WHO sieht „Meilenstein“
Sars-Reisewarnung für Peking aufgehoben

Ein halbes Jahr nach Ausbruch der lebensbedrohenden Lungenkrankheit Sars in China hat die Weltgesundheitsorganisation WHO ihre Reisewarnung für Peking aufgehoben. Das Risiko einer Ansteckung in der chinesischen Hauptstadt sei nur noch "minimal", sagte WHO - Regionaldirektor Shigeru Omi auf einer Pressekonferenz in Peking. Peking war weltweit die letzte Region, für die noch eine Reisewarnung der WHO galt.

HB/dpa PEKING. Die 14-Millionen-Metropole wurde auch von der Liste der Infektionsgebiete gestrichen. Der vorerst letzte Erkrankte in Peking war nach WHO-Angaben am 29. Mai isoliert worden. Damit war die Bedingung erfüllt, dass die letzte Ansteckung mehr als 20 Tage zurückliegen muss, was der doppelten Inkubationszeit entspricht. Als Infektionsgebiete gelten jetzt nur noch Taiwan und die kanadische Stadt Toronto. Nach WHO-Angaben sind aus Taiwan und Toronto die letzten Fälle am 19. und 20. Juni gemeldet worden.

Unterdessen meldete Griechenland seinen ersten konkreten Verdachtsfall. Ein Sars-Gentest bei einem 36-jährigen Unternehmer aus China sei positiv gewesen, teilte der griechische Gesundheitsminister Kostas Stefanis in Athen mit. Es sei eine Ironie, gerade an dem Tag diesen Fall zu haben, an dem Peking von der Liste der Sars- Infektionsgebiete gestrichen wurde.

Die WHO hält eine weitere weltweite Überwachung zu Sars bis zum Jahresende für dringend geboten. Es sei noch unbekannt, ob es sich bei der Lungeninfektion um eine Krankheit handle, die wie etwa die Grippe zu bestimmten Jahreszeiten auftrete, sagte WHO-Sprecher Ian Simpson in Genf. Der Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin, Reinhard Kurth, warnte, die Menschheit müsse jederzeit mit neuen Viren rechnen. "Es wird ein nächsten Mal geben", sagte Kurth in einem dpa-Gespräch. "Da der Mensch auch in die allerletzten Winkel der Erde vorgedrungen ist, kommen wir auch mit seltenen Tieren in Kontakt." Der Ursprung von Sars wird im Tierreich vermutet.

Der Erreger der Lungenkrankheit sei dank einer einmaligen internationalen Zusammenarbeit, strikter Quarantäne und schnellem Informationsaustausch etwa per E-Mail zurückgedrängt worden. "Wenn nicht weltweit dermaßen konzertiert reagiert worden wäre, hätten wir eine handfeste weltweite Infektionswelle mit viel mehr als den derzeit bekannten rund 800 Toten", betonte Kurth. "Dass die Bekämpfung so gut gelungen ist, hat selbst einige Fachleute überrascht." Einen Sars-Impfstoff kann es laut Kurth wenn überhaupt erst in einigen Jahren geben.

Chinas Vizegesundheitsminister Gao Qiang begrüßte die Aufhebung der am 23. April verhängten Reisewarnung für Peking, das zu seinem normalen Wirtschaftsleben zurückkehren könne. Auch er mahnte aber zur Wachsamkeit: "Der Sieg bedeutet nicht das Ende des Kampfes. Wir dürfen Sars nicht erlauben wiederzukommen." China müsse auch ein besseres Berichtssystem aufbauen, forderte der Vizeminister, der nach dem Rücktritt des Gesundheitsministers Zhang Wenkang wegen Missmanagements der Sars-Krise am 20. April praktisch das Ministerium leitet.

Erste Fälle der neuen Lungeninfektion waren bereits im November in der chinesischen Südprovinz Guangdong aufgetreten, wo der Höhepunkt der Krankheit im Februar erreicht worden war. In Peking hatte es nach Angaben informierter Kreise auch schon im Januar erste Fälle gegeben. Nach der offiziellen Statistik hatten sich in Peking mehr als 2500 Menschen mit Sars infiziert, über 340 starben.

WHO-Regionaldirektor Omi beklagte, dass China zu Anfang der Krankheit nicht offen genug berichtet habe. Das Ergebnis sei eine "Verzögerung" in der weltweiten Reaktion gewesen. Weltweit waren bis zum Montagabend nach WHO-Angaben 8459 Menschen an Sars erkrankt und 805 gestorben. China allein verzeichnete demnach 5326 Fälle und 347 Tote - mehr als irgendein anderes der insgesamt rund 30 betroffenen Länder. In Deutschland waren zehn Sars-Fälle gemeldet worden.

Die Rolling Stones wollen unterdessen ihrer "Lieblingsstadt Toronto" nach dem Sars-Desaster wieder auf die Beine helfen und planen ein neunstündiges Super-Konzert in der kanadischen Metropole. Die Veranstaltung soll am 30. Juli stattfinden und außer den Alt- Rockern etwa ein Dutzend weiterer Bands vorstellen.

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