren".

DÜSSELDORF. "Nach heutigen Erkenntnissen gehen wir davon aus, dass auch die letzte Rate für die Saison 2001/2002 von 100 Mio. Euro pünktlich im Mai an die 36 Fußballvereine ausgezahlt wird", sagen die Experten. Bei keinem Bundesliga-Mitglied seien Liquiditätsengpässe durch wegfallende TV-Einnahmen zu erwarten. Die WGZ-Bank-Spezialisten gehen davon aus, dass sich in naher Zukunft ein Vertragspartner für die deutsche Fußball-Bundesliga finden wird, der einen für alle Beteiligten akzeptablen Preis für die TV-Rechte an den nationalen Meisterschaftsspielen zahlen wird. Das "Produkt Fußball" biete den Medienanstalten in Deutschland einen "außerordentlich attraktiven und lukrativen Content". Der erfreue sich hierzulande enormer Beliebtheit und garantiere überdurchschnittlich hohe Einschaltquoten.

Für wahrscheinlich halten die Analysen indes, dass die mit der Kirch-Gruppe vereinbarten 360 Mio. Euro für die Saison 2002/2003 bei einer Neuverhandlung nicht mehr erzielt werden können. Realistisch seien Beträge von etwa 300 Mio. Euro, was für den BVB eine Mindereinnahme von 2 Mio. Euro bis 5 Mio. Euro bedeuten würde. Bei einem geschätzten Umsatz von 116 Mio. Euro für 2002/2003 entspreche dieser Betrag zwar nur einem Umsatzanteil von weniger als 5%, würde aber das Ergebnis merklich belasten.

Dieser mögliche Einnahmeausfall könne unter Umständen jedoch durch weitere Erfolge im UEFA-Cup oder eventuelle Transfererlöse sowie Vertragsverlängerungen mehr als kompensiert werden. Während die nationalen TV-Einnahmen bei kleineren Erstliga- und den Zweitliga-Vereinen häufig mehr als 50% des Umsatzes ausmachen, liege diese Größe beim BVB bei ca. 15% bis 20%. Im internationalen Vergleich zeigt sich nach Ansicht der Analysten, dass in England mit 946 Mio. Euro die mit Abstand höchsten TV-Einnahmen erzielt werden. Es folgen Spanien mit 511 Mio. Euro und Italien mit 389 Mio. Euro vor Deutschland mit 360 Mio. Euro.

In den meisten dieser Länder sehen die WGZ-Bank-Experten Anzeichen dafür, dass der Zenit des Preisniveaus für die nationalen TV-Rechte erreicht bzw. überschritten ist und dass es kurz- bis mittelfristig zu einer "gesunden Konsolidierung" kommen werde. Diese Entwicklung hätte zur Folge, dass die Fußballvereine durch ausbleibende Einnahmen zu mehr Wirtschaftlichkeit finden müssen.

Zentrale versus dezentrale Vermarktung

Zurzeit werden die Fernsehrechte für die nationalen Wettbewerbe Bundesliga und DFB-Pokal sowie die Champions-League zentral vom DFB bzw. von der UEFA vermarktet. Beim UEFA-Pokal und dem UI-Cup ist es den beteiligten Mannschaften vorbehalten, ihre Spiele selbst oder über eine Agentur zu vermarkten. Diese sogenannte dezentrale Vermarktung kommt insbesondere den international erfolgreichen Fußballmannschaften mit einer großen Fangemeinde und einem starken Markennamen zu Gute.

Dies sei sowohl bei den Spielen im UEFA-Cup als auch bei den Meisterschaftsspielen der spanischen Liga zu beobachten, sagen die Analysten. Dort werde die dezentrale Vermarktung bereits praktiziert. Sollte dieses Modell auf die deutsche Bundesliga projiziert werden, wäre das nach Ansicht der Experten zwar für einen deutschen Top-Verein wie Borussia Dortmund von Vorteil, würde aber die Fußball-Bundesliga insgesamt weniger attraktiv machen, da sich die Schere zwischen kleinen finanzschwachen und großen finanzstarken Vereinen mit rasanter Geschwindigkeit weiter öffnen würde.

Das hätte - so befürchten die Analysten - zur Folge, dass sich eine "Zwei-Klassengesellschaft" in der Bundesliga etablieren würde, wobei sich wahrscheinlich eine elitäre Spitzengruppe von 4 bis 5 Großvereinen sowohl in finanzieller als auch in sportlicher Hinsicht herauskristallisieren würde.

Nachdem die Dortmunder das Halbfinale im UEFA-Cup erreicht haben, hob die WGZ-Bank ihre Schätzungen für die Umsätze des Vereins von 106 Mio. Euro auf 113 Mio. Euro und den Gewinn je Aktie von 4 Cent auf 7 Cent an. Sollte heute Abend das Finalspiel im UEFA-Cup-Wettbewerb erreicht werden, was nach dem 4:0 Sieg gegen den AC Mailand im Hinspiel sehr wahrscheinlich sei, würden die Experten weitere Einnahmen von 4 Mio. Euro in ihrem Basisszenario berücksichtigen. "Wir bestätigen weiterhin unsere Empfehlung Akkumulieren", teilt die Bank mit; die Experten verweisen auf die Unterbewertung zum fair value, den sie auf 8 bis 10 Euro beziffern.

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