Wichtige Nord-Süd-Autobahn noch immer gesperrt
Mindestens 19 Tote nach Unwettern in Südfrankreich

Nach einem der schwersten Unwetter in Südfrankreich in den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Toten auf mindestens 19 gestiegen.

dpa/HB NîMES. 12 Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehren vom Dienstag in der am schlimmsten heimgesuchten Region zwischen Nîmes und Avignon im Rhône-Tal noch vermisst. Durch die heftigen Gewitterregen mit Hagelschauern und Sturmböen, die am Sonntag begannen, wurden ganze Ortschaften überflutet, Brücken zerstört und große Straßenabschnitte weggeschwemmt. Die Katastrophe rief die Erinnerung an die erst kürzlich abgeklungene Jahrhundertflut in Ostdeutschland wach.

Laut dem nationalen Wetterdienst Météo France waren in der südfranzösischen Region seit Sonntagmittag punktuell bis zu 600 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, mehr als doppelt so viel wie im Erzgebirge, an anderen Stellen waren es 300 bis 400 Liter. Mit dem wiederkehrenden Sonnenschein am Dienstag sanken die Wasserstände rasch. In der Schlammwüste fand die Feuerwehr weitere Tote. Zwei Frauen wurden in ihren Häusern in Aramon gefunden und zwei Rentner in Vers-Pont-du-Gard.

An der Rhône südwestlich von Avignon brachen kurz nach Mitternacht zwei Deiche. Die Kleinstädte Aramont und Comps wurden fast vollständig überflutet. Die Feuerwehr brachte Bewohner eines Altersheims in Aramont in Sicherheit. "Am Anfang habe ich gar nicht glauben können, doch dann stieg das Wasser innerhalb von zwei Stunden auf drei Meter", berichtete ein Bewohner.

Mehr als 1300 Feuerwehrleute und Hilfskräfte waren mit Unterstützung von 735 Militärangehörigen rund um die Uhr im Einsatz. Soldaten retteten nach Angaben des Verteidigungsministeriums bis zum Morgen 1100 Menschen per Hubschrauber aus den Notstandsgebieten.

Rund 100 000 Haushalte waren in den Unwetter-Regionen am Montagabend ohne Strom, 60 000 waren es noch am Dienstagmittag. Rund 150 000 Menschen hatten keine Telefonverbindungen, weil die Leitungen unterbrochen waren. Das Straßen- und Schienennetz war am Dienstag noch weitgehend blockiert. Zwischen Montpellier und Nîmes blieb die Strecke des Hochgeschwindigkeitszugs TGV gesperrt. Auch die wichtigste Nord-Süd-Autobahnverbindung A7 konnte noch nicht wieder vollständig geöffnet werden.

"Die außerordentlichen Unwetter entstehen sehr oft zum Herbstanfang. Die heftigen Regenfälle können dann aber von den ausgetrockneten Böden noch nicht aufgenommen werden", erklärte Patrick Galois vom Météo France das Ausmaß der Überflutungen.

Premierminister Jean-Pierre Raffarin informierte sich bei einem Flug über die überfluteten Gebiete über das Ausmaß der Katastrophe. Er sagte eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro zu. Die Überflutungen seien "ein menschliches, soziales und wirtschaftliches Drama", erklärte Raffarin, der mit Innenminister Nicolas Sarkozy die Kleinstädte Sommières und Villevieille besuchte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%